Deshalb werden im Tierpark Bern auch überzählige Zootiere verfüttert

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Der Tierpark Bern antwortet auf Tierschützer-Bedenken bezüglich der Tötung von überzähligen Tieren.

Leopard Saphira Tierpark Dählhölzli
Die persische Leoparden-Dame «Saphira» im Tierpark Bern. - Screenshot tierpark-bern.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Stadtrat Sennhauser (TIF) hat Fragen zu Tötungen und Verfütterungen überzähliger Tiere.
  • Der Tierpark Bern erklärt, was die Gründe dafür sein können.

Es ist die Realität: Manchmal hat es in einem Zoo überzählige Tiere – und manchmal müssen diese getötet werden. Je nachdem werden die Tiere dann sogar innerhalb desselben Tierparks verfüttert. Was für die einen ein Trost ist – ein Kreislauf wird geschlossen – wirft für andere viele Fragen auf.

Fragen, die nun auch Stadtrat Tobias Sennhauser dem Gemeinderat stellt. Wie wird im Tierpark Bern mit dem Thema umgegangen – und wie steht es mit Alternativen? Ohne der Beantwortung von Sennhausers Interpellation vorzugreifen, hat der BärnerBär beim Tierpark Bern nachgefragt: Aus welchen Gründen kann es überhaupt zu überzähligen Tieren kommen?

Geeignete Plätze werden international gesucht

Der für Dählhölzli und BärenPark verantwortliche Tierpark Bern betont: «In den allermeisten Fällen» lasse er dem Fortpflanzungstrieb seiner Tiere freien Lauf. «Nur wenn es für das Tier aus gesundheitlichen Gründen besser ist, wird zur Verhütung oder Sterilisation als Massnahme gegriffen.»

Junge Steinböcke Tierpark Bern.
Junge Steinböcke im Tierpark Bern. - Screenshot tierpark-bern.ch

Schon vor der Geburt oder spätestens kurz danach würden für die meisten Nachzuchten geeignete Plätze in anderen wissenschaftlichen Zoos gesucht: Sei dies im Rahmen des Zuchtbuchs des europäischen Zoo- und Aquarienverbands EAZA oder in Netzwerken der Zoos und Aquarien.

Sollte es für bestimmte Nachkommen keinen Platz haben, werde in anderen Zoos oder auch bei privaten Haltern gesucht. Erst als letzte Option muss die Tötung in Erwägung gezogen werden: Schmerzfrei und nach gesetzlichen Vorschriften, betont der Tierpark Bern.

Dies dann, wenn das Tier aus sozialen Gründen nicht weiter im Bestand des Tierparks bleiben kann. Zu diesen sozialen Gründen zählt das Sozialverhalten oder die Gruppendynamik.

Zootiere: Getötet und verfüttert

Der Tierpark Bern betont: «Zoos und Tierparks erfüllen eine essenzielle Aufgabe beim Artenschutz.» Dieser gehöre neben Naturschutz, Bildung und Forschung zu den Hauptaufgaben eines modernen, wissenschaftlich geführten Zoos.

So würden für die Tierbestände sogenannte Zuchtbücher geführt, aufgrund derer jeweils jedes Jahr Zuchtbewilligungen und -empfehlungen ausgegeben werden.

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Ein Eisfuchs wird im Tierpark Bern mit einem Vogel gefüttert, der an einem Baum aufgehängt ist. - Instagram / @tierparkbern

Auch im Tierpark Bern kommt es vor, dass aus diesen Gründen getötete Tiere verfüttert werden. «Ganzkörperfütterungen sind für unsere Raubtiere eine sehr gute Beschäftigung und tragen gleichzeitig zur artgerechten und gesunden Ernährung bei.»

Tiere als Futter züchten

Stadtrat Sennhauser will aber auch wissen, wie es um die Futtertierzucht im Tierpark Bern gemäss Gesamtplanung 2023-2033 stehe. Gemäss dieser ist eine neue Futtertierzucht in einem eigenen Gebäude vorgesehen. Die Umsetzung soll allerdings erst ab 2029 beginnen.

Steinkauz Tierpark Bern
Ein Steinkauz im Tierpark Bern. Seit einigen Jahren helfen Nachzuchttiere bei der Wiederansiedlung in freier Wildbahn. - Screenshot tierpark-bern.ch

Der Tierpark Bern züchtet bereits seit Jahren in sehr kleinem Ausmass Insekten – zum Beispiel Kakerlaken, heisst es auf Anfrage. Dankbare Abnehmer von leckeren Krabbeltierchen sind unter anderem die Totenkopfäffchen und die Pantherchamäleons. Auch Vögel, Fische und Amphibien profitieren von den eigens gezüchteten Futtertieren.

Findest du es okay, dass überzählige Zoo-Tiere getötet werden?

Mit einer eigenen Futtertierzucht könne man schweizerische Tierschutz-Standards gewährleisten. Aber auch auf die Besonderheiten der eigenen Tiere eingehen, zum Beispiel durch die Zucht von Mäusen.

«Mäuse mit einer natürlichen Braunfärbung (statt weisse Laborratten) sind sehr wichtig für die Steinkäuze, welche in Auswilderungsprojekte abgegeben werden.» Denn so lernen die Käuze, ihre natürliche Beute zu erkennen und zu jagen.

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