Nadja Günthör (SVP) zum Lehrplan 21: «Zeit für eine ehrliche Bilanz»
Nadja Günthör fordert eine ehrliche Bilanz zum Lehrplan 21. Ein Gastbeitrag der SVP-Grossrätin über Grundkompetenzen und gute Schule.

Bildung beschäftigt den Grossen Rat immer wieder. Das ist richtig so, denn kaum ein Bereich ist für die Zukunft unseres Kantons wichtiger. Gleichzeitig sollten wir uns bei allen Reformen eine einfache Frage stellen: Was sollen Kinder und Jugendliche am Ende ihrer Volksschulzeit tatsächlich können?
Für mich gehören Sprechen, Lesen, Schreiben und Rechnen ganz klar ins Zentrum. Dazu kommen Wissen, Leistungsbereitschaft, Bewegung und die Fähigkeit, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Genau deshalb habe ich im Grossen Rat einen Vorstoss der überparteilich getragen wird eingereicht, mit der ich eine kritische Wirkungsanalyse des Lehrplans 21 verlange.
Nach mehreren Jahren Erfahrung ist es aus meiner Sicht Zeit für eine ehrliche Bilanz. Hat der Lehrplan 21 tatsächlich zu besseren Leistungen in den grundlegenden Bereichen geführt? Wo funktioniert er gut, wo braucht es Anpassungen? Und wie können wir sicherstellen, dass unsere Lehrpersonen möglichst viel Zeit für ihre wichtigste Aufgabe haben: guten Unterricht?

Der Lehrplan 21 hat die Volksschule zweifellos stark verändert. Mit zahlreichen Kompetenzen, Kompetenzstufen und zusätzlichen Anforderungen ist das System komplexer geworden. Gleichzeitig erleben Lehrpersonen einen anspruchsvollen Schulalltag mit unterschiedlichen Leistungsniveaus, Sprachkenntnissen und Bedürfnissen.
Gerade deshalb sollten wir genau hinschauen, welche Vorgaben im Klassenzimmer tatsächlich einen Mehrwert bringen. Auch die aktuelle bildungspolitische Diskussion zeigt, wie wichtig diese Fragen sind. Am 27. September entscheiden die Stimmberechtigten über eine Vorlage, die unsere Schulen betrifft.
Ich bin überzeugt: Bei solchen Entscheiden lohnt es sich, nicht nur auf Schlagworte zu hören. Wer abstimmt, sollte sich genau anschauen, was eine Vorlage konkret verlangt, welche Veränderungen sie mit sich bringt und welche Folgen daraus entstehen können.
Das ist für mich keine Frage von links oder rechts, sondern eine Frage der Verantwortung. Bildungspolitische Entscheide wirken oft über Jahre. Sie betreffen Kinder, Eltern, Lehrpersonen, Gemeinden und den ganzen Kanton.
Deshalb sollten wir uns die Zeit nehmen, genau hinzuschauen und uns eine eigene Meinung zu bilden. Im Grossen Rat möchte ich meinen Beitrag dazu leisten. Meine Motion verlangt keine Reform um der Reform willen.
Sie verlangt eine ehrliche Überprüfung und dort, wo es nötig ist, Korrekturen. Denn eine gute Schule zeichnet sich nicht dadurch aus, dass ihr System immer komplexer wird. Entscheidend ist, was am Ende bei den Kindern ankommt.

Ich wünsche mir eine Volksschule, die klare Prioritäten setzt, Grundkompetenzen konsequent vermittelt, Lehrpersonen vertraut und ihnen den Rücken freihält. Denn Bildung beginnt mit den Grundlagen – und auf diesen Grundlagen baut die Zukunft unserer Kinder auf.
Zur Autorin
Nadja Günthör (*1965) ist Grossrätin und Partei-Vizepräsidentin der SVP Kanton Bern.








