Fifa im Visier: Top-Ligen gehen in offenem Brief auf Infantino los
Gianni Infantino und die Fifa stehen weiterhin massiv unter Druck. Die europäischen Top-Ligen fordern nun dramatische Reformen im Weltverband.

Das Wichtigste in Kürze
- Die europäischen Top-Ligen üben scharfe Kritik an Gianni Infantino und der Fifa-Administration.
- Sie fordern umfassende Reformen nach dem «Machtmissbrauch» von Infantino.
- Unter anderem sollen auch die Ligen selbst stärker in Beschlüsse eingebunden werden.
Vier der grossen fünf europäischen Ligen stellen sich im Machtkampf innerhalb der Fifa deutlich gegen Gianni Infantino: In einem offenen Brief üben Premier League, LaLiga, Bundesliga und Serie A scharfe Kritik am umstrittenen Fifa-Präsidenten.
«Die langjährigen Grundlagen des Fussballs wurden in den vergangenen Jahren durch ein grundlegendes Führungsproblem bedroht», schreiben sie. «Der Fifa-Präsident hat ausbeuterische Ideen aktiv gefördert, statt sie zu verhindern.»
Scharfe Kritik an Infantinos «Machtmissbrauch»
Unterzeichnet ist der am Freitag veröffentlichte Brief von den Liga-Bossen Richard Masters, Javier Tebas, Marc Lenz und Luigi De Siervo. «Jetzt ist der Moment gekommen, nicht nur zu entscheiden, wer die FIFA führen wird. Sondern auch, wie die Fifa geführt werden soll.»

Die Ligen fordern für sich in diesem Prozess «eine entscheidende Rolle» ein. «Wir wollen sicherstellen, dass die Stimme jeder Liga gehört wird», so die Forderung der vier Top-Ligen. Vor allem das Governance-Modell der Fifa ist den Ligen ein Dorn im Auge.
«Vor mehr als einem Jahrzehnt gab es Kriminal-Ermittlungen gegen führende Fussball-Offizielle», erinnern die Ligen. «Damals sollte der Reform-Prozess der Fifa diese Probleme anpacken. Aber einmal mehr hat der Fussball einen der grössten Fälle von Machtmissbrauch in der Geschichte der Fifa erlebt.»
Drei Reform-Forderungen an die Fifa
Die vier Top-Ligen fordern eine Reihe von umfassenden Reformen. Die Fifa solle «ein ständiges Gremium einrichten, das die wichtigsten Interessengruppen vertritt», so die Forderung. «Darunter Nationalverbände, Ligen, Vereine und Spieler aus dem gesamten Männer- und Frauenfussball.»

«Dieses neue Gremium muss über neue Initiativen informiert sein und eine Rolle im Entscheidungsprozess der Fifa spielen. Die Zustimmung direkt betroffener Interessengruppen muss für Entscheidungen über den Kalender, die Verträge, Wettbewerbe und die wichtigsten Ressourcen erforderlich sein.»
Offene Kommunikation und unabhängige Aufsichts-Gremien
Weiters solle die Fifa künftige Vorschläge «mit einer klar definierten Begründung, unterstützenden Beweisen und einer unabhängigen Bewertung» vorbringen. Diese Dossiers sollen vor jeder Entscheidung veröffentlicht werden und alle Interessensgruppen über die Auswirkungen des Vorschlags aufklären.

Zu guter Letzt fordern die Ligen eine striktere Trennung zwischen der regulatorischen und der kommerziellen Seite der Fifa. «Die Ethik-, Finanzaufsichts- und Wahlgremien müssen wirklich unabhängig von der Fifa-Administration und dem Präsidentenamt sein.»
Für die vier europäischen Top-Ligen sind diese Reformen der Grundstein für die langfristige Zukunft des Fussballs. «Diese Reformen werden sicherstellen, dass die Kernwettbewerbsrechte der FIFA, einschliesslich der Weltmeisterschaft, treuhänderisch für den gesamten Fussball verwaltet werden.»
















