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Penis-Puff im Marzili: So reagiert Berner Politik

Yves Schott
Yves Schott

Bern,

Die Wegführung einer Transfrau im Marzili bewegt Bern. Der Vorfall sorgt auch in der Politik für Diskussionen.

Eine Transfrau betrat das Paradiesli, ein Frauen-Bereich im Berner Marzilibad, und wurde von der Polizei abgeführt.
Eine Transfrau betrat das Paradiesli, ein Frauen-Bereich im Berner Marzilibad, und wurde von der Polizei abgeführt. - Daniel Zaugg

Keine andere Meldung hat Bern, hat die Schweiz und teilweise gar das Ausland so bewegt wie diese – von der Viertelfinal-Qualifikation der Schweizer Fussball-Nati vielleicht einmal abgesehen.

Hunderte Kommentare wurden auf den Newsportalen hinterlassen, zig Repliken von Journalistinnen und Journalisten verfasst und schliesslich wurde der Vorfall auch im Berner Stadtparlament diskutiert.

Die «Causa Paradiesli» ist längst mehr als bloss ein sommerlicher Lückenfüller. Die Kontroverse nahm an einem Sonntag Ende Juni ihren Anfang. Eine Transfrau betrat das Paradiesli, ein Bereich im Berner Marzilibad, der explizit für Frauen reserviert ist.

Mehrere Anwesende fühlten sich durch den Besuch der Person gestört, da sie «aufgrund einiger körperlicher Merkmale» nicht «weiblich gelesen» wurde, wie die Stadt am 29. Juni in einer Mitteilung schrieb. Im Klartext: Die Person hatte einen Penis.

«Niemand macht das aus einem Jux heraus»

In der Folge schaukelte sich die Situation hoch, die Polizei wurde gerufen und die Transfrau in Handschellen abgeführt. Die Polizei schreibt, die Person habe sich renitent verhalten, weshalb «die Einsatzkräfte die notwendigen Massnahmen» hätten umsetzen müssen.

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Der Bereich nur für Frauen im Berner Marzilibad. - Nau.ch

Ausserdem sei eine Polizistin durch Anwesende, die sich mit der Transfrau solidarisiert haben, leicht verletzt worden. Das Umfeld der Betroffenen wiederum kritisiert, dass diese zwei Stunden lang festgehalten worden sei, eine Nacht im Spital verbringen musste und durch den Polizeieinsatz mehrere Hämatome aufwies.

Am Tag danach entschuldigte sich Sozialdirektorin Ursina Anderegg (Grünes Bündnis) bei der Transfrau. «Alle Personen, die sich als Frau identifizieren und als solche leben, haben Zugang zum freiwilligen FKK-Bereich», liess ihre Direktion ausrichten.

Und weiter: «Die konfliktbeladene Stimmung hat zur falschen Einschätzung der Situation geführt.» In einem «Bund»-Interview erklärte Anderegg zudem, durch den Vorfall sei «ein grosser Schaden» entstanden.

Seither diskutiert die Schweiz über den Umgang mit Transpersonen in Badis, wann eine Frau als Frau gilt und wie solche Eklats in Zukunft vermieden werden können.

Völlig uneinig ist sich dabei, wenig überraschend, die Politik. «Wir sehen, wie sehr wir noch daran arbeiten müssen, dass alle Geschlechteridentitäten Platz in unserer Gesellschaft haben und niemand diskriminiert wird», sagt etwa Lea Bill, Co-Fraktionschefin des Grünen Bündnisses und damit Parteikollegin von Ursina Anderegg.

Ursina Anderegg.
Ursina Anderegg. - zVg

Den Vorwurf, in Zukunft könnten alle, die möchten, nach Lust und Laune das Geschlecht wechseln, weist Lea Bill zurück. «Niemand macht das aus einem Jux heraus.»

FLINTA-Schutzräume in allen Berner Badis?

Weiter wünscht sich Bill, dass «Rechte und das Bedürfnis nach Schutz verschiedener Gruppen» nicht gegeneinander ausgespielt würden. «Ich glaube auch nicht, dass sich die Schutzbedürfnisse per se ausschliessen.»

Wer wenig oder gar keinen Kontakt mit Transpersonen habe, könne von «Körpern, die nicht dem für sie gewohnten Bild entsprechen», verunsichert sein. Lea Bill wünscht sich deshalb «persönliche Begegnungen», um Hürden abzubauen.

