YB – Lars Lunde: «Der FCB? Keine Chance auf den Titel!»
Nau.ch-Kolumnist Lars Lunde eine erste Zwischenbilanz zu YB – und blickt zurück auf den Meistertitel 1986 und das Europapokal-Duell mit Real Madrid.

Das Wichtigste in Kürze
- YB geht auf Rang zwei ungeschlagen in die Nati-Pause, liegt aber sechs Punkte hinter Lugano zurück.
- Lars Lunde gefällt das Kader besser als in den Saison zuvor – er hofft aber auf noch mehr Dominanz.
- Zudem blickt der Nau.ch-Kolumnist auf die YB-Highlights vor 40 Jahren zurück.
Lars Lunde wird 1986 mit YB Meister und ist bis heute eng mit den Bernern verbunden. Im Interview blickt der Nau.ch-Kolumnist auf die laufende Saison. Und erinnert sich 40 Jahre später an den Titel und die Europacup-Nächte gegen Real Madrid zurück.
BärnerBär: Lars Lunde, Sie haben vor Saisonstart in Ihrer Kolumne gefordert: Der Titel muss wieder über YB führen. Ist dieser Wunsch auf gutem Weg?
Lars Lunde: Jein. Die einzige Konstante in der Super League ist für mich die Inkonstanz. Die Liga unterhält, aber sie hat aus meiner Sicht an Qualität eingebüsst. Beim Spitzenkampf bei Leader Lugano hat YB ein 2:2 geholt, das ist okay. Die Tessiner sind für mich neben YB der grösste Titelkandidat. Vor der Saison hatte ich noch den FC St. Gallen auf dem Zettel, aber daran glaube ich nicht mehr.

BärnerBär: Rückt dafür Sion in den Kreis der Titelanwärter?
Lunde: Ich habe die Walliser zuletzt gesehen. Sie haben eine gute Kaderbreite, aber ich bin nicht sicher, ob das reichen wird. Stand jetzt würde ich auf Lugano und YB tippen. Aber die Young Boys müssen schon aufpassen, dass Lugano nicht davonmarschiert.
BärnerBär: Und was ist mit dem FCB? Kann der Trainerwechsel die Basler wieder ins Titelrennen bringen?
Lunde: Aus meiner Sicht hat der FCB keine Chancen auf den Titel! Das Kader ist nicht stark genug, um YB und Lugano herauszufordern. Das heisst aber nicht, dass die beiden Teams die Bebbi auf die leichte Schulter nehmen sollten. Der Trainerwechsel beim FCB hat mir aber schon zu denken gegeben.

BärnerBär: Inwiefern?
Lunde: Vorneweg: Bei YB gibt es vergleichsweise viel weniger Unruhe als am Rheinknie. Der Club wird ruhig und gut geführt. So war der FCB auch mal – seit etwa acht Jahren ist er aus meiner Sicht aber ein Chaos-Club. Zu Lichtsteiner: Als er Trainer war, spielte Shaqiri nicht gut – jetzt blüht er wieder auf. Da kann doch etwas nicht stimmen?
Lunde: Ich möchte weder Shaqiri noch einem anderen FCB-Profi etwas unterstellen. Ich selber hätte nie gegen einen Trainer spielen können. Aber Fussball ist doch der schönste Job im Leben, da spielt es doch keine Rolle, wer an der Seitenlinie steht. Aber als Team hat man viel Macht, Der Trainer ist immer das schwächste Glied.

