Leser staunt: Jeden Sonntag kommen zwei Hornissen vorbei – Zufall?
Ein Leser bekommt auf seinem Balkon seit drei Wochen Besuch von zwei Hornissen – aber nur sonntags. Laut Experten sind sie aktuell oft anzutreffen.

Das Wichtigste in Kürze
- «Seit drei Wochen schwirren sonntags zwei Hornissen bei uns auf dem Balkon herum», sagt Leser Markus J.*
- Die Insekten würden aber nicht nur abends auftauchen. Sie seien auch schon am helllichten Tag da gewesen.
- Laut einem Experten könnte es dieses Jahr aufgrund des Wetters mehr Hornissen haben in der Schweiz.
Nau.ch-Leser Markus J.* und seine Partnerin wundern sich. Denn: «Seit drei Wochen schwirren sonntags zwei Hornissen bei uns in Bern auf dem Balkon herum.»
Das Spezielle: «Sie sind jeweils zu zweit da. Und was mich noch mehr verwundert: Wir haben sie bisher nur sonntags gesehen, sonst sind sie an keinem anderen Tag hier aufgetaucht.»
Sie hätten befürchtet, dass es sich um Asiatische Hornissen handeln könnte. «Das konnten wir aber anhand von Vergleichsbildern im Internet ausschliessen.»
Auch am helllichten Tag da
Markus und seine Partnerin vermuten zunächst, dass die Insekten vom Licht angezogen werden: «Weil es beim ersten Mal schon dunkel war und sie beide an der Fensterscheibe zur Wohnung herumflogen.»
Doch beim zweiten Mal kamen die Hornissen am helllichten Tag. «Da war in der Wohnung kein Licht an und auf den Balkon schien die Sonne. Während es sich eine Hornisse auf dem Balkonboden gemütlich machte, flog die andere wieder vor dem Fenster herum.» Wegen der Hornissen hätten sie sich dann nicht auf den Balkon gewagt.

Sie hätten sich gefragt, warum die Hornissen jetzt auftauchen. Und vor allem, weshalb immer gleich zwei da sind – und dies auch nur sonntags. Nau.ch hat bei Experten nachgefragt.
Hornissennest könnte sich in der näheren Umgebung befinden
«Hornissen gründen im Frühling ihre Nester, die bis zum Spätsommer stetig grösser werden. In dieser Jahreszeit sind sie dann also am zahlreichsten und entsprechend oft anzutreffen.» Das sagt Insektenexperte Hannes Baur vom Naturhistorischen Museum Bern.
Christophe Praz von Info Fauna ergänzt: «Hornissen sind soziale Wespen, deren Kolonien im Laufe des Jahres wachsen.» Die Königinnen seien im Frühling und zu Beginn des Sommers aktiv.
«Gegen Ende des Sommers gibt es deutlich mehr Individuen, manchmal mehrere hundert Tiere in einem Nest. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlicher, Hornissen im Spätsommer und im Herbst zu beobachten.»
Dass jeweils zwei Hornissen aufgetaucht sind, und bisher nur sonntags, halten die beiden Experten für «Zufall». Das Auftauchen auf dem Balkon «könnte darauf hinweisen, dass sich ein Hornissennest in der näheren Umgebung befinde», so Baur.
Laut Praz könnten die von Markus beobachteten Individuen Arbeiterinnen sein. Diese würden «sich maximal 500 Meter bis 1 Kilometer von ihrem Nest entfernen».
Dieses Jahr wohl mehr Hornissen als üblich
Hornissen würden durch trockene und milde Frühlinge begünstigt, so Praz. «Und sonnige Herbsttage wie in diesem Jahr führen dazu, dass die Nester länger aktiv bleiben können. Daher gibt es dieses Jahr wahrscheinlich tatsächlich mehr Hornissen.» Daten oder ein Monitoring dazu gibt es jedoch nicht.
Laut Baur sind Hornissen «nützlich und recht gutmütige Insekten. Sie stechen nur, wenn sie unmittelbar bedroht sind – wenn man sie also ergreift oder zu nahe ans Nest kommt.»
Lässt sich kaum verhindern
Von Hornissen auf Nahrungssuche, wie jene auf dem Balkon von Markus, gehe normalerweise kaum Gefahr aus. «Licht löschen oder Anbringen von Mückengitter kann die Hornissen am Eindringen in die Wohnung hindern», erklärt Baur.
Praz zufolge könne man Nester auch umsiedeln, wenn man sie finde und sie leicht zugänglich seien. «Häufig befinden sich die Nester jedoch in Bäumen, sodass es unmöglich ist, an sie heranzukommen.»
Abschliessend erklärt der Experte: «Im Gegensatz zu anderen Wespen werden Hornissen nicht besonders von Früchten oder Fleisch angezogen. Sodass man ihr Auftreten kaum verhindern kann.»













