Könizer Elterninitiative hilft anderen Gemeinden beim Handy-Verzicht
Kein Smartphone bis zur 7., kein Social Media bis zur 9. Klasse: Das Pilotprojekt in Wabern BE interessiert schweizweit.

Das Wichtigste in Kürze
- Eltern sollen sich freiwillig dazu bekennen: Kein Smartphone vor der 7. Klasse.
- Die Initiative aus Wabern BE sorgt für Interesse in der ganzen Deutschschweiz.
- Nun sollen die Erfahrungen geteilt werden – und auch in Wabern BE geht es weiter.
Ende 2025 lancierten Eltern in Wabern BE ihre eigene Strategie, um ihre Kinder vor Smartphones und Social Media zu schützen. Zwar gibt es in der Gemeinde Köniz – zu der Wabern gehört – seit anderthalb Jahren ein Handy-Verbot an Schulen. Die Elterninitiative will aber auch im privaten Rahmen für eine möglichst Handy-freie Zeit im Primarschulalter sorgen.
Die Idee sorgt für Interesse aus der ganzen Deutschschweiz, erzählt Mit-Initiant Tobias Löhrer dem «BärnerBär»: «30 bis 40 Elterngruppierungen haben sich für unseren Ansatz interessiert.»
Freiwilliger Smartphone-Verzicht
Bei ihrem Ansatz gehe es nicht um ein Verbot, betont Löhrer: «Sondern eine Vereinbarung, sich freiwillig an gemeinsame Regeln zu halten.»
Nämlich frühestens ab der siebten Klasse den Kindern ein Smartphone zu geben. Und Social Media erst ab der neunten Klasse zu erlauben.
So soll dem «stillen Druck» begegnet werden, dem Argument «andere dürfen ja auch». Wie sich zumindest in Wabern zeigte: Oft stimmt das eh nicht – und wenn einzelne Kinder tatsächlich schon «dürfen», haben die Eltern nur widerwillig nachgegeben.
Eine Toolbox für andere Interessierte
Dass sich nun nicht nur Eltern aus Köniz, sondern schweizweit nach Hilfe gegen die Smartphone-Plage sehnen, wundert Löhrer nicht.
«Es gibt kaum Eltern, die es unberührt lässt, wenn sie an Kindern vorbeilaufen, die wie Drogensüchtige an ihren Geräten hängen und nicht mehr zusammen sprechen oder spielen.»

Die interessierten Elterngruppierungen, wie etwa von der Primarstufe Theodor in Basel, können nun von den gemachten Erfahrungen profitieren. «In einer Toolbox haben wir Learnings und die Dos and Don'ts gesammelt. Das wird nun breit gestreut», erzählt Löhrer.
Wichtig seien etwa die wissenschaftlichen Fakten: «Wie die Algorithmen funktionieren und ein Belohnungssystem geschaffen wird, wie sich das Gehirn der Kinder durch Smartphone-Nutzung verändert.» Aber auch eine gute Zusammenarbeit mit der Schulleitung, zum Beispiel im Rahmen von Elternabenden.

Gerade bei solchen Präsentationen ist Löhrer aufgefallen, wie wichtig ein anderer Punkt wird: «Dass man den Eltern in die Augen schauen kann.»
Lieber anonym und niederschwellig
In der Toolbox geht die Elterninitiative aus Waben auch auf kritische Fragen ein: Was ist, wenn ein Kind aus organisatorischen Gründen oder für Notfälle ein Handy braucht? Müsste man die Altersgrenzen überdenken, zum Beispiel Handy erst ab 14 Jahren? Gilt die – an Schulen breit eingesetzte – Teams-App nicht auch als Social Media?
Die Antworten in diesen Fällen lauten: Die Klassenlehrperson ist immer erreichbar, oder ein Familienhandy ohne Social-Media-Apps anschaffen. Für höhere Altersgrenzen ist man offen, aber das sei noch in Diskussion.
Die Teams-App betrachtet man «eher nicht» als Social Media. Aber: Ihr Einsatz wurde auf Eltern-Inputs hin jetzt von der fünften auf die siebte Klasse verschoben.

Mit Feinjustierungen hat die Elterninitiative denn auch bereits begonnen. So sei ein wichtiges Learning in Waben die Niederschwelligkeit gewesen, erläutert Tobias Löhrer. «Sehr viele Eltern unterstützen das Vorhaben und wollen mitmachen, aber nicht irgendwo auf einer Plattform oder dergleichen ihren Namen hinschreiben.»
Mit der Niederschwelligkeit erhöhe sich einerseits die Akzeptanz und das Mitmachen enorm. Andererseits gehe dadurch auch etwas an Verbindlichkeit verloren. Diese Gratwanderung habe sich im Verlauf des Pilotprojekts immer mehr hin zur Betonung der Niederschwelligkeit verändert.
So geht es in Wabern weiter
Mit dem Schulstart nach den Sommerferien bietet sich für die Elterninitiative Gelegenheit, nachzufassen – und das hat sie auch vor. «Wir wollen unseren Ansatz nun in Wabern verfestigen», bestätigt Löhrer.
«Die Ergebnisse der Umfrage im Spätherbst 2025 unter den Eltern waren sehr klar.» Die Rücklaufquote war hoch und von den antwortenden Eltern unterstützten jeweils 80 bis 90 Prozent die freiwilligen Mindeststandards.
Auch die Zusammenarbeit mit der Schulleitung scheint zu klappen: «In den nächsten Wochen sind Elternabende und wir dürfen bei den 3., 5. und 7. Klassen wiederum ein Input-Referat halten.»
Freiwillig ist indes nicht nur das Mitmachen, sondern auch das Engagement von Löhrer und seinen Mitstreitern. Freiwillige braucht es darum auch in denjenigen Schulgemeinden, die sich für den Handy-Verzicht bei Schulkindern einsetzen wollen.
Denn, auch wenn Löhrer gerne mit der Toolbox weiterhilft, sieht er doch auch Grenzen. «Ehrenamtlich auch ausserhalb Waberns ein Engagement zu leisten, ist nicht möglich. Aber um an Stiftungsgelder heranzukommen, müssten wir unter anderem einen Verein gründen und sehr aufwändige Antragsverfahren durchlaufen. Dafür fehlt uns die Zeit.»













