In der Debatte um den Vorstoss der Länderchefs für ein Spielverbot für ungeimpfte Fussballprofis hat sich der langjährige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats zu Wort gemeldet - mit einer klaren Aussage.
Peter Dabrock, früherer Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. Foto: Axel Schmidt/Reuters-Pool/dpa
Peter Dabrock, früherer Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. Foto: Axel Schmidt/Reuters-Pool/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Der langjährige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, hat sich für 2G im deu

«In der gegenwärtigen dramatischen Corona-Lage finde ich es verhältnismässig, dass in einer Kontaktsportart, die als länderübergreifender Wettbewerb in Bundesligen gespielt wird und sehr viele Zuschauer anzieht, die 2G-Regel eingeführt wird», sagte Dabrock der Deutschen Presse-Agentur.

Impfpflicht ist moralisch und rechtlich geboten

Der Theologie-Professor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erläuterte: «Es liesse sich kaum vermitteln, dass in Berlin andere Regeln in diesen Bundesligen gelten als in Nordrhein-Westfalen oder in Bayern. Das wäre sonst eine Wettbewerbsverzerrung. Die Alternative wäre aus meiner Sicht, dass man den Spielbetrieb einstellt. Ich halte es sowohl im Hinblick auf den Trainingsbetrieb, den Spielbetrieb und auch bezogen auf die Vorbildfunktion nicht einzelner Spieler, sondern dieses gesamten Systems, wirklich für geboten, dass man hier 2G durchführt.»

Hintergrund der aktuellen Corona-Debatte ist der Vorstoss der Länderchefs, 2G (geimpft oder genesen) für ungeimpfte Profis zu prüfen. Bei den 36 Clubs der ersten und zweiten Liga sollen nur knapp zehn Prozent der Fussballer nicht geimpft sein. Profis haben bei ihrer Berufsausübung im Grunde keinen Kontakt zu vulnerablen Gruppen.

Ist eine ins Spiel gebrachte 2G-Regel für die Kickerbranche also nicht vielmehr Symbolpolitik? «Seit der dramatischen Verschärfung der Corona-Pandemie-Lage habe ich eine Tendenz zur Impfpflicht für alle. Ich halte deswegen den Vorstoss des Bayerischen Ethikrates, überall dort, wo es Kunden- und Klientenkontakt gibt, auf eine Impfpflicht zu setzen, moralisch und rechtlich für geboten», sagte Dabrock.

Konfrontation mit vielen Impfdurchbrüchen

«Die Argumentation bei einer Impfpflicht, ausschliesslich auf den Umgang mit vulnerablen Gruppen zu fokussieren, habe ich vor zwei Wochen auch geteilt. Aber mittlerweile ist das Pandemiegeschehen gesamtgesellschaftlich so dynamisch geworden, dass wir über eine Ausweitung der Impfpflicht möglichst schnell nachdenken müssen. Insofern halte ich 2G auch im Fussball für geboten», sagte er.

Aus Sicht Dabrocks ist das nicht nur als Symbolpolitik zu sehen, «weil es auch eine hohe Impfquote im Profifussball gibt, sondern weil auch diese Kontaktsportart damit umgehen muss, dass sie mit vielen Impfdurchbrüchen konfrontiert ist. Daher sollte der Profifussball an dieser Stelle die gebotene gesellschaftliche Verantwortung ergreifen. Natürlich hat der Sport eine gewisse Vorreiterrolle. Aber diese Vorreiterrolle hat nicht nur eine symbolische Funktion, sondern eine, die einen ganz realen medizinischen und damit auch gesellschaftlichen und ethischen Hintergrund hat.»

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