Statt Wüsten-Bilder aus Katar setzt SRF bei der Werbung für die WM 2022 auf ein Video aus dem All. Der Sender will den Fussball in den Fokus stellen.
Mit diesen Bildern macht SRF auf die WM 2022 aufmerksam. - SRF
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Das Wichtigste in Kürze

  • SRF macht mit kryptischen Bildern aus dem All auf die Fussball-WM aufmerksam.
  • Gastgeber Katar wird in der Vorschau auf das Turnier nicht erwähnt.
  • In anderen Jahren setzte man noch auf typisch einheimische Symbole.

Blick aus einer Raumschiff-Kabine. Ein Fussball schwebt vorbei. «Die Welt schaut Fussball – ab dem 20. November live.»

Auf SRF läuft die Vorschau auf die WM 2022. Unerwähnt bleibt darin, dass das Turnier in Katar stattfindet.

Die Wüsten-Weltmeisterschaft ist höchst umstritten. Einerseits gibt es noch immer Kritik für die Vergabe im Jahr 2010 – damals floss Geld. Andererseits sorgt die Menschenrechtslage im arabischen Land für negative Schlagzeilen.

Botschafter Khalid Salman (60) bezeichnete die Liebe zwischen zwei Männern zuletzt in einem Skandal-Interview als «geistigen Schaden».

SRF WM 2022
Die WM 2022 startet am Sonntag.
SRF WM 2022
Fussball-Fans rufen – vor allem in Europa – rufen zum Boykott auf. Hier letztes Wochenende im Berliner Olympiastadion.
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Für Kritik sorgen die Bedingungen auf den Stadion-Baustellen, auf denen zahlreiche Arbeiter gestorben sein sollen.
SRF WM 2022
Zudem ist bei der WM-Vergabe im Jahr 2010 Geld geflossen – das Turnier darf nun trotzdem in Katar stattfinden.
SRF WM 2022
Die Schweizer Nati startet am 24. November gegen Kamerun ins Turnier.
SRF WM 2022
Bei SRF stellt man im ersten Trailer zur WM 2022 den Fussball in den Fokus. Bilder von Gastgeber Katar sind keine zu sehen.

Hat man nun auch beim SRF auf die Kritik reagiert – und die katarische Wüste aus der WM-Werbung gestrichen?

SRF: «Im Fokus steht der Fussballsport»

Auf Anfrage von Nau.ch verneint der Sender. Und verweist auf neues Design und auf ein neues Konzept.

«Mit dem Trailer haben wir erstmals im TV auf den Grossanlass hingewiesen. Im Fokus steht der Fussballsport – symbolisiert durch den Fussball – als eigentlicher Kern der Veranstaltung.»

2018 wirbt SRF für die WM in Russland mit typisch russischen Symbolen und Bildern. - SRF

Ein Blick zurück zeigt: Dass man keine Bilder des Gastgeberlandes im WM-Trailer zeigt, ist ungewöhnlich.

Beispiel 2018: Als die Endrunde in Russland stattfand, machte man den Fussball-Fans mit typischen Landes-Symbolen Appetit auf die Weltmeisterschaft. Mit russischen Volkstänzen, Matrjoschkas, Kuppeldächern und einem Bären kündete SRF die WM an.

Auch klang die TV-Stimme euphorischer. «Mach dich bereit für das Sport-Event des Jahres: die Fifa Fussball-Weltmeisterschaft in Russland.»

Keine Bilder am TV, weil es noch keine Bilder von WM 2022 gibt

SRF erklärt, dass das «neue Konzept» der TV-Trailer nicht vergleichbar sei mit jenem der WM 2018. Und: «Im ersten TV-Trailer zur WM 2022 haben wir uns vor allem auch darum für die Gestaltung entschieden, weil vor WM-Start noch keine Bilder der diesjährigen Veranstaltung vorliegen.»

Schauen Sie die Fussball-WM in Katar?

Bemerkt hat man das neue Konzept und Design ohne Bilder des Gastgeberlandes auch bei der Fifa. Vorschriften gebe es bezüglich Gestaltung keine, sagt der Welt-Fussballverband zu Nau.ch. «Jeder Sender, der die Rechte erwirbt, kann das selber entscheiden.»

Boykott-Aufrufe und ein etwas anderes Public Viewing

So oder so: Katar-Bilder bekommen die SRF-Zuschauer ab Sonntag zu sehen. Dann startet die WM mit dem Eröffnungsspiel Katar gegen Ecuador. Das Schweizer Fernsehen zeigt alle 64 Spiele live.

Grosse Public Viewings in Städten sind hingegen rar. Es wird in kleineren Kreisen geschaut. So etwa in Liebefeld BE.

WM 2022
«Dr Bitz» in Liebefeld BE überträgt die WM 2022 in Zusammenarbeit mit Amnesty International. - Nau.ch

Dort zeigt «Dr Bitz» die WM-Spiele in Zusammenarbeit mit Amnesty International auf eine etwas andere Art. Es soll keinen Profit geben, Werbung wird keine gezeigt. Der Eintritt ist gratis, allfällige Gewinne werden komplett an Amnesty – ein grosser Katar-Kritiker – gespendet.

Bemerkenswert: Auch Nati-Hauptsponsorin Credit Suisse verzichtet auf eine Werbe-Kampagne während der WM 2022. Vor vier Jahren lernten Embolo, Xhaka und Co. in einem Klassenzimmer noch Russisch.

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