Unsinn oder gern gepflegte Tradition? Mit dem Spieltag am Stephanstag hegt die Premier League ein Alleinstellungsmerkmal.
Premier League Jürgen Klopp
Jürgen Klopp übte in der Vergangenheit häufig Kritik am dichten Feiertagsprogramm der Premier League. - dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Am Boxing Day, dem 26. Dezember, rollt in der Premier League traditionell der Ball.
  • Highlight an diesem Stephanstag ist das Spitzenspiel zwischen Liverpool und Leicester.
  • Bei den Trainern sorgt das dichte Programm allerdings für wenig Begeisterung.

Jürgen Klopp lässt der Weihnachtstrubel des FC Liverpool ungewöhnlich kalt. Die Belastung durch die Reise zur Klub-WM nach Katar? Das stramme Programm zum Jahreswechsel? «Es ist alles gut», sagte der deutsche Trainer, als er auf die Strapazen angesprochen wurde.

Das war in den vergangenen Jahren auch schon anders. Da beklagte sich Klopp über die hohe Belastung zum Jahreswechsel. Denn am Boxing Day, dem 26. Dezember, muss der Tabellenführer der Premier League im Spitzenspiel beim zehn Punkte zurückliegenden Verfolger Leicester City ran.

Premier League Liverpool Club-WM
Gut für die Stimmung: Liverpool holte sich abseits der Premier League gerade erst den Club-WM-Titel. - dpa

Mit dabei ist aller Voraussicht nach der Schweizer Xherdan Shaqiri. Verzichten muss Klopp indes auf Alex Oxlade-Chamberlain. Der Brite muss wegen einer Knöchelverletzung für mindestens zwei Spiele aussetzen.

Rodgers schiesst gegen die Premier League

Für Leicesters Trainer Brendan Rodgers ist das englische Fussballprogramm zum Jahreswechsel hingegen schlicht «Unsinn. Die Spieler sind keine Roboter, das ist kein Computerspiel», sagte Rodgers über den Spielplan. Am Samstag noch die 1:3-Niederlage bei Manchester City, am zweiten Weihnachtstag geht es gegen Liverpool. Zwei Tage später gastiert man bei West Ham United und am Neujahrstag in Newcastle – atemlos durch die Weihnachtszeit.

Pep Guardiola Premier League
Pep Guardiola schrieb angesichts des dichten Programms sogar einen «Dankesbrief» an die Premier League. - dpa

Pep Guardiola flüchtet sich in Sarkasmus. Sein Club Manchester City muss wie vier weitere Vereine ab Freitag zwei Spiele in 48 Stunden bestreiten. «Ich habe einen Dankesbrief an die Premier League geschrieben», sagte Guardiola. «Nach dem Spiel gegen Wolverhampton setzen wir uns in den Kühlschrank, um uns auf Sheffield vorzubereiten.»

Fussballerischer Hochgenuss ist angesichts der Belastung nicht zu erwarten. Mit Grausen erinnert sich Jürgen Klinsmann an das üble Weihnachtsgekicke zu seiner Zeit zurück. Mitte der Neunziger spielte «Klinsi» als Stürmer bei Tottenham Hotspur in der Premier League. «Das konntest du gar nicht mehr anschauen, da gab's nur lange Bälle.»

Nur England verzichtet auf die Winterpause

Während in England durchgespielt wird, pausieren alle anderen Ligen; Spanien und Italien lassen den Ball bis Anfang Januar ruhen. Die deutsche Bundesliga beginnt erst am 17. Januar mit der Rückrunde, in der Schweiz nimmt die Super League am 25. Januar ihren Spielbetrieb wieder auf.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts rollte auf der Insel der Ball am Christfest. Bis in die Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts wurde sogar am ersten Weihnachtstag ein kompletter Spieltag ausgetragen.

Der heutige Zweitligist Brentford soll damals mit einem sexistischen Motto geworben haben. «Männer gehen zum Spiel, während die Frauen in der Küche kochen.» Denn nach dem Stadionbesuch gab es das Festmahl.

Boxing ist das englische Wort für Einpacken, der «Boxing Day» entstand im 19. Jahrhundert zu Zeiten von Königin Victoria. Bedienstete hatten am 26. Dezember frei und bekamen an diesem Tag von ihren Herren ihr Weihnachtspaket.

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