BärnerBär: Zurück zu YB: Die Berner haben einen grösseren Umbau hinter sich, das Kader wurde verändert und verkleinert. Wie zufrieden sind Sie mit der YB-Ausgabe 2026/27?
Lunde: Das Kader ist sicher besser zusammengestellt, als in den letzten Saisons. Es bietet auch jungen Spielern Chancen auf Einsatzzeit, zudem stimmt die Mischung aus Erfahrung und Talent.
Unglücklich läuft es aber weiterhin in der Innenverteidigung: Cedric Zesiger fällt aus, dafür spielt jetzt Loris Benito wieder mehr. Und auch Gregory Wüthrich muss schon wieder ersetzt werden. Er verpasst sehr viele Spiele, so kann er nicht zum Leader werden. Und dafür hatte man ihn ja eigentlich geholt.
BärnerBär: Als ehemaliger Stürmer muss Ihnen dafür die YB-Offensive viel Freude bereiten?
Lunde: Ja! Bei Alvyn Sanches macht es einfach Spass, ihm zuzuschauen. Er ist für Schweizer Verhältnisse ein Top-Talent. Neuzugang Kaly Sène gefällt mir gut, er bewegt sich stark – ein guter Transfer. Und Samuel Essende ist ein richtiger Bulldozer im Zentrum.

BärnerBär: Sie waren in den letzten Saisons unzufrieden mit der Spielweise von YB. Hat sich das geändert?
Lunde: Für meinen Geschmack darf YB noch etwas dominanter auftreten. Es gibt noch zu viele Phasen im Spiel, in denen es kippen kann – obwohl die Young Boys jeweils das bessere Team sind.
Diese Balance stimmt noch nicht immer, da nehme ich das Mittelfeld in die Pflicht: Armin Gigovic und Edimilson Fernandes müssen den Raum vor der Abwehr besser absichern.
BärnerBär: Was fällt sonst noch auf im Vergleich zur Vorsaison?
Lunde: YB hat mehr Biss und mehr Moral, man reagiert besser auf Rückschläge. Das liegt aber auch an den besseren Resultaten, da wird die Stimmung automatisch besser.
BärnerBär: Jetzt wartet eine lange Nati-Pause, erst am 10. Oktober geht es in der Super League weiter. Was ist ihre Meinung zum grossen Unterbruch?
Lunde: Für mich ist das eine Katastrophe! Das hätte man anders lösen müssen, diese Pause ist zu lang. Und es hat auch Einfluss auf die Meisterschaft: Einige Teams aus der Super League können damit aus dem Tritt kommen, andere durchatmen und auf die Rückkehr verletzter Spieler hoffen.
Man klagt immer über zu viele Spiele und zu hohe Belastung. Jetzt unterbricht man den Liga-Betrieb für drei Wochen und reist kreuz und quer durch Europa.
Dabei spricht man immer von der Belastungssteuerung. Damit kann ich nicht viel anfangen: Es gibt doch nichts Schöneres, als alle drei Tage Fussball zu spielen?

BärnerBär: Mit Verlaub: Die Belastung ist heute schon deutlich grösser, als zu Ihrer Profi-Zeit?
Lunde: Klar, keine Frage! Aber wir haben früher immerhin noch unsere Koffer und Bälle selber getragen (lacht). Im Alter wird man zum Klugscheisser, das geht mir auch so.
Ich finde einfach: Es gibt nichts Schöneres, als Fussball zu spielen. Und gerade in einem kleinen Land wie der Schweiz sind die Distanzen kurz. Man darf nicht immer nach Entschuldigungen suchen.
BärnerBär: Blicken wir zurück: Der YB-Meistertitel von 1986 jährt sich in diesem Jahr zum 40. Mal. Woran erinnern Sie sich spontan?
Lunde: Für mich hat damals alles mit einer Person begonnen: Als Robert Prytz zu YB gewechselt ist, wurde bei uns alles besser. Er hat unser Leben als Fussballer verändert und alles in die richtigen Bahnen gelenkt.
Wir wurden alle ein paar Prozent stärker, haben gewonnen und mit den Siegen ist eine Eigendynamik losgegangen. Dann gewinnst du auch mal ein Spiel glücklich – das braucht es auf dem Weg zum Titel.

