Bildung

    Academic Gateway

    Wendepunkt Bildung: «Mut zur Kurskorrektur in Schweizer Schulen!»

    Beat Kissling
    Beat Kissling

    Zürich,

    Die Verantwortung für eine hochwertige Bildung für Schüler dürfe nicht dem Zufall überlassen werden, schreibt Dr. phil. Beat Kissling. Ein Gastbeitrag.

    Bildung
    Blick in ein Schulzimmer. Es gibt viel zu tun. - Depositphotos

    Das Wichtigste in Kürze

    • Eine Gruppe von Bildungsfachleuten hat sich an die Schweizer Öffentlichkeit gewandt.
    • Ziel ist es, das hohe Qualitätsniveau der Schweizer Schulen zurückzuholen.
    • Ein Gastbeitrag von Dr. phil. Beat Kissling.

    Mit dem «MANIFEST für einen bildungswirksamen Unterricht» hat sich vor zwei Monaten eine Gruppe von Bildungsfachleuten mit einer Pressekonferenz an die Schweizer Öffentlichkeit gewandt und auf die schwerwiegenden Fehlentwicklungen in unseren Schulen und sonstigen Bildungsinstitutionen hingewiesen.

    Die Gruppe setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Bereiche des Bildungswesens zusammen: Lehrperson, Schulleitungsmitglied, Erziehungs- bzw. Bildungsrat, Heilpädagoge, Erziehungswissenschaftler, Vertreter der Pädagogischen Hochschulen und der Politik.

    Dr. phil. Beat Kissling
    Dr. phil. Beat Kissling. - zvg

    Über Parteigrenzen hinweg

    Bemerkenswert ist die politische Zusammensetzung dieser Gruppe. Das politische Spektrum reicht von Vertreterinnen und Vertretern der SP über GLP, FDP bis SVP sowie Parteilose.

    Die gemeinsame Sorge um und die Verantwortung für den Zustand und die Zukunft unserer Bildungsinstitutionen war Anlass der Initiative.

    Seit mindestens drei Jahrzehnten ist das Niveau unserer Schulen Jahr für Jahr weiter gesunken. 25 Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger nach der 9. Klasse können nicht richtig lesen und schreiben.

    Benötigt das Schweizer Schulsystem Anpassungen?

    Die Zahl der psychiatrischen Diagnosen, medikamentösen Therapien bei Schülerinnen und Schülern und jungen IV-Bezügerinnen und -Bezügern wächst laufend, in etlichen Klassenzimmern ist Konzentration nur noch mit Hörschutzgeräten möglich.

    Dies sind alarmierende Zeichen, die genügend Anlass geben, sich über die Entwicklungsperspektiven unserer jüngeren Generationen erhebliche Sorgen zu machen.

    Der Kernsatz des Manifests lautet: «Jedes Kind geht nur einmal zur Schule.» Mit anderen Worten: Die Verantwortung für eine hochwertige Bildung für alle Schülerinnen und Schüler darf nicht dem Zufall überlassen werden, indem mit fragwürdigen Unterrichtsmethoden experimentiert wird, wie dies mit den zahlreichen Schulreformen der letzten 30 Jahre der Fall war.

    Die Reformideen basierten auf keinerlei Erfordernissen in Schweizer Schulen. Die Theoriegrundlagen der Reformen waren in Fachkreisen von Anfang an umstritten und die Vorteile der neu eingeführten Unterrichtsmethoden waren weder empirisch belegt noch durch erfahrene Lehrpersonen überprüft.

    Sämtliche Reformen entstammen von Programmen internationaler Organisationen wie der OECD oder der EU und sind über die Pädagogischen Hochschulen und die Verantwortlichen der Bildungsadministration in die Schweiz eingeführt worden.

    Solches geschah zumeist «an Parlamenten und Volk vorbei», wie Prof. Hans Zbinden, früherer Präsident der Eidgenössischen Fachhochschulkommission und SP-Nationalrat 2009 festhielt.

    Perspektive und Zielsetzung

    Infolge der beschriebenen Reformentwicklungen wurden elementare Erfahrungen und Erkenntnisse aus der pädagogischen Praxis systematisch ausgeblendet.

    Mit dem Manifest sollen diese Vorgänge und die daraus erwachsene Problematik an unseren Schulen in einem öffentlichen Grundsatzdiskurs sachlich, ehrlich und ohne politische Scheuklappen zur Sprache gebracht werden.

    Ziel ist es, das hohe Qualitätsniveau der Schweizer Schulen zurückzuholen.

