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    «Erfahrung gesucht. Gratis wäre ideal»

    BärnerBär
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    Junge Hochschulabsolventen finden trotz Diplom oft nur schlecht bezahlte Praktika. Gleichzeitig gelten ältere Stellensuchende als zu teuer oder zu alt.

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    Apropos: Die Kolumne vom BärnerBär. - zVg

    Kürzlich ging es an dieser Stelle um ältere Stellensuchende, die trotz jahrzehntelanger Berufserfahrung kaum noch eine Chance bekommen. Zu alt, zu teuer, zu nahe an der Pensionierung. Nun könnte man meinen, junge Menschen hätten es einfacher. Schliesslich sind sie motiviert, bestens ausgebildet und haben noch ein ganzes Berufsleben vor sich.

    Weit gefehlt. Da studieren junge Menschen jahrelang, schreiben Prüfungen, verfassen Bachelor- und Masterarbeiten und verdienen sich nebenbei mit diversen Jobs ihren Lebensunterhalt. Doch kaum halten sie ihr Diplom in den Händen, folgt die Ernüchterung: «Leider fehlt Ihnen die nötige Berufserfahrung.»

    Aha. Woher die kommen soll, wenn einen niemand einstellt, bleibt offenbar ein gut gehütetes Geheimnis vieler Personalabteilungen Aber zum Glück gibt es eine immer beliebter werdende Lösung: das Praktikum.

    Am besten gleich für ein ganzes Jahr. Für rund 1000 Franken im Monat darf der akademisch ausgebildete Nachwuchs nun «wertvolle Erfahrungen sammeln».

    Arbeit
    Jungen Menschen fehlt in der Arbeitswelt oft die Berufserfahrung. (Symbolbild) - Depositphotos

    Was häufig bedeutet, ganz normale Arbeit zu erledigen, für die andere einen richtigen Lohn bekommen. Eine grossartige Gelegenheit. Vor allem für den Arbeitgeber. Wer Arbeitslosengeld beziehen kann, steht finanziell unter Umständen sogar besser da. Extrem motivierend.

    Besonders hübsch wird die Rechnung bei den Lebenshaltungskosten. Schon ein bescheidenes WG-Zimmer verschlingt schnell die Hälfte des Praktikumslohns. Essen, Krankenkasse und ÖV sind da noch nicht inbegriffen.

    Aber wozu hat man schliesslich Eltern? Die dürfen weiterhin für ihren Nachwuchs aufkommen, während Unternehmen von günstigen, gut ausgebildeten Arbeitskräften profitieren. Und nach zwölf Monaten? Keineswegs eine garantierte Festanstellung.

    Ist der Arbeitsmarkt für Junge und Ältere unfair?

    Dafür ein Arbeitszeugnis und die Gewissheit, wieder ein Jahr älter geworden zu sein. Grossartig. Natürlich gibt es sinnvolle Praktika mit echten Lernmöglichkeiten und Perspektiven. Aber ein abgeschlossenes Studium kann doch nicht automatisch die Eintrittskarte für ein Jahr Billigarbeit sein.

    Besonders dann nicht, wenn anschliessend einfach der nächste Praktikant nachrückt. Langsam fragt man sich ohnehin, für wen dieser Arbeitsmarkt eigentlich gemacht ist. Man sollte möglichst 20 Jahre Berufserfahrung mitbringen, aber bitte nicht mehr als 35 sein. Die ideale Arbeitskraft ist offenbar zwischen 30 und 45, hoch qualifiziert und jederzeit verfügbar.

    Arbeitsmarkt
    «Langsam fragt man sich ohnehin, für wen dieser Arbeitsmarkt eigentlich gemacht ist.» (Symbolbild) - keystone

    Und was machen wir mit dem Rest der Bevölkerung? Während also Junge trotz Diplom kaum einen Einstieg finden und Ältere mit 55 schon zum alten Eisen gehören, liebäugelt die Politik mit einem Pensionsalter von 67 Jahren oder mehr. Auch eine Logik: Mit 25 zu unerfahren, mit 55 zu alt, aber bis 67 bitte weiterarbeiten.

    Aber wo denn? Vielleicht wäre diese Frage zuerst einmal zu beantworten. Oder lautet das politische Zukunftsmodell: Bis 30 Praktika zum Taschengeldtarif, ab 55 arbeitslos und dazwischen möglichst günstig, flexibel und dankbar? Vielleicht ist ja nicht der viel beschworene Fachkräftemangel das eigentliche Problem, sondern schlicht der Mangel an gesundem Menschenverstand.

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