Lea Bill.
Lea Bill. - zVg

Zustimmung erhält sie von SP-Vizefraktionspräsidentin Nadine Aebischer. «Der Vorfall war transfeindlich», hält sie gegenüber dem BärnerBär fest.

Nadine Aebischer.
Nadine Aebischer. - zVg

Transfrauen hätten denselben Bedarf an Schutzräumen wie Cis-Frauen und dasselbe Recht auf Zugang zu diesen Räumen. «Sie sind denselben alltäglichen Gewalterfahrungen ausgesetzt, oft sogar noch mehr.»

Aebischer verlangt daher in allen städtischen Freibädern einen eigenständigen FLINTA-Schutzraum (Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nonbinäre, Trans- und Agender-Personen, d. Red.), der bestehende Frauenbereiche nicht ersetze, sondern ergänze.

SVP-Politiker vermutet Inszenierung

FDP-Fraktionspräsident Nik Eugster seinerseits ist um Deeskalation bemüht: «Wir sprechen hier von einem Einzelfall, nicht von einem Muster.»

Nik Eugster.
Nik Eugster. - zVg

Er halte es für falsch, «Mitarbeitende, Sicherheitsdienste oder die Polizei» pauschal zu kritisieren. Ebenso wenig dürften «einzelne Gruppen der queeren Community unter Generalverdacht» gestellt werden.

Parteikollegin Claudine Esseiva, Co-Präsidentin der kantonalen FDP-Frauen, teilt dem BärnerBär mit, dass Schutzräume für Frauen geschaffen worden seien, «um den Frauen körperliche Sicherheit zu geben.» Dies sei von allen Menschen zu respektieren.

Unbehagen sei keine Frage der Absichten, sondern der physischen Realität. «Frauenbadis und FKK-Bereiche schaffen deshalb Orte, wo Frauen sich entspannen können – ohne sich fragen zu müssen, wer gegenübersteht, ohne in den Dialog treten zu müssen, ohne einen Ausweis zu sehen.»

Kannst du das Vorgehen der Polizei in diesem Fall nachvollziehen?

Für SVP-Co-Fraktionschef Alexander Feuz ist klar: Der Besuch der Transfrau im Paradiesli war eine orchestrierte Aktion. «Ich werde den Verdacht nicht los, dass der behaarte Mann mit Gemächt bewusst die Provokation suchte.»

Alexander Feuz.
Alexander Feuz. - zVg

Er gibt der Polizei und dem Aufsichtspersonal Rückendeckung. «Es galt, die Intimsphäre der biologischen Frauen vor einem Mann zu schützen.»

Feuz fordert in Zweifelsfällen ein «Arztzeugnis, um Missbräuche und Provokation möglichst zu verhindern». Und sowieso, fragt Feuz: «Wenn er sich als Frau fühlt, wieso trägt er dann einen Bart und lässt sich Haare wachsen?»

«Wenn Ideologie den Menschenverstand verdrängt»

Zur Aufregung von Ende Juni im Marzili äusserte sich auch Chris Brönimann. Als Nadia Brönimann war er rund 30 Jahre lang die bekannteste Transfrau der Schweiz, bevor er eine Detransition vornahm und nun wieder als Mann lebt.

Auf X schreibt er: «Wenn Ideologie den Menschenverstand verdrängt. […] Während meiner Transition wäre es mir aus Respekt vor Frauen nie im Traum eingefallen, eine Frauenbadi zu betreten. In dieser Situation hätte ich mich entschuldigt und wäre freiwillig gegangen.»

Chris Brönnimann.
Chris Brönimann. - zVg

Weiter führt Brönimann aus: «Solange ein Penis vorhanden und der Körper als Mann lesbar ist, gehört man nicht in diesen intimen Bereich.»

Gerne hätte der BärnerBär die Position des Transgender Network Switzerland (TGNS) zu dieser Situation in Erfahrung gebracht. Die beiden Anfragen per Mail wie auch per Telefon blieben allerdings unbeantwortet.

Kommentare

User #1447 (nicht angemeldet)

Wir sollten in Zukunft mindesten 7 Zonen in den Badis errichten, eine für: Frauen, Männer, Heteros, Lesben, Schwule, Transen und Nonbinäre, das würde dann allen Geschlechter dienen, es sei denn es sollte noch ein Neues dazukommen, was unter dem Strich nicht auszuschliessen ist!

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