BärnerBär: Seither hat sich auch bei YB viel verändert.
Lunde: Wahnsinn, wenn ich heute in die Kurve schaue: Diese Fahnen, diese Stimmung. Bei uns sassen meist ein paar Fans im Trikot auf der Tribüne (lacht). Und nach unserem Meistertitel war in der Stadt nichts los. Aber das Schöne: Bern ist eine geniale Stadt.
Wenn du den Menschen etwas gibst, dann sind sie begeisterungsfähig und es kommt wahnsinnig viel zurück. YB und Bern: Das war und ist mein ganz grosses Glück!
BärnerBär: In der letzten Woche hat sich auch der 1:0-Sieg von YB gegen Real Madrid zum 40. Mal gejährt. Wie erinnern Sie sich daran?
Lunde: Ich hatte damals schon meinen Vertrag mit Bayern München, aber der YB-Präsident hat gesagt, dass ich die Spiele gegen Real noch machen muss. Alle haben aber gewusst, dass ich gehe – es war eine angespannte Zeit. Dann kam das Weisse Ballett nach Bern, die Königlichen.
Diese Spieler habe ich nur aus dem TV gekannt. Glück für uns, dass sie im Hinspiel keinen Schritt zu viel gemacht haben. Prytz flankt auf Bamert, 1:0. Ein Highlight für uns – aber in der Liga lief es daneben nicht so rund. Ein grosses Spiel kann vom Tagesgeschäft ablenken, das ist bis heute so geblieben.
BärnerBär: Das Rückspiel endet dann deutlich mit 0:5 – aber lange sah es noch gut aus für YB? Vier Gegentore fielen erst spät.
Lunde: Da muss ich Folgendes sagen: Ich habe in der Saison 1986/87 viermal gegen Real gespielt: Zweimal mit YB und dann zweimal mit Bayern München im Halbfinal. Das war wie Tag und Nacht. Wenn wir ehrlich sind: Gegen uns haben sie in der Schlussphase zweimal mit dem «Füdli» gewackelt und das Spiel war durch.
Für uns war es aber eine Riesensache, mit YB im grossen Bernabeu zu spielen. Aber wir hatten kaum eine Chance. Als ich mit den Bayern gegen Real gespielt habe, war der Respekt der Madrilenen dann deutlich grösser. Trotzdem haben wir sie dann bezwungen.
BärnerBär: Erstmals seit 2013/14 spielt YB in dieser Saison nicht international. Ein Betriebsunfall?
Lunde: Das schmerzt natürlich und ist nicht gut. Aber das Positive: Man hat die Lehren daraus gezogen, das sieht man auch am aktuellen Kader. Nächste Saison sind wir wieder dabei. Schliesslich spielt YB um den Titel – damit kommt der Europacup automatisch.
| Super League (24.09.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 9 | 8 | 0 | 1 | 27:7 | 25 | |
| 2. | ![]() | 9 | 5 | 0 | 4 | 31:18 | 19 | |
| 3. | ![]() | 9 | 6 | 2 | 1 | 23:14 | 19 | |
| 4. | ![]() | 9 | 4 | 4 | 1 | 17:17 | 13 | |
| 5. | ![]() | 9 | 4 | 4 | 1 | 16:19 | 13 | |
| 6. | ![]() | 9 | 3 | 3 | 3 | 17:18 | 12 | |
| 7. | ![]() | 9 | 3 | 4 | 2 | 14:20 | 11 | |
| 8. | ![]() | 9 | 3 | 5 | 1 | 11:13 | 10 | |
| 9. | ![]() | 9 | 3 | 5 | 1 | 15:23 | 10 | |
| 10. | ![]() | 9 | 2 | 5 | 2 | 13:24 | 8 | |
| 11. | ![]() | 9 | 2 | 7 | 0 | 18:21 | 6 | |
| 12. | ![]() | 9 | 1 | 5 | 3 | 7:15 | 6 | |
| Super League (24.09.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 9 | 25 | |
| 2. | ![]() | 9 | 19 | |
| 3. | ![]() | 9 | 19 | |
| 4. | ![]() | 9 | 13 | |
| 5. | ![]() | 9 | 13 | |
| 6. | ![]() | 9 | 12 | |
| 7. | ![]() | 9 | 11 | |
| 8. | ![]() | 9 | 10 | |
| 9. | ![]() | 9 | 10 | |
| 10. | ![]() | 9 | 8 | |
| 11. | ![]() | 9 | 6 | |
| 12. | ![]() | 9 | 6 | |



























