Was bringen Gemüsepulver wirklich?

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    Bern,

    Nicht nur im Fitnessbereich werden «Greens» als kalorienarme Nährstoffbomben angepriesen. Doch aus Sicht von Experten haben die Pulver Nachteile.

    Brokkoli-Pulver sieht längst nicht so appetitlich aus wie das echte Gemüse – und es macht auch nicht so satt. - Catherine Waibel/dpa-tmn

    Das Wichtigste in Kürze

    • Gemüse in Pulverform ist heute auch in Supermärkten leicht zu bekommen.
    • Experten aber beobachten, dass Gemüsepulver weder sattmacht noch echten Genuss verschafft.
    • In den Wintermonaten sind Gemüsesuppen und Eintöpfe die bessere Wahl gesunder Ernährung.

    Gemüse in Pulverform ist inzwischen in vielen Supermarktregalen zu finden. Die Pulver zu nutzen erscheint praktisch: Ein, zwei Esslöffel davon ins Essen oder in ein Getränk mischen – und schon hat man seine Tagesration Gemüse intus.

    Die deutsche Diplom-Ökotrophologin Julia Zichner hält allerdings wenig von diesen hippen «Greens».

    Porträtfoto Frau
    Julia Zichner ist Diplom-Oecotrophologin und zertifizierte Ernährungsberaterin. - Cindy Tamme/augenscheinlich.es/dpa-tmn

    Im Interview begründet die Ernährungsexpertin ihre Vorbehalte gegenüber diesen Nahrungsergänzungsmitteln.

    Frage: Frau Zichner, Sie sehen Gemüsepulver kritisch und sagen, Sie würden dafür «keinen Cent» ausgeben. Warum?

    Julia Zichner: Das eine ist das Thema Essen und Genuss, das andere ist das Thema Volumen und Sattheit.

    Wenn ich Gemüse in normaler Form esse, habe ich eine gewisse Menge, die im Magen landet und mich satt macht. Und dieses Sättigungsgefühl schafft Gemüse, obwohl es vergleichsweise wenig Energie hat.

    Insofern ist der Verzehr von Gemüse auch eine gute Grundlage, um sein Wunschgewicht zu halten.

    Ein Gemüsepulver oder auch eine Gemüsetablette machen nicht satt, und ich habe keinen Genussmoment davon. Ausserdem enthalten die Pulver und Tabletten im Gegensatz zum normalen Gemüse kaum Ballaststoffe, die wichtig für die Darmgesundheit sind.

    Und: Man sollte die Vorbildwirkung für die Kinder bedenken. Wenn die Grossen Gemüse in Pulverform schlucken, wie sollen die Kleinen lernen, dass sie Gemüse essen sollen?

    Frage: Können die Pulver wenigstens die im Ausgangsgemüse enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe liefern?

    Zichner: Ja, zum Teil. Mineralstoffe gehen durch die Erhitzung und den Trocknungsprozess beim Herstellen nicht kaputt. Vitamine wiederum bauen sich beim Erhitzen und Lagern ab.

    In aus 100 Gramm frischem Broccoli hergestellten Pulver werden weniger Vitamine drin sein als in 100 Gramm frischem Broccoli – es sei denn, sie wurden künstlich zugesetzt.

    Gemüsesuppe Tonteller auf Holzbrett auf Küchentuch
    Gerade im Winter ist Gemüsesuppe ein gesunder Sattmacher und super Vitaminlieferant . - Unsplash

    Was in Pulver und Tabletten so gut wie gar nicht abgebildet werden kann, ist das Zusammenspiel von Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

    In dem Bereich ist längst noch nicht alles erforscht. Aber man weiss zum Beispiel, dass Vitamine ihre Wirkung im Körper besser im Zusammenspiel mit sekundären Pflanzenstoffen entfalten.

    Frage: Man hört ja landläufig den Ratschlag, dass man fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag essen sollte. Gerade beim Gemüse ist es oft nicht so leicht, das einzuhalten – haben Sie Tipps, wie es einem gelingt, auf die empfohlene Menge zu kommen?

    Zichner: Erstmal würde ich schauen, wie viel ich schon am Tag zu mir nehme. Viele unterschätzen das nämlich.

    Auch deshalb, weil sie kein Gefühl dafür haben, wie viel etwas wiegt. Legen Sie ruhig mal eine grosse Tomate auf die Waage. Sie werden überrascht sein.

    Im Durchschnitt wird geraten, 650 Gramm Obst und Gemüse am Tag aufzunehmen. Gerade im Herbst lässt sich sehr gut mit Gemüseeintöpfen und Suppen die Ration erhöhen.

    Fakt ist natürlich, dass man durch das Erhitzen beim Kochen Nährstoffe einbüsst, aber das ist eingepreist – die Empfehlungen sind eh mit etwas Puffer berechnet.

    Der grössere Anteil sollte übrigens Gemüse sein – 400 Gramm täglich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Generell ist immer ratsam, in seiner Ernährung eine bunte Mischung aus gegartem und rohem Gemüse zu haben.

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