Amnesty nennt Butscha-Bilder «Spitze des Eisbergs» an Verbrechen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat mit Augenzeugen der Kriegsverbrechen in Butscha gesprochen.

Ukraine Butscha: 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kiew, bietet sich nach dem Rückzug der russischen Armee im Ukraine-Krieg ein Bild des Grauens. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Amnesty International hat zahlreiche Verbrechen beim Massaker in Butscha festgestellt.
  • Dabei beruft sich die Organisation auf ukrainische Augenzeugen.

Russische Truppen hätten ihren Informationen zufolge wiederholt unbewaffnete Menschen in deren Häusern oder auf offener Strasse erschossen. Dies teilte die Organisation am Donnerstag mit.

Ukrainische Soldaten inspizieren die Trümmer einer zerstörten russischen Panzerkolonne auf einer Strasse in Butscha. - sda

In einem Fall sei eine Frau mehrfach vergewaltigt worden, nachdem ihr Mann getötet worden sei. «Die schockierenden Bilder aus Butscha sind ganz offensichtlich nur die Spitze eines Eisbergs der Grausamkeit und Brutalität.» Dies sagte Janine Uhlmannsiek, Expertin für Europa und Zentralasien bei Amnesty International in Deutschland. «Alle Belege sprechen dafür, dass wir es hier mit Kriegsverbrechen zu tun haben.»

Amnesty sprach mit Menschen vor Ort

Ein Amnesty-Team sprach in den vergangenen Wochen mit mehr als 20 Menschen aus Orten in der Umgebung Kiews. Diese hatten russische Gewalttaten miterlebt oder unmittelbar Kenntnis von den Gewalttaten erhalten. Man habe alle Fälle «quergecheckt» und sich die Aussagen von weiteren Quellen bestätigen lassen, sagte ein Amnesty-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

In einem Fall sprachen sie mit einer etwa 46 Jahre alten Frau aus Bohdaniwka nordöstlich von Kiew. Russische Soldaten seien in ihr Haus eingedrungen hätten und sie und ihren Mann in den Heizungsraum gedrängt. Dann hätten sie ihren Mann nach Zigaretten gefragt. Als der verneint habe, hätten sie ihm zunächst in den rechten Arm, dann in den Kopf geschossen.

Mann lebte nach Kopfschuss noch sechs Stunden

Die Frau gab an, dass ihr Mann noch sechs Stunden lang geatmet hätte, bis er schliesslich gestorben sei. Ein Nachbar hat laut Amnesty gesehen, wie die russischen Soldaten in das Haus eingebrochen seien. Auch habe der Nachbar angegeben, den zusammengebrochenen Körper des Mannes im Heizungsraum gesehen zu haben.

Die 46-jährige Frau sei mit ihrer 10-jährigen Tochter noch am selben Tag geflohen. Die 81-jährige Schwiegermutter sei zurückgeblieben.