Nachhaltigkeit: Obst und Gemüse – importiert oder Treibhaus?
Regional, eingeflogen oder aus dem Treibhaus? Welche Wahl im Gemüseregal wirklich von Nachhaltigkeit geprägt ist, ist oft überraschend.

Das Wichtigste in Kürze
- Je nach Herkunft und Anbauweise belasten Obst und Gemüse das Klima sehr unterschiedlich.
- Dabei sind Produktionsart und Transportweg entscheidend, nicht allein die Jahreszeit.
- Das Gemüse und Obst direkt vom Erzeuger zu kaufen, kann das Klima weniger belasten.
In den Supermärkten liegen Erdbeeren im Januar und Tomaten im Dezember. Das ganze Jahr über ist fast alles verfügbar. Doch nicht jedes Produkt belastet das Klima gleich stark.
Wer im Laden zwischen regionaler, importierter und Treibhausware wählt, trifft eine Entscheidung mit Folgen. Viele gehen davon aus, dass regionale Ware automatisch am besten abschneidet. Ganz so einfach ist es dann leider doch nicht.
Grundsätzlich lassen sich drei Wege unterscheiden, wie Früchte und Gemüse zu uns gelangen.
Saisonale Ware wächst im Freiland, wenn bei uns gerade Erntezeit ist. Importierte Produkte stammen aus dem Ausland und legen unterschiedlich weite Strecken zurück. Treibhausware reift in geschlossenen Anlagen, welche meist zusätzlich beheizt werden.
Saisonal und regional: meist die schlanke Variante
Wer saisonal einkauft, liegt klimatisch häufig richtig. Freilandgemüse aus der Region braucht weder lange Transporte noch beheizte Hallen. Ein Kopfsalat im Sommer oder Wurzelgemüse im Herbst verursachen wenig Emissionen. Allerdings müssen auch diese gelagert werden.

Werden Äpfel oder Karotten über Monate in Kühlhäusern gelagert, verbraucht das zusätzliche Energie. Saisonal bedeutet also nicht immer zwingend frisch vom Feld, sondern manchmal auch aus dem Kühllager. Für die Nachhaltigkeit zählen deshalb nicht nur die Herkunft und der Transport, sondern auch der Aufwand nach der Ernte.
Importiert: Alles hängt am Transportmittel
Beim Import entscheidet vor allem, wie die Ware reist. Per Schiff oder Bahn transportierte Lebensmittel fallen pro Kilo überraschend wenig ins Gewicht. Flugware dagegen ist ein echtes Problem. Frische Beeren, Spargel oder exotische Früchte werden teils eingeflogen, und ihre Klimabilanz schnellt dadurch in die Höhe.

Die Distanz allein sagt also wenig über die Nachhaltigkeit aus. Wichtiger ist die Frage, ob ein Produkt geflogen oder gefahren wurde. Ein Beispiel ist Spargel. Per Schiff aus Übersee ist er deutlich klimafreundlicher als die eingeflogene Variante.
Treibhaus: Je nach Modell nachhaltig
Gerade Treibhäuser zeigen, wie unterschiedlich Produktionen ausfallen können Wird eine Anlage im Winter mit Erdgas oder Heizöl beheizt, steigt der Ausstoss enorm.
Eine fossil beheizte Wintertomate verursacht teils mehr Treibhausgase als dieselbe Tomate aus dem spanischen Freiland.
Anders sieht es aus, wenn Abwärme aus der Industrie oder erneuerbare Energie zum Einsatz kommt. Dann verbessert sich die Bilanz deutlich und das Treibhaus wird zur sinnvollen Option. Für die Nachhaltigkeit ist somit die Energiequelle der entscheidende Hebel.

Die Klimabilanz ist nur ein Teil. Auch Wasserverbrauch, Bodennutzung und Pestizideinsatz spielen eine Rolle. Avocados oder Zitrusfrüchte etwa benötigen im Anbaugebiet viel Wasser und Land.
In trockenen Regionen kann das die lokale Natur stark belasten. Wer auf Nachhaltigkeit achtet, denkt diese Faktoren deshalb mit. Ein geringer CO2-Wert allein macht ein Produkt noch nicht rundum ökologisch.
Nachhaltigkeit: Warum die einfachen Regeln nicht reichen
Wie das Bundesamt für Umwelt zeigt, stiess die Schweiz im Jahr 2024 rund 40 Millionen Tonnen CO2-klimawirksame Emissionen aus. Das sind 27 Prozent weniger als 1990.

Trotzdem bewegt sich das Verhalten nur langsam. Wie die Universität St. Gallen in einer Studie von 2023 schreibt, ernähren sich nur rund elf Prozent der Schweizer Haushalte konsequent gesundheits- und umweltbewusst. Es ist also noch eine grosse Lücke zwischen dem Wissen und dem umgesetzten Handeln für die Nachhaltigkeit.
Wie kaufen wir am besten ein?
Saisonale Freilandware bleibt gut, solange sie nicht eingeflogen wird. Ausserhalb der Saison sind gelagerte regionale Produkte oft besser als beheizte Treibhausware.
Auch Importe per Schiff schneiden in dieser Zeit meist gut ab. Flugware sollte man möglichst meiden, auch wenn sie selten klar gekennzeichnet ist. Labels und Saisonkalender bieten Orientierung und unterstützen eine nachhaltige Wahl.

Schweizer Gemüseproduzenten wollen bis 2030 einen Grossteil ihrer Treibhäuser ohne fossile Energie betreiben. Bis 2050 sollen alle Anlagen mit erneuerbaren Quellen heizen. Gelingt das, verschiebt sich das Bild erneut. Treibhausware könnte dann für mehr Nachhaltigkeit im Sortiment stehen, statt als Klimasünder abgestempelt zu werden.
Auf den ersten Blick: Kein «Gut» oder «Schlecht»
Es gibt also auf den ersten Blick kein «Gut» oder «Schlecht». Transportmittel und Produktionsart sind neben der Jahreszeit eine gute Option, sich nachhaltig zu entscheiden. Wer diese Faktoren im Blick behält, kauft fast immer klimafreundlicher ein.















