Arbeit: Inklusion am Arbeitsplatz bringt Vorteile
Menschen mit Behinderungen treffen im Berufsleben auf Hürden. Wer diese abbaut, schafft Chancen für Mitarbeitende und gewinnt als Unternehmen.

Das Wichtigste in Kürze
- Menschen mit Behinderungen beteiligen sich deutlich seltener am Arbeitsmarkt.
- Inklusive Arbeitsbedingungen können Mitarbeitenden und Unternehmen Vorteile bringen.
- Passende Abläufe und Unterstützung der IV erleichtern die berufliche Eingliederung.
Ein Team, in dem ganz unterschiedliche Menschen zusammenwirken, kann neue Perspektiven einbringen und kreative Lösungen entwickeln. Trotzdem bestehen für Menschen mit Behinderungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt weiterhin Hürden. Dabei geht es bei der beruflichen Inklusion um gleichberechtigte Teilhabe, aber auch um handfeste Vorteile im Alltag.
Was Inklusion im Berufsalltag bedeutet
Inklusion heisst, dass alle Mitarbeitenden gleichberechtigt teilhaben können, unabhängig von einer körperlichen, psychischen oder kognitiven Beeinträchtigung. Es reicht also nicht, eine Stelle zu besetzen. Gefragt sind passende Abläufe, eine offene Kommunikation und Vorgesetzte, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse im Team wirklich ernst nehmen.
Für Betroffene kann eine feste Arbeit ausserdem weit mehr sein als ein regelmässiges Einkommen, das am Monatsende auf dem Konto landet. Sie gibt dem Tag eine klare Struktur, schafft wertvolle soziale Kontakte und kann das Selbstwertgefühl stärken.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Lücke
Wie das Bundesamt für Statistik in einer Auswertung von 2025 zeigt, waren 2024 rund 68 Prozent der Menschen mit Behinderungen im Erwerbsalter auf dem Arbeitsmarkt aktiv.
Bei Personen ohne Behinderung lag dieser Anteil im gleichen Zeitraum mit rund 87 Prozent klar höher. Zur Erwerbsbeteiligung zählen sowohl Erwerbstätige als auch Erwerbslose. Bei Menschen mit Behinderungen waren rund 64 Prozent erwerbstätig und vier Prozent erwerbslos.

Die Zahlen zeigen eine Lücke bei der beruflichen Teilhabe. Sie sagen allerdings nicht, wie viele Menschen zusätzlich arbeiten könnten oder ihr Pensum erhöhen möchten. Für Betriebe lohnt es sich dennoch, mögliche Hürden bei der Rekrutierung und am Arbeitsplatz zu überprüfen.
Arbeit: Vorteile für Mitarbeitende
Eine bezahlte Stelle im ersten Arbeitsmarkt kann die finanzielle Selbstständigkeit stärken. Ob der Lohn den Lebensunterhalt deckt, hängt allerdings unter anderem vom Pensum und der Entlöhnung ab. Hinzu kommt die Anerkennung für die eigene Arbeit und die Möglichkeit, berufliche Fähigkeiten einzusetzen und weiterzuentwickeln.
Doch auch Kolleginnen und Kollegen ohne Behinderung können von inklusiven Strukturen im Unternehmen profitieren. Flexible Arbeitszeiten, höhenverstellbare Tische oder Homeoffice erleichtern etwa Eltern oder älteren Mitarbeitenden die tägliche Arbeit ebenfalls. Ein Klima, in dem unterschiedliche Bedürfnisse ernst genommen werden, kann zudem den Zusammenhalt im Team fördern.
Was Arbeitgeber gewinnen
Für Unternehmen öffnet sich durch Inklusion ein Bewerberpool, den viele Mitbewerber bisher kaum auf dem Radar haben. Wer hier gezielt sucht, erreicht qualifizierte Fachleute, die im üblichen Rekrutierungsprozess sonst möglicherweise durch das Raster fallen.

Behinderungen können zudem erst im Laufe des Lebens entstehen, zum Beispiel nach einem Unfall oder einer längeren Krankheit. Betriebe mit guten Strukturen können so erfahrene Mitarbeitende halten, statt deren wertvolles Wissen und ihre Erfahrung zu verlieren.
Wissen hilft, Vorurteile abzubauen
Wer Menschen mit Behinderungen beschäftigen möchte, sollte ihre Fähigkeiten und die Anforderungen der jeweiligen Stelle konkret betrachten. Eine Beeinträchtigung allein sagt noch nicht aus, wie gut jemand eine bestimmte Aufgabe erfüllen kann.

Gezielte Schulungen für Führungskräfte und offene Gespräche können helfen, Unsicherheiten abzubauen. Entscheidend ist, mit den betreffenden Mitarbeitenden zu klären, welche Bedingungen sie für ihre Arbeit benötigen. Persönliche Gesundheitsinformationen gehören dabei nicht ungefragt ins Teamgespräch.
So gelingt der Einstieg
Oft sind es schon kleine Anpassungen, die im Alltag von Betroffenen eine grosse Wirkung entfalten. Klare Arbeitsaufträge, flexible Pausen oder ein ruhiger Arbeitsplatz lassen sich teilweise mit wenig Aufwand ermöglichen. Bauliche Anpassungen und barrierefreie Software können dagegen grössere Investitionen erfordern.

Die Invalidenversicherung unterstützt die berufliche Eingliederung unter anderem mit Beratung, Arbeitsversuchen und unter bestimmten Voraussetzungen mit Einarbeitungszuschüssen. Welche Massnahmen infrage kommen, klärt die zuständige IV-Stelle im Einzelfall.













