Schweizer Nati ade: Ärger über SFV und Lutfi Dalipi ist scheinheilig
Vaduz-Shootingstar Lutfi Dalipi (20) wird nicht für die Schweizer Nati spielen. Die Empörung ist erneut gross – aber vor allem scheinheilig. Ein Kommentar.

Das Wichtigste in Kürze
- Überflieger Lutfi Dalipi (20) hat sich gegen die Schweizer Nati entschieden.
- Der an Vaduz ausgeliehene YB-Spieler wird wohl für Albanien oder den Kosovo auflaufen.
- Erneut wird eine Diskussion über Secondos und den SFV geführt.
14 Scorerpunkte in zwölf Liga-Spielen für Vaduz: Lutfi Dalipi ist einer der Shootingstars der aktuellen Super-League-Saison! Der 20-jährige Fribourger überzeugt beim Aufsteiger auf der ganzen Linie. Macht er so weiter, dürfte er im Sommer bei Heimatclub YB die Chance als Nachfolger von Alvyn Sanches erhalten.

Nur: Für die Schweizer Nati wird der zweifache U21-Natispieler nie auflaufen. Dalipi entscheidet sich gegen die Schweiz, wird dafür wohl das Trikot von Albanien oder Kosovo überstreifen.
Schon wieder sagt ein vielversprechendes Talent der Nati ab. Das machten zuletzt bereits Leon Avdullahu, Albian Hajdari oder Alessandro Romano. Jetzt also auch Dalipi. Die Empörung ist gross!
Während einige dem SFV Vorwürfe machen, stören sich andere an der «Undankbarkeit» der «abtrünnigen Profis». Diese wurden immerhin jahrelang vom Verband gefördert. Man hat Zeit und Geld in die Ausbildung investiert.

Aus meiner Sicht ist diese Diskussion scheinheilig. Vorwürfe sind deplatziert. Und zwar egal, gegen wen sie sich richten.
Dass Nachwuchsspieler für mehrere Nationen auflaufen können, ist nicht neu. Und kein exklusives «Schweiz-Problem»: Es ist schlicht die Realität im modernen Fussball, in dem Spieler für zwei, drei, manchmal vier Nationen auflaufen dürften.

Nati-Trainer Murat Yakin sagt: «Es ist schwer, in dieses Team zu kommen.» Und damit hat er recht: Auch Spieler wie Fabian Rieder, Ardon Jashari oder Alvyn Sanches mussten sich geduldig zeigen. Und gerade diese drei Beispiele dürften vom Talent her sogar eine Schublade über Dalipi stehen.
Klar: Yakin könnte es sich einfach machen und Spieler wie Dalipi aufbieten und einsetzen. Dann wäre die Entscheidung gefallen, der Spieler an die Schweizer Nati gebunden – und die Diskussion beendet.

Aber was ist, wenn der Stern des 20-Jährigen so schnell verglüht, wie er aufgegangen ist? Der YB-Junior bestreitet seine erste Saison auf diesem Niveau und hat bisher in vier Monaten eindrücklich geglänzt.
Aber, pardon: Aus dem Vaduzer Kollektiv herauszustechen, ist allein noch kein Indiz für internationale Klasse.
Kann Dalipi dieses Niveau halten, bei YB bestätigen – und später auch bei einem Club in einer Top-Liga abrufen: Dann kann man seinen Entscheid gegen die Nati vielleicht bedauern.
Aber Stand jetzt ist das viel zu früh. Und Hand aufs Herz: Vermisst du Avdullahu oder Hajdari in der aktuellen Nati?
Die einzigen Spieler, die sich einst gegen die Nati entschieden haben und dem Team ganz sicher geholfen hätten, sind Ivan Rakitic und Mladen Petric. Und das ist 19 und 25 Jahre her.













