Lawine: Die meisten Toten gibt es bei Gefahrenstufe 3
Bereits 13 Menschen sind dieses Jahr in der Schweiz in einer Lawine gestorben. Die Statistik zeigt: Am meisten Menschen verunglücken bei Gefahrenstufe 3.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Jahr 2026 kamen bereits 13 Menschen in der Schweiz in Lawinen ums Leben.
- Besonders viele Todesopfer gibt es bei Lawinenwarnstufe 3 («erheblich»).
- Wintersportlerinnen und Wintersportler ignorieren dabei auch immer wieder Absperrungen.
Erst am gestrigen Donnerstag riss eine Lawine in Parsonz GR einen 49-jährigen Vater und seinen 15-jährigen Sohn mit.
Die beiden waren trotz Lawinenwarnstufe 4 («gross») abseits der Piste unterwegs, als die Schneemassen sie mitrissen.
Beide wurden vollständig verschüttet. Der Vater konnte von den Rettungskräften nur noch tot geborgen werden, sein 15-jähriger Sohn wurde ins Spital gebracht.
Es ist «möglich, dass der Durchschnitt übertroffen wird»
Mit diesem Lawinenunglück gibt es 2026 bereits 13 Lawinentote in der Schweiz. Der aktuelle 20-Jahres-Durchschnitt liegt bei 21,95 Lawinentoten im Jahr.
Der bekannte Schweizer Bergretter Bruno Jelk ordnet die Zahlen für Nau.ch ein: «Im Moment liegen die Zahlen noch im Normbereich.»
Das bestätigt auch das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), das die Lawinenstatistiken erhebt.
Aber wenn es so weitergehe, sei es «möglich, dass der Durchschnitt übertroffen» werde, erklärt Bergretter Jelk.
«Bereits mit wenig Belastung kann eine Lawine ausgelöst werden»
Denn: «Es sind heutzutage auch mehr Leute abseits der Pisten unterwegs. Da nehmen die Lawinenunfälle automatisch zu.»
Doch warum unterschätzen so viele Wintersportlerinnen und Wintersportler die Gefahr einer Lawine?
Bruno Jelk erklärt dazu: «Leider müssen wir feststellen, dass die Freerider mehr Risiko eingehen.» Tourenskifahrer seien derweil «etwas vorsichtiger».
Aktuell würden gefährliche Verhältnisse herrschen. «Bereits mit wenig Belastung kann eine Lawine ausgelöst werden.»
«Warnungen werden missachtet»
Jelk rät: «Die Leute sollten beim Lawinenbulletin nicht nur die Warnstufe ansehen, sondern auch den Text lesen.»
Denn dort wird erklärt, was die aktuelle Warnstufe bedeutet. Und womit man rechnen muss, wenn man abseits der Pisten unterwegs ist.
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«Leider werden Warnungen und Absperrungen oft missachtet», klagt Jelk. «Wir haben in Zermatt momentan Strassen und Wanderwege gesperrt. Trotzdem laufen oder fahren die Leute dort durch.»
Die meisten tödlichen Lawinenunfälle gibt es bei Stufe 3
Doch auch die Warnungen der Bergbahnen würden ignoriert, so der Bergretter. «Sobald die Bahn den Betrieb aufnimmt, werden alle erreichbaren Hänge befahren.»
Dabei sei es «egal, welche Lawinenwarnstufe angeschlagen» sei. Oder ob die Warnblinker ab Stufe 3 angestellt seien.
Dass die Lawinenwarnstufe 3 nicht zu unterschätzen ist, geht auch aus den Statistiken der SLF hervor. Dort zeigt sich: Die meisten tödlichen Lawinenunfälle – rund die Hälfte aller Todesopfer – gibt es bei dieser Stufe. Und nicht den noch höheren 4 oder 5.
Verdoppelung des Risikos je Gefahrenstufe
Eine Erklärung dafür sieht das SLF bei der Häufigkeit, in der die Stufe 3 ausgerufen wird. «Die Stufe 3 ist eigentlich die ‹höchste› Stufe für die Tourenfahrer und Freerider.»
Denn: «Stufe 4 und 5 sind sehr selten.» Darauf hören die Wintersportler offenbar: «Und bei diesen Stufen sind nur sehr wenige Leute neben den Pisten unterwegs.»
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Die hohen Lawinenwarnstufen 4 («gross») und 5 («sehr gross») sind natürlich massiv gefährlicher als Stufe 3 («erheblich»).
Das SLF erklärt: «Das Risiko steigt mit den Gefahrenstufen exponentiell an. Also es kann ungefähr mit einer Verdoppelung pro Gefahrenstufe gerechnet werden.»
«Das eigene Können sollte nicht überschätzt werden»
Und auch Bergretter Bruno Jelk sagt: «Bei Stufe 4 und 5 sollte man besser auf den gesicherten Pisten bleiben.»
Denn bei diesen Lawinenwarnstufen sei meistens sehr viel Schnee und Wind vorhanden.

«Man muss sich den Verhältnissen anpassen und sich ausbilden lassen», mahnt Jelk. Es gebe auch sehr viele Kurse und Organisationen, die solche Kurse anbieten würden.
«Das eigene Können sollte nicht überschätzt werden. Auch die richtige Ausrüstung, eine Sonde und eine Lawinenschaufel, sind wichtig. Ein Airbag ist auch ein sehr gutes Gerät.»
Am Wochenende gilt neben den Pisten grosse Vorsicht
Vorsicht ist auch am kommenden Wochenende geboten, wenn der viele Neuschnee und das gute Wetter in die Berge locken. In weiten Teilen des Berner Oberlands und der Innerschweiz gilt auch heute Lawinen-Warnstufe 3. Im Wallis und in Graubünden gilt Stufe 4 (siehe Karte unten).
Auf den Ansturm vorbereitet ist trotz schwieriger Lawinenlage das Skigebiet Arosa Lenzerheide. Das Skigebiet teilt mit, es schneit aktuell noch immer.

«Bei den Panoramatafeln und den meisten Anlagen befinden sich Warnhinweise zur aktuellen Lawinensituation.»
Das SLF erklärt indes, auf geöffneten Pisten sei es sicher und rät: «Variantenabfahrern und Skitourenfahrern empfehlen wir grosse Vorsicht und Zurückhaltung.»
















