Bildung: Wenn der Unterricht ins Schwitzen gerät
Während draussen die Sonne brennt, steigt auch im Klassenzimmer das Thermometer. Doch wie gelingt Bildung, wenn Hitze zur täglichen Herausforderung wird?

Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl der Hitzetage hat sich in 40 Jahren versiebenfacht.
- Ein nationales Gesetz, das ab einer bestimmten Temperatur hitzefrei vorsieht, gibt es in der Schweiz nicht.
- Schulen sollen Hitze mit Schatten, Trinkpausen und flexiblen Unterrichtsformen begegnen.
Nach Wochen des Wartens erlebt die Schweiz eine Hitzewelle historischen Ausmasses: Erstmals seit 1947 wurden in Basel-Binningen im Juni 39 Grad gemessen. Nach diesen Rekord-Temperaturen könnte nun auch der Juli neue Höchstwerte bringen. Die Wetterprognosen für diese Woche und das kommende Wochenende deuten auf weitere extreme Temperaturen hin – und auf einen Sommer, der in die Wettergeschichte eingehen könnte.
Für viele bedeutet das: Ab in die Badi, Glace schlecken und mit einem Sprung ins kühle Wasser. Besonders für die Jüngsten lassen sich so die hohen Temperaturen noch gut aushalten. Wäre da nur nicht der Schulalltag.
Denn bei Klassenzimmertemperaturen von 24 Grad und mehr wird der Unterricht schnell zur Tortur. Lehrpersonen sind gefordert. Sie müssen den Unterricht flexibel anpassen und neue Wege finden, um das Lernen so angenehm wie möglich zu gestalten.
Das bestätigt auch die Ärztin und Verantwortliche für den Hitzeaktionsplan des Kantons Bern, Rara Palma. Im Schulblatt Education des Kantons Bern meint Sie, dass es bei Hitzetagen besser sei, den Unterricht anzupassen, statt den Schulkindern freizugeben. Bei einem freien Tag bestehe die Gefahr, dass manche Kinder ohne Aufsicht bleiben würden. So würden sie sich möglicherweise längere Zeit in der prallen Sonne aufhalten.
Welche Massnahmen bei Hitze an Schulen wirklich sinnvoll sind und warum hitzefrei dabei nicht die Lösung ist erfahren Sie hier.
Hitzeferien bleiben in der Schweiz die Ausnahme
In der Schweiz dürfen Lehrpersonen den Unterricht aufgrund von Hitze grundsätzlich nicht einfach absagen. Das Gesetz sieht keine feste Temperaturobergrenze vor, ab der nicht mehr unterrichtet werden muss. Dennoch gibt es in der Praxis immer wieder Beispiele, in denen einzelne Schulen hitzefrei gewähren.

So können beispielsweise die Waadtländer Schulen bei einer durchschnittlichen Temperatur von über 25 Grad während zehn Tagen sogenannte Hitzeferien beschliessen. Dieser nationale Flickenteppich wird von einigen Schulverbänden kritisch gesehen.
Statt Hitzeferien auszurufen, sollten nationale Hitzeschutzmassnahmen entwickelt werden, heisst es vom Lehrerverband. Da nicht jedes Schulgebäude gleich gut gegen Hitze geschützt ist, stellt dies jedoch eine Herausforderung dar. Heute wird bei Neubauten und auch bei Sanierungen die Temperaturentwicklung simuliert, um darauf basierend geeignete Massnahmen zu planen.
Kinder brauchen bei Hitze besondere Aufmerksamkeit
Häufige Hitzesymptome sind Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfe. Grundsätzlich gelten an Hitzetagen drei goldene Regeln, die für alle Menschen wichtig sind.
Drei goldene Regeln für Hitzetage
- Körperliche Anstrengung während der heissesten Tageszeit vermeiden.
- Den Körper möglichst kühl halten und direkte Sonne meiden.
- Ausreichend trinken und leichte Mahlzeiten essen.
Da Kinder Hitzesymptome weniger gut wahrnehmen und ihr Durstgefühl geringer ausgeprägt ist, sollten Lehrpersonen den Unterricht an die Temperaturen anpassen. Der Unterricht muss nicht zwingend im heissen Klassenzimmer stattfinden. Oft bieten schattige Plätze im Freien oder kühlere Werkräume im Untergeschoss bessere Bedingungen.

Auch der Stundenplan kann angepasst werden. Bewegung ist für Kinder auch an heissen Tagen wichtig. Allerdings ist es in der prallen Nachmittagssonne oft zu heiss und teilweise auch gefährlich. Mit etwas Flexibilität lassen sich sportliche Aktivitäten auf den Morgen verschieben und unter angenehmeren Bedingungen durchführen.

Während des Unterrichts sollten regelmässig Trinkpausen eingeplant werden. Lehrpersonen können dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Eine Trinkflasche mit Wasser sowie leichte Verpflegung für die Pausen helfen, den Schulalltag an heissen Tagen besser zu bewältigen.
Hitzetage werden in Zukunft nicht seltener
In den letzten vierzig Jahren hat sich die Zahl der Hitzetage versiebenfacht. Es ist daher davon auszugehen, dass wir in Zukunft lernen müssen, uns an höhere Temperaturen anzupassen.
Aber nicht nur die hohen Temperaturen machen uns zu schaffen. Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine entscheidende Rolle dafür, wie wir Hitze empfinden. Ist die Luft feucht, wird die Verdunstung von Schweiss deutlich verlangsamt.
Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann der Schweiss schlechter verdunsten, wodurch die natürliche Kühlfunktion des Körpers eingeschränkt wird. Die Folge ist ein schnelleres Überhitzen und ein deutlich stärkeres Gefühl von Schwüle und Belastung. Die Luft wirkt dann oft schwer und drückend.
Obwohl man diese Woche wieder mit Höchsttemperaturen rechnet, soll die Luftfeuchtigkeit in den kommenden Tagen deutlich geringer sein. So könnte die Hitze trotz hoher Temperaturen von vielen als angenehmer empfunden werden.

