    Gemeint ist nicht ein Zurück zur alten Schule, sondern die Besinnung auf die grundlegenden Voraussetzungen einer echten, nachhaltigen Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler – orientiert an einer überzeugenden pädagogischen Theorie und Praxis.

    Zum Autor

    Dr. phil. Beat Kissling war über viele Jahre Dozent an Pädagogischen Hochschulen und weiteren Fachhochschulen. Er ist Erziehungswissenschaftler, Psychotherapeut und Inhaber des Primar-, Real- und Oberschullehrerpatents. Er verfügt über eine langjährige Lehrtätigkeit auf verschiedenen Stufen des Bildungswesens – von der Primarschule bis Hochschule. Kissling hat eine eigene psychotherapeutische Praxis in Zürich.

    Hinweis: Im Anschluss an diesen Einleitungsartikel wird monatlich jeweils eine der acht beteiligten Persönlichkeiten einen Aspekt des Manifest vertiefend beleuchten.

    Autoren des Manifests
    Die Autoren des Manifests auf einen Blick. - zvg

    Manifest für einen bildungswirksamen Unterricht

    Jedes Kind geht nur einmal zur Schule. Darum hat es das Recht auf einen bildungswirksamen Unterricht. Wir Erwachsenen tragen dafür die Verantwortung.

    Die heutige Volksschule wird diesem Auftrag zu wenig gerecht. Warum?

    – Sie vernachlässigt das gemeinsame und systematische Lernen.

    – Überfrachtete Lehrpläne und pädagogische Dogmen verdrängen das Zusammenspiel von Lehren und Lernen.

    – Zentral verordnete Reformen binden Zeit und Ressourcen, entwerten das Pädagogische und tragen zu sinkenden Lernleistungen bei.

    – Administration und Organisation ersticken die Freiheit und verdrängen den Sinn des Lehrberufs.

    – Pädagogische Hochschulen verlieren den Bezug zur Praxis.

    Darum fordern wir eine Neuausrichtung hin zu einer Volksschule, die über klare Ansprüche und systematisches Üben elementares Basis wissen sichert und so tragfähige Grundlagen fürs Leben vermittelt:

    – verstehendes Lesen und kohärentes Schreiben,

    – präzises Reden und begründetes Argumentieren,

    – grundlegendes Rechnen,

    – logisches Denken und freies Fantasieren,

    – kreative und kulturelle Fähigkeiten,

    – einen respektvollen Umgang und Förderung des Gemeinsinns.

    Darauf müssen die Pädagogischen Hochschulen vorbereiten – und dafür müssen sie einstehen, in engem Austausch mit der Schulpraxis.

    Der Sinn der Schule liegt im Pädagogischen. Darum steht die Pädagogik im Mittelpunkt.

    Jedes Kind hat ein Recht darauf, gesehen, angeleitet und verantwortungsvoll unterrichtet zu werden.

    Eine bildungswirksame Schule schafft entscheidende Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Darum gehört sie ins Zentrum der Politik.

    Dr. phil. Carl Bossard, Yasmine Bourgeois, Prof. Dr. phil. Allan Guggenbühl,

    Dr. phil. Beat Kissling, Philipp Loretz, Res Schmid, Christine Staehelin M.A., Roland Stark

    Zürich, 27. April 2026

    Kommentare

    User #3737 (nicht angemeldet)

    Als Erstes würde ich eine Prüfung für Eltern einführen. Und jeder Lehrer müsste vorgängig einmal gearbeitet haben. Es kann nicht sein, dass Kinder von unfähigen Eltern zu noch unfähigereren Lehrern geschichickt werden und am Ende als völlige Träumer in die brutale Arbeitswelt entlassen werden. Viele denken offenbar, sie könnte ihren Lebensunterhalt mit dem Streicheln von Einhörnern verdienen.

    User #5607 (nicht angemeldet)

    Der Fisch stinkt immer vom Kopf her… und das wären die Damen und Herren Kantonsäte

    Weiterlesen

    Jeff Bezos KI
    95 Interaktionen
    Keine Doppelverdiener
    Künstliche Intelligenz und die Gesundheitskosten
    60 Interaktionen
    Brisant

    MEHR BILDUNG

    Bildung
    2 Interaktionen
    Bildung
    Bildung
    12 Interaktionen
    Bildung
    Bildung
    4 Interaktionen
    Prägung

    MEHR AUS STADT ZüRICH

    Wildschwein
    3 Interaktionen
    Menschenschweiss
    Krawallnacht Zürich
    649 Interaktionen
    Illegale Party
    Zürich
    Severin Dressen
    2 Interaktionen
    Zoo Zürich