Nachhaltigkeit: Wie umweltschädlich sind Sonnencremes wirklich?
Sonnencreme schützt zwar vor Sonnenbrand, kann aber Gewässer belasten. Darauf sollten Familien bei UV-Filtern, Mikroplastik und Badeseen jetzt achten.

Das Wichtigste in Kürze
- Sonnencreme schützt die Haut, kann Gewässer jedoch durch ihre UV-Filter belasten.
- Am besten wirken Schatten, angemessene Kleidung und eine sparsam aufgetragene Sonnencreme.
- Mineralische Sonnencremes sind nicht gleich automatisch besser.
Im Sommer steckt bei vielen die Sonnencreme einfach in der Badetasche. Ob am See, im Schwimmbad, in Bergregionen oder beim Velofahren: Die UV-Strahlen wirken schwächer, als sie es tatsächlich sind. Man merkt zuerst nichts, doch schon bald zeigt die Haut Reaktionen.
Besonders an warmen Tagen steigt die Frage: Kann Creme gegen UV-Strahlung auch unseren Gewässern schaden? Einige Chemikalien darin tun genau das.
Doch deshalb draussen ohne Schutz zu bleiben, bringt mehr Risiko als Nutzen. Eine gerötete Haut nach langer Zeit in der Sonne sieht oft ungefährlich aus, ist aber ein Zeichen für sofortige Zellschäden.
Warum Sonnenschutz in der Schweiz wichtig bleibt
UV-Strahlen erhöhen das Risiko für Hautalterung, Sonnenbrand und Hautkrebs. Die Krebsliga Schweiz nennt für die Schweiz jährlich rund 3200 Fälle von schwarzem Hautkrebs und mehr als 25’000 Fälle von weissem Hautkrebs.

Allein wenn man diese Zahlen sieht, bleibt der Sonnenschutz wichtig. Noch besser ist jedoch ein Schutzkonzept, das nicht nur aus Eincremen besteht. Wer am See ein schattiges Plätzchen sucht, ein Shirt überzieht und eine Kappe trägt, braucht oft weniger Sonnencreme auf grossen Hautflächen.
Nachhaltigkeit: Was bei Sonnencremes in die Umwelt gelangt
Manchmal wandert Sonnenschutz nicht nur auf der Haut, er landet auch im Wasser. Während des Badens, unter der Dusche oder beim Schwitzen löst sich manches vom Film auf der Haut ab.
In diese Spuren mischen sich zum Beispiel Stoffe gegen UV-Licht, Gerüche, Mittel zur Haltbarmachung, glatte Oberflächenverstärker, Kunststoffarten oder winzige Bruchstücke. Einerseits hält die Reinigung von Abwasser vieles zurück. Andererseits schafft es etwas davon bis in Bäche, Seen oder Flüsse.

Bei Badeseen ist der Eintrag direkter sichtbar als im Alltag. Wer eingecremt ins Wasser geht, gibt immer einen kleinen Teil der Creme ab. Das bedeutet nicht, dass jeder Badegast ein grosses Umweltproblem verursacht. Kritisch wird es dort, wo viele Menschen gleichzeitig baden und empfindliche Ökosysteme belastet werden.
Mikroplastik: Was ist damit gemeint?
Winzige Plastikkügelchen unter fünf Millimetern nennt man Mikroplastik. Manche Cremes enthalten diese kleinen Teilchen mit Absicht – Sie verändern das Gefühl auf der Haut.
Stattdessen sorgen andere Zusätze für eine dickflüssige Konsistenz, ohne gleich als Mikroplastik zu gelten. Obwohl viele Verbraucher auch solche Stoffe misstrauisch betrachten, fehlt hier oft ein klarer rechtlicher Rahmen.

