Am Frauentag sollen in Zürich unbewilligte Demonstrationen stattfinden – trotz des Coronavirus. Die Stadtpolizei Zürich ist auf der Hut.
Frauenstreik Coronavirus
Der Frauenstreik am 14. Juni 2019 in Zürich. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Am 7. und 8. März finden in Zürich Kundgebungen zum Internationalen Frauentag statt.
  • Die Organisatorinnen beklagen sich über eine Doppelmoral der Behörden.
  • Die Stadtpolizei Zürich will abwarten und die Situation vor Ort beurteilen.

Am vergangenen Freitag beschloss der Bundesrat wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus eine «besondere Lage». Heisst: Veranstaltungen ab 1000 Personen sind bis am 15. März verboten. Das betrifft in erster Linie Konzerte, Messen und Sportanlässe.

Interview mit Bundesrat Alain Berset zum Beschluss, in der Schweiz wegen dem Coronavirus die «besondere Lage» zu deklarieren. - Nau

Wird den Jungen der Spass verdorben?

Der Kanton Zürich geht angesichts der dortigen raschen Verbreitung des Coronavirus noch einen Schritt weiter. Die Gesundheitsdirektion empfiehlt, Veranstaltungen mit vielen Personen in engem körperlichen Kontakt in geschlossenen Räumen zu unterlassen.

Klimastreik Coronavirus
Klimastreikende trotzen Wind und Wetter – aber gegen den Coronavirus auch? - Keystone

Klima-Jugend will weiter streiken

Weil am Sonntag internationaler Frauentag ist, komm das auch einigen geplanten Streiks in die Quere. Für das kommende Wochenende plant das Frauenbündnis Zürich und das Feministische Streikkollektiv verschiedene Aktionen.

CORONAVIRUS TESSIN
Mitarbeiter des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) verteilen am Bahnhof Chiasso Broschüren über die Präventionskampagne des Bundesamtes für Gesundheit gegen die Ausbreitung des Coronavirus COVID-19. - Keystone

Ärger über die Doppelmoral beim Coronavirus

Vom Coronavirus oder gar den Behörden will man sich bei den Zürcher Frauenstreikerinnen nicht in die Suppe spucken lassen.

«Wir machen uns gerade in ‹Krisenzeiten› für Feminismus stark», schreibt das Frauenbündnis dazu. Und erklärt seinen Ärger über die Doppelmoral der westlichen Welt. Erst wenn eine Krankheit die globale Wirtschaft bedrohe, werde sie ernstgenommen.

Der Bund, so der Vorwurf, schütze in erster Linie die Wirtschaft und nicht die Bevölkerung. «Solange Supermärkte, Bahnhöfe und Pendlerzüge nicht reorganisiert werden müssen, sehen wir keinen Grund, warum Veranstaltungen die draussen und dazu noch in Bewegung sind, an denen man den Abstand zu anderen Menschen selbst regulieren kann, nicht stattfinden sollen.»

Am Streik besser geschützt als bei der Arbeit

«Umso mehr rufen wir Personen, die in Pflege, Betreuung, Sexarbeit, Reinigung, Gastronomie, Verkehr oder Detailhandel arbeiten zum Streik auf. Da sie möglicherweise in unseren Aktionen besser vor einer Ansteckung geschützt sind als in ihrem Arbeitsumfeld», heisst es abschliessend.

Die Stadtpolizei Zürich hat angesichts der drohenden Gefahr durch das Coronavirus wenig Verständnis für die Aktivistinnen. Die Demonstration am 7. März ist ohnehin nicht bewilligt. Mit dem Verbot des Bundes kommt noch ein zusätzlicher Faktor dazu.

«Sollten mehr als 1000 Personen an der Demo teilnehmen, wäre dies, Stand heute gemäss den Vorgaben des Bundes, eine verbotene Veranstaltung», sagt Mediensprecher Michael Walker.

Frauenstreik
Der Frauenstreik in Bern im Juni. (Archivbild)
«Gemeinsam gegen die Gewalt, brechen wir das Schweigen», steht auf dem Transparent des Waadtländer Kollektivs für den Frauenstreik, das den Demonstrationszug in Lausanne anführte.
«Gemeinsam gegen die Gewalt, brechen wir das Schweigen», steht auf dem Transparent des Waadtländer Kollektivs für den Frauenstreik, das den Demonstrationszug in Lausanne anführte.
frauenstreik
Impressionen der Grosskundgebung, die Frauen treffen sich beim Central und laufen Richtung Helvetiaplatz anlaesslich den Frauenstreik, am Freitag, 14. Juni 2019, in Zuerich.
Vaterschaftsurlaub
Der Vaterschaftsurlaub oder eine gemeinsame Elternzeit gehörte auch zu den Forderungen des Frauenstreiks vom 14. Juni 2019.

Polizei kassiert Absage von Aktivistinnen

Die Vorsteherin des Sicherheitsdepartements sei im Vorfeld mit den Aktivistinnen in Kontakt getreten. Mit der Bitte, die Veranstaltung bewilligen zu lassen. Sie habe aber eine Absage erhalten.

«Grundsätzlich behandelt die Polizei diese unbewilligte Demonstration, wie jede andere unbewilligte Demonstration auch», so Walker weiter. Und wenn es mehr als 1000 Leute sind? Dann werde man schauen wie sich die Lage entwickelt. Die Polizei appelliert aber an die Bevölkerung, sich aus vorsorglich gesundheitlichen Überlegungen an die Vorgaben der Behörden zu halten.

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