Bach zu Olympia-Boykott 1980: «Spiele an den Abgrund geführt»

    DPA
    DPA

    Belmont-sur-Lausanne,

    Der Olympia-Boykott von 1980 ist für Thomas Bach Sieg, Niederlage und ein schmerzender Stachel der Enttäuschung zugleich.

    Thomas Bach
    Thomas Bach ist der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Vor 40 Jahren boykottierte Deutschland die Teilnahme der Olympischen Spiele 1980.
    • Laut IOC-Präsident Thomas Bach stand der Sport vor dem Abgrund.

    Für den IOC-Präsident Thomas Bach ist der Olympia-Boykott von 1980 die Triebfeder seiner Sportfunktionär-Laufbahn. Die Olympischen Spiele hätten vor 40 Jahren am Abgrund gestanden, weil der Sport ein Spielball der Politik war.

    «Ohne diesen Boykott sässe ich nicht im Internationalen Olympischen Komitee», sagte der IOC-Präsident anlässlich des 40. Jahrestages des Boykotts der Sommerspiele in Moskau.

    Olympia
    Die NOK-Mitgliederversammlung beschliesst, die Olympischen Spiele 1980 zu boykottieren. - Keystone

    Der Sport sei damals «zum blossen Spielball der Politik» geworden. Initiiert von den USA, die nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen 1979 in Afghanistan ihre Verbündeten zum Boykott aufriefen.

    «Missachtung der Athleten war spürbar»

    «Eine herablassende Missachtung der Stimme der Athleten auch im Sport und ebenso in der breiten Gesellschaft war spürbar», betonte er. Auf der Strecke seien 1980 die damaligen Athleten geblieben: «Im Nachhinein gibt es keinen Trost aufgrund dieser Sinnlosigkeit.»

    Die NOK-Mitgliederversammlung hatte am 15. Mai 1980 den Boykott mit 59:40-Stimmen beschlossen. «Der Sport hat sich der Politik unterworfen», befand auch Walther Tröger (91), der frühere Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. «Viele unserer Leute waren der Politik hörig oder verbunden.»

    Der 66-jährige Bach stuft seine damalige Ansprache in Namen der Athleten bei dem NOK-Konvent noch heute als sinnlos ein. «Da war die Entscheidung schon gefallen», sagte er. «Der Appell, den ich an die Mitglieder gerichtet habe, im Interesse des Sports zu entscheiden, war auf fruchtlosen Boden gefallen.»

    Die Fronten seien vorher klargezurrt gezogen und die Funktionäre von der Politik entsprechend eingenordet worden. «Am Ende war es nur noch eine Formalie, ohne Chance noch etwas umzudrehen.»

    Wo der Weg lang gehen sollte, hatte ihm zuvor auch der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt unmissverständlich im Kanzleramt klar gemacht. Bevor das Gespräch begann, habe ein Militär vor einer Weltkarte eingezeichneten Ölleitungen, Panzern und Raketen erklärt: «Wenn wir nach Moskau fahren würden, die Ölzufuhr für Deutschland und Europa und der Weltfrieden gefährdet sei», erinnerte Bach. Danach habe Schmidt zu ihm gesagt: «Wenn Sie Herr Aktivensprecher das wollen, fahren Sie ruhig nach Moskau.»

    «Sport hatte kaum Einfluss auf Politik»

    Laut Bach war der «Einfluss des Sports auf die Politik praktisch nicht existent». «Dies hat die Spiele an den Rand des Abgrunds geführt», betonte Bach. Die Spiele für 1984 seien schon nach Los Angeles vergeben worden und es sei klar gewesen, was kommen würde: Der Gegenboykott des Ostblocks.

    «Es war eine der Lebenslügen des Sports, für die der Sport bitter bezahlt hat», sagte er. «1980 zu sagen, Sport habe nichts mit Politik zu tun, war vollkommen falsch. Es gehe darum, dass der Sport politisch absolut neutral sei, «um überleben zu können, aber er kann nicht apolitisch sein».

    Für Sportorganisationen gelte es, eine Partnerschaft mit der Politik in beiderseitigem Respekt zu finden. «Das schliesst aber nicht aus, dass jemand die grosse Weltbühne des Sports für die eigenen politischen Zwecke nutzt», meinte er.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Coronavirus
    277 Interaktionen
    Amherds Hammer
    Alex Frei FC Basel
    33 Interaktionen
    FCB-Knall
    Djokovic
    49 Interaktionen
    Strikte Ernährung
    Rente
    2 Interaktionen
    Vorsorge

    MEHR IN SPORT

    Schweizer Nati
    2 Interaktionen
    Nati
    Hatsch
    8 Interaktionen
    Yakin über FC Thun
    Ruefer
    551 Interaktionen
    «Fauxpas» & «Panik»
    NL
    20 Interaktionen
    Mbappé verletzt

    MEHR OLYMPIA 2026

    Alan Frei.
    20 Interaktionen
    Amorana-Gründer
    a
    17 Interaktionen
    Olympia 2032
    14 Interaktionen
    Soglio GR
    Eiskunstlauf
    «Neues Kapitel»

    MEHR AUS BELMONT-SUR-LAUSANNE

    In Budapest
    Lausanne
    12 Interaktionen
    IOC-Präsi