Wie das Bundesamt für Umwelt 2025 schreibt, gelangen in der Schweiz jährlich rund 14'000 Tonnen Makro- und Mikroplastik in Böden, Oberflächengewässer und Sedimente. Der grösste Anteil stammt nicht aus Kosmetik, sondern aus Reifenabrieb und Littering. Trotzdem nennt das Bundesamt für Umwelt Kosmetika als eine Quelle von primärem Mikroplastik.
Nur weil Sonnencremes kein Mikroplastik enthalten, sind sie noch lange nicht besser. Stoffe wie Polyethylen oder Nylon tauchen oft in der Liste der Inhaltsstoffe auf, manchmal auch unter anderen Namen.
Dabei helfen Begriffe wie «acrylates copolymer» kaum weiter, besonders wenn die Verpackung mit «ohne Mikroplastik» wirbt, was mal mehr und mal weniger der Wahrheit entsprechen kann. Es wird schwierig, weil es an Regeln fehlt, die klären, wer was darf und was überhaupt zählt.
UV-Filter: chemisch, mineralisch oder beides?
Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen schützen Sonnencremes mit UV-Filtern. Organische, oft chemisch genannte Filter nehmen UV-Strahlung auf und wandeln sie in Wärme um. Mineralische Filter wie Titandioxid oder Zinkoxid streuen und absorbieren UV-Strahlung ebenfalls. Beide haben Vorteile und mögliche Nachteile.

Einige organische UV-Filter stehen im Verdacht, Wasserorganismen zu belasten. Besonders häufig diskutiert werden Stoffe wie Oxybenzon, Octinoxat oder Octocrylen. Sie wurden in verschiedenen Gewässern nachgewiesen und werden wegen möglicher Effekte auf Korallen, Algen oder Kleinstlebewesen untersucht.
Sind mineralische Sonnencremes automatisch besser?
Manche denken, dass der Mineralsonnenschutz die bessere Variante für die Natur ist. Doch das stimmt nicht immer. Wenn mineralische Stoffe winzig klein sind, kann es trotzdem Probleme geben. Vor allem beim Einsatz von Titandioxid.

Für Schweizer Badeseen sind pauschale Aussagen wenig hilfreich. Auch mineralische Sonnencremes können problematisch sein, etwa wenn sehr kleine Partikel eingesetzt werden.
Und ein chemischer Filter ist nicht automatisch «schlecht», nur weil er synthetisch hergestellt wurde. Entscheidend sind Rezeptur, Abbaubarkeit, Partikelgrösse, Anwendung und Menge.
Warum «Siegel» kein sicherer Beweis sind
Auf vielen Produkten stehen Begriffe wie «reef safe» (zu Deutsch: «korallenfreundlich»), «ocean friendly» (zu Deutsch: «meeresschonend») oder einfach «umweltfreundlich». Solche Aussagen klingen beruhigend, sind aber nicht immer streng geregelt. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist deshalb schwer erkennbar, wie belastbar diese Angaben wirklich sind.
Wer eine möglichst umweltschonende Sonnencreme sucht, sollte mehrere Punkte kombinieren. Sinnvoll sind Produkte ohne problematische UV-Filter, ohne absichtlich zugesetztes Mikroplastik und ohne unnötige Duftstoffe. Auch wasserfeste Produkte sollten sparsam und gezielt verwendet werden, nicht grossflächig ohne Bedarf.
So wählen Familien eine sinnvollere Sonnencreme
Im Alltag macht eine Lotion mit starkem UV-Schutz Sinn, vor allem, wenn sie die Haut nicht reizt. Dazu zählt: Klare Inhaltsstoffe und keine Rätsel hinter langen Namen. Kinder sollten draussen möglichst einen Sonnenhut und schützende Kleidung tragen.

Falls einige Hautstellen frei bleiben, wird anschliessend eine leichte Creme aufgetragen. Gesicht, Hals und Unterschenkel nehmen sie in der Regel ohne zu murren an. Denken Sie unbedingt auch an die Hände und Füsse, auch wenn diese Bereiche oft nur selten eingecremt werden.
Beim Eincremen vor dem Schwimmen ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. So hält sich die Creme länger auf der Haut. Nach längerem Baden sollte erneut eingecremt werden.
Auch nach dem Abtupfen mit dem Handtuch ist Vorsicht geboten. Selbst wasserfeste Produkte verlieren irgendwann ihre Wirkung.















