French Open – Ukrainerin gegen Russin: «Wie kann man so schlafen?»
Im Halbfinal der French Open trifft Marta Kostjuk (23) auf die Russin Mirra Andreeva (19). Auf einen Handshake wird die Ukrainerin wohl verzichten.

Das Wichtigste in Kürze
- Marta Kostjuk widmet ihren Sieg im French-Open-Viertelfinal «den Menschen in der Ukraine».
- Auf dem Weg zum Roland-Garros-Titel warten womöglich zwei Russinnen.
- Halbfinal-Gegnerin Mirra Andreeva ist es egal, ob sie gegen eine Ukrainerin spielt.
- Kostjuk versteht nicht, «wie man in ihrer Lage noch friedlich schlafen kann».
Was für ein Erfolg: An den French Open erreicht die 23-jährige Marta Kostjuk erstmals einen Grand-Slam-Halbfinal. Nach dem Viertelfinal-Triumph gegen Landsfrau Elina Svitolina fliessen bei der Ukrainerin die Tränen.

In der Nacht vor dem ukrainischen French-Open-Duell waren in ihrem Heimatland 21 Menschen durch russische Raketen ums Leben gekommen. Kostjuk sagt in der Pressekonferenz: «Ich widme diesen Sieg den Menschen in der Ukraine.»
Russin Andreeva: «Dass Gegnerin Ukrainerin ist, spielt keine Rolle»
Besonders brisant: Im Halbfinal am Donnerstag (ab 15 Uhr) trifft Kostjuk auf eine Russin. Die Ukrainerin – die in Runde 2 Viktorija Golubic bezwang – bekommt es mit Teichmann-Bezwingerin Mirra Andreeva zu tun.

Den üblichen Handschlag nach dem Spiel wird es wohl nicht geben. Gegen Spielerinnen aus Russland und Belarus verweigert Kostjuk normalerweise den «obligatorischen» Handshake.
Die 19-jährige Andreeva sagt vor dem Spiel einfach nur: «Dass meine Gegnerin Ukrainerin ist, spielt für mich keine Rolle. Ich versuche immer nur den Ball zu spielen, der zu mir kommt.»
Kostjuk: «Weiss nicht, wie man noch friedlich schlafen kann»
Kostjuk aber hätte sich von der Weltnummer 8 ein klareres Statement gewünscht. Sie sagt: «Das sind erwachsene Menschen, die wissen, was passiert. Wenn sie trotzdem schweigen wollen, kann ich das nicht ändern.»

Ihre Haltung macht Kostjuk mehr als klar: «Ich weiss nicht, wie man noch friedlich schlafen kann, wenn dein Land Menschen tötet.» Ihr sei es ein grosses Anliegen, die Situation nicht zu ignorieren, sondern darauf aufmerksam zu machen.
Gewinnt eine Russin die French Open?
Direkt vor dem Auftakt der French Open war eine Rakete in der Nähe von Kostjuks Elternhaus eingeschlagen. Sie sprach vom «schlimmsten Match meiner Karriere». Trotzdem steht sie nun im Halbfinal – und trifft auf eine Russin.

Sollte sie Andreeva – wie im Madrid-Final Anfang Mai – bezwingen, wartet womöglich die nächste Russin. Diana Schnaider geht als Favoritin in den zweiten Halbfinal gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska.
In Wimbledon waren russische Spielerinnen und Spieler 2022 aufgrund des Angriffskrieges gegen die Ukraine ausgeschlossen worden. Seither sind sie an Turnieren wieder zugelassen – allerdings nur unter neutraler Flagge.

An den French Open 2026 deutet vieles auf eine russische Siegerin hin. Noch hat die Ukraine mit Marta Kostjuk aber ebenfalls Chancen auf den Titel.
















