Nachhaltigkeit: Wasserverbrauch bei Lebensmitteln – der Unterschied
Lebensmittel verbrauchen unterschiedlich viel Wasser. Für die Nachhaltigkeit machen besonders Herkunft, Bewässerung und Tierfutter die grosse Differenz.

Das Wichtigste in Kürze
- Gewusst? Kartoffeln und Gemüse benötigen weniger Wasser als die Rindfleisch-Produktion.
- Die Herkunft und die Bewässerung sind entscheidend dafür, wie ein Produkt belastet ist.
- Im Alltag können wir dazu beitragen, den Wasserverbrauch pro Lebensmittel zu reduzieren.
Kaufen wir Lebensmittel ein, steht der entstandene Wasserverbrauch natürlich nicht auf dem Produkt. Doch dahinter steckt oft eine lange Produktionskette mit Regen, Bewässerung, Futteranbau, Verarbeitung und Transport. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf den sogenannten Wasserfussabdruck.
Mit Wasserfussabdruck ist nicht nur das Wasser gemeint, das beim Waschen oder Kochen direkt verbraucht wird. Dazu gehört auch das Wasser, das während der Herstellung eines Produkts nötig war.
Wir können zwar nicht direkt in die Herstellung eingreifen, aber in unser Einkaufsverhalten. Wenn wir wissen, wie viel Wasser bei der Herstellung von Produkten entsteht, können wir diesen Konsum reduzieren.
Nachhaltigkeit: Die Herkunft ist wichtig
In der Landwirtschaft wird oft zwischen grünem und blauem Wasser unterschieden. Grünes Wasser stammt aus Regen oder Schnee und wird im Boden gespeichert.
Blaues Wasser kommt aus Flüssen, Seen oder dem Grundwasser und wird aktiv zur Bewässerung genutzt. Für die Umwelt ist deshalb nicht nur die Literzahl wichtig, sondern auch die Frage, woher dieses Wasser kommt.

Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten ist es meist wichtig, woher das Wasser kommt. Doch oft wird die Höhe an Wasserverbrauch unterschätzt. Viele Lebensmittel werden importiert, etwa Kaffee, Kakao, Zitrusfrüchte, Reis oder Nüsse.
Dadurch entsteht ein Teil des Wasserverbrauchs nicht in der Schweiz, sondern in anderen Ländern. Das Bundesamt für Umwelt schreibt 2025, dass mehr als drei Viertel der Umweltbelastung durch die Schweizer Endnachfrage im Ausland entsteht.
Lebensmittel mit geringem Wasserverbrauch
Gering ist der Wasserverbrauch bei Kartoffeln, Tomaten, Karotten, Kohl und vielen saisonalen Gemüsesorten. Das heisst nicht, dass diese Lebensmittel gar keine Ressourcen benötigen. Im Vergleich aber zum Beispiel zu Fleisch, schneiden diese Lebensmittel deutlich besser ab.
Kartoffeln gelten als gutes Beispiel für ein relativ wassersparendes Grundnahrungsmittel. Das Bundeszentrum für Landwirtschaft nennt 2025 für ein Kilogramm Kartoffeln im weltweiten Durchschnitt etwa 290 Liter Wasser. Der Wert kann je nach Anbaugebiet und Jahr abweichen.

Auch Tomaten können vergleichsweise wassersparend sein, wenn sie saisonal und unter passenden Bedingungen angebaut werden. Problematischer wird es, wenn sie aus Regionen stammen, in denen die Bewässerung ohnehin knappes Wasser belastet. Eine Schweizer Tomate im Sommer ist deshalb anders zu beurteilen als eine Wintertomate aus trockenen Anbaugebieten.
Nehmen wir Karotten, Kohl und viele andere robuste Gemüsesorten, haben diese ebenfalls eher niedrige Wasserfussabdrücke. Sie wachsen in Mitteleuropa oft unter Bedingungen, bei denen Niederschlag einen grossen Teil des Bedarfs deckt.
Nachhaltigkeit: Wo der Wasserverbrauch besonders hoch ist
Am anderen Ende steht vor allem Rindfleisch. Das Bundeszentrum für Landwirtschaft nennt 2025 mehr als 15'400 Liter Wasser für ein Kilogramm Rindfleisch im weltweiten Durchschnitt. Ein grosser Teil des Wassers bei Rindfleisch ist grünes Wasser, also Regenwasser, das auf Weiden und Futterflächen fällt.

Umweltproblematisch wird es besonders dann, wenn zusätzlich Futtermittel aus wasserknappen Regionen stammen oder Flächen ökologisch belastet werden.
Kaffee, Kakao, bestimmte Nüsse und Reis: Diese Lebensmittel brauchen nicht immer aus demselben Grund viel Wasser. Bei Kaffee und Kakao spielen Anbauregionen, Verarbeitung und Klima eine grosse Rolle. Bei Reis kommt hinzu, dass viele Felder über längere Zeit stark bewässert werden.
Das Bundeszentrum für Landwirtschaft nennt 2025 rund 18'900 Liter Wasser für ein Kilogramm Kaffeebohnen.
Wasserfussabdruck in der Schweiz gesunken
Der Wasserfussabdruck der Schweiz sank laut BAFU zwischen 2000 und 2023 zwar um sechs Prozent, lag aber weiterhin bei rund 4050 Kubikmetern pro Person.
Ein direkter Vergleich mit anderen Ländern wie Deutschland ist nur eingeschränkt sinnvoll, weil Studien teils unterschiedliche Methoden, Produktgruppen und Importanteile berücksichtigen. Klar ist aber: Ein grosser Teil des Wasserverbrauchs entsteht nicht zu Hause, sondern indirekt über Konsumgüter und importierte Lebensmittel.

Diese Zahl zeigt, warum wir schon beim Einkauf beginnen sollten, auf die Lebensmittel zu achten. Die Schweiz hat zwar gute Trinkwasserressourcen, importiert aber viele Produkte mit verstecktem Wasserverbrauch. Besonders relevant sind Lebensmittel aus Regionen, in denen Grundwasser sinkt oder Flüsse stark belastet werden.
Was im Alltag wirklich hilft
Für den Alltag gibt es eigentlich eine einfache Regel, um den Wasserfussabdruck zu senken. Pflanzliche, saisonale und möglichst regionale Lebensmittel schneiden beim Wasserverbrauch oft gut ab.
Kartoffeln, Karotten, Kohl, Linsen, Äpfel aus der Region oder Schweizer Sommergemüse sind meist die beste Wahl. Bei Rindfleisch, Kaffee, Kakao, Reis und stark bewässerten Importfrüchten ist weniger mehr.

Wer Fleisch seltener isst, Kaffee bewusst trinkt und saisonales Gemüse bevorzugt, bewegt bereits viel. In der Schweiz gehen jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren.
Gemeint ist Food Waste entlang der gesamten Lebensmittelkette. Das zeigt, wir sollten nicht nur bewusst einkaufen, sondern auch genau hinschauen, welche Lebensmittel wir in den Einkaufskorb legen.















