Weiterbildung hilft: So lernen Sie sich besser kennen
Innere Antreiber können motivieren, aber auch belasten. Eine Weiterbildung kann helfen, sich selber besser zu verstehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Innere Antreiber können den Leistungsdruck im Alltag verstärken.
- Kleine Verhaltensexperimente helfen, starre Erwartungen zu hinterfragen.
- Ein offener Umgang mit Fehlern unterstützt das Lernen im Team.
«Sei perfekt», «streng dich an», «mach keine Fehler»: Solche Sätze müssen nicht ausgesprochen werden, um zu wirken. Solche Aussagen können durch Erfahrungen in der Kindheit geprägt und später in Schule und Beruf verstärkt werden. Sie können zu Leistung motivieren und Anerkennung bringen. Auf Dauer werden sie jedoch zur Belastung, wenn sie kein Mass und keinen Feierabend kennen.
Woher die inneren Antreiber stammen
Kinder lernen früh, welches Verhalten Lob bringt und welches Ärger auslöst. Wer vor allem für fehlerfreie Arbeit gelobt wird, kann Anerkennung mit Makellosigkeit verknüpfen. Dabei zählt nicht nur, was Erwachsene sagen, sondern auch, was sie täglich vorleben.

Ein Vorgesetzter, der nie einen Fehler zugibt, kann damit den Umgang mit Fehlern im Team prägen. Die Botschaft «mach keine Fehler» kann so über Jahre weitergereicht werden, meist ohne böse Absicht. Auch Sprichwörter wie «was du tust, tu richtig» können solche Erwartungen vermitteln.
Die fünf klassischen Antreiber
Die typischen Antreiber sind: «sei perfekt», «streng dich an», «mach schnell», «mach es allen recht» und «sei stark». Menschen können sich oft in mehreren dieser Muster wiedererkennen.
Unter Druck können solche inneren Forderungen stärker hervortreten. Wer sie benennen kann, gewinnt möglicherweise bereits etwas Distanz. Wer sich selbst beobachten will, achtet am besten auf die eigenen Gedanken und den inneren Tonfall bei Zeitdruck.
Was das im Arbeitsalltag kostet
Hohe Ansprüche sind nicht grundsätzlich schädlich. Belastend kann Perfektionismus werden, wenn unsere Fehler kaum als erträglich erscheinen und der eigene Wert vom Ergebnis abhängt. Dann können übermässiges Kontrollieren und Aufschieben entstehen. Aufgaben werden nicht begonnen, weil das Ergebnis ohnehin nicht genügen könnte.

Wie das Bundesamt für Statistik in einer Publikation von 2024 schreibt, hat der Stress am Arbeitsplatz klar zugenommen. Der Anteil der Erwerbstätigen, die bei der Arbeit meistens oder immer Stress erleben, stieg zwischen 2012 und 2022 von 18 auf 23 Prozent. Von diesen gestressten Personen fühlten sich 53 Prozent zusätzlich bei der Arbeit emotional erschöpft.
Von den untersuchten gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen nahm Stress damit am stärksten zu. Die Zahlen zeigen allerdings nicht, welchen Anteil innere Antreiber daran haben. Hinzu kommen mögliche Konflikte im Team, wenn hohe Ansprüche auf andere übertragen werden.
Wie Weiterbildung unterstützen kann
Innere Antreiber lassen sich nicht einfach per Beschluss abschalten. Neue Erfahrungen können helfen, eingefahrene Erwartungen zu hinterfragen. Dafür kann eine Weiterbildung einen geeigneten Rahmen bieten, sofern Fragen, Unsicherheit und Fehler willkommen sind.

Ein Kurs bietet die Gelegenheit, wieder Anfängerin oder Anfänger zu sein und Unwissen offen zu zeigen.
Wer erlebt, dass eine falsche Antwort im Seminarraum konstruktiv aufgegriffen wird, kann die eigene Fehlerangst hinterfragen. Entscheidend sind dabei die Lernatmosphäre und der Umgang mit Rückmeldungen. Nicht jede Weiterbildung bietet automatisch einen solchen geschützten Rahmen.
Genau hier zögern viele
Wer befürchtet, vor anderen schlecht dazustehen, kann bereits vor der Anmeldung zu einem Kurs zögern. Die Gründe für eine ausbleibende Weiterbildung sind jedoch vielfältig.
Wie das Bundesamt für Statistik in einer Auswertung von 2024 festhält, hatten 29 Prozent der 25- bis 64-Jährigen seit mindestens fünf Jahren keine Weiterbildung besucht. Bei Personen mit tiefem Bildungsstand waren es 52 Prozent.

Viele Befragte begründeten ihre Nichtteilnahme damit, dass sie keine Weiterbildung benötigten. Bei Personen, die sich weiterbilden wollten, aber nicht teilnahmen, gehörten familiäre Belastungen, Kosten und Zeitmangel zu den häufigsten Hindernissen. Einen Zusammenhang mit inneren Antreibern belegt diese Auswertung nicht.
Für Menschen mit ausgeprägter Prüfungsangst können Formate ohne Prüfung einen leichteren Einstieg bieten. Ebenso wichtig ist eine Kursleitung, die niemanden vorführt.
Wie sich Muster konkret verändern lassen
Ein erster Schritt kann ein sprachlicher sein. Aus «ich darf keine Fehler machen» wird «ich darf Fehler machen und daraus lernen». Solche Erlaubnissätze können helfen, starre Erwartungen zu hinterfragen.

Hilfreich sind ausserdem bewusste Experimente im Kleinen, etwa eine alltägliche Mail nach einmaligem Prüfen statt nach dreifacher Kontrolle abzuschicken. Wer merkt, dass die befürchteten Folgen ausbleiben oder bewältigbar sind, sammelt Gegenbeweise zur alten Regel. Solche Verhaltensexperimente gehören auch zu den Ansätzen im Umgang mit belastendem Perfektionismus.
Ein Lerntagebuch kann zudem helfen, Fortschritte sichtbar zu machen, die im Alltag sonst untergehen. Eine Weiterbildung mit passenden Übungen und wertschätzendem Feedback kann diesen Prozess unterstützen.















