Stadt Bern

    Berner Wildhüter: Getötete Rehe werden Zootieren verfüttert

    Nico Leuthold
    Nico Leuthold, Rowena Goebel

    Bern,

    Immer wieder kommen Wildtiere im Verkehr ums Leben. Ein Berner Wildhüter erklärt, was nach den Unfällen zu tun ist – und was mit dem Kadaver geschieht.

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    Wildhüter Martin Schmid zeigt bei Nau.ch, was mit Wildtieren geschieht, die dem Verkehr zum Opfer gefallen sind. - Nau.ch/Nico Leuthold

    Das Wichtigste in Kürze

    • In der Schweiz sterben jedes Jahr rund 8000 Rehe bei Verkehrsunfällen.
    • Gerade jetzt, wo es früh dämmert, passieren viele Unfälle.
    • Nau.ch begleitet einen Wildhüter bei der Arbeit.

    Immer wieder kommen in der Schweiz Igel, Rehe und sogar Hirsche oder Wildschweine unter die Räder.

    Allein bei Rehen kommt es jährlich zu rund 8000 Todesfällen, wie SRF berichtet. Gerade jetzt, wo es früh dämmert, passieren viele Unfälle.

    Kürzlich meldete die Versicherung Axa zudem, im letzten Jahr rund 3000 Wildunfälle bearbeitet zu haben.

    Rehe
    Fallen auch immer wieder dem Verkehr zum Opfer: Hirsche. (Archivbild) - keystone

    Das verursachte Kosten von 11,5 Millionen Franken. Eine Zahl, die immer höher wird – laut der Mitteilung sind die Durchschnittskosten pro Schadenfall auf eine Rekordsumme gestiegen.

    Immerhin: Die Zahl der Unfälle mit Wildtieren selbst ist nicht gestiegen. Sie ist der Versicherung zufolge in den letzten fünf Jahren konstant geblieben.

    Junger Rehbock liegt leblos neben Strasse

    Einem Auto zum Opfer gefallen ist auch ein junger Rehbock etwas ausserhalb der Stadt Bern. «Das ist eine bekannte Kollisionsstrecke», sagt Martin Schmid zu Nau.ch.

    Als Wildhüter ist er regelmässig mit Bildern wie diesem konfrontiert: Das Reh liegt leblos neben der Strasse. Ein Oberschenkel ist gebrochen, das Tier erlitt bei der Kollision mit einem Auto ein Schädelhirntrauma.

    Hattest du schon einmal einen Autounfall mit einem Wildtier?

    Es gehört zur Aufgabe von Wildhütern wie Schmid, Tiere, die dem Verkehr zum Opfer gefallen sind, zu bergen.

    Dazu ist er aber darauf angewiesen, dass Autofahrerinnen und -fahrer es melden, wenn sie ein Wildtier angefahren und getötet haben.

    Nach einem Unfall müsse man die Wildhut oder Polizei informieren, erklärt Schmid, und: «Wenn man kann, soll man es von der Strasse wegziehen.»

    Es sei wichtig, dass das Tier ausserhalb der Sichtweite von Autofahrern platziert werde.

    Wildhüter bringen tote Rehe in Tierpark Bern

    Die getöteten Tiere werden nach Möglichkeit nicht einfach entsorgt, sondern verwertet. In Bern bringen Wildhüter Kadaver in den Tierpark Bern.

    «An Bären, Luchse, et cetera können insbesondere Rehe so verfüttert werden», erklärt er. Selten erhält der Tierpark auch Hirsche und Wildschweine, wie eine Sprecherin zu Nau.ch sagt.

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    Repo mit dem Wildhüter von Bern. - Nau.ch/Nico Leuthold

    «Die angelieferten Wildtiere werden von unseren Tierpflegern zerlegt. Die Tierärzte machen eine Fleischkontrolle und entscheiden, ob diese verfüttert werden können oder nicht.»

    Häufig müsse der Tierpark die Kadaver vor der Verfütterung einfrieren und später wieder auftauen. Der Grund: So können Parasiten – sehr häufig seien Zecken – beseitigt werden.

    Der Tierarzt achtet auch darauf, dass ein Kadaver nicht zu verwest ist, um den Tieren vorgelegt werden zu können.

    Im Basler Zolli erhalten Geparden die Rehe, im Zürcher Zoo Hyänen

    Die Wildtiere werden laut Tierpark Bern an alle Raubtiere im Tierpark verfüttert ausser den Seehunden – die fressen lieber Fisch. Heisst: «Braunbär, Wolf, Luchs, Eisfuchs und Wildkatze.»

    Nicht nur in Bern werden Rehe, die dem Strassenverkehr zum Opfer gefallen sind, so verwertet. Auch im Zoo Basel und Zoo Zürich wird das sogenannte Fallwild Raubtieren verfüttert, wie es auf Anfrage von Nau.ch heisst.

    «Fallwild dient unter anderem als Futtertier für die Geparden», erklärt Fabienne Lauber vom Zoo Basel.

    In Zürich werden die verunfallten Wildtiere je nach Grösse verteilt – meist sind es Rehe. Sie werden «den verschiedenen Grosskatzenarten oder den Hyänen verfüttert», heisst es.

    Kinder gehen nach Reh-Fütterung nicht verstört nach Hause

    Übrigens: Weder der Tierpark Bern noch der Zoo Basel oder Zürich verarbeiten Rehe, ehe sie zu den Raubtieren gelangen. Es werden höchstens Einschussstellen entfernt oder Kadaver zur Kontrolle geöffnet.

    Auch Kinder können also unter Umständen unverkennbar zu sehen bekommen, wie ein Reh verschlungen wird. Dass die kleinen Zoo-Besucher danach verstört nach Hause gehen, sei aber nicht der Fall, bekräftigen die Zoos.

    Gehst du gerne in den Zoo?

    «Meist sind es die Erwachsenen, die eine Verfütterung eines ganzen Tieres schwieriger finden. Nicht die Kinder», heisst es beim Zoo Zürich. Kinder seien unvoreingenommener. Fände es eines doch unangenehm, sei das meist von Erwachsenen abgeschaut.

    Das Fallwild wird Gepard, Luchs und Co. aus zwei Gründen unverarbeitet vorgelegt: Einerseits zu Bildungszwecken für die Zoo-Besucherinnen und -besucher.

    Zoo
    Hier trifft ein Rind: Die Schweizer Zoos verfüttern ihren Raubtieren «ganze» Tiere – zu Bildungszwecken, und weil es gesünder sei. - keystone

    Andererseits auch, weil es so gesünder ist für die Raubtiere. «Das Öffnen des Tierkörpers fordert und beschäftigt die Raubtiere. Es trägt zur Zahngesundheit bei und versorgt sie mit den notwendigen Mineralstoffen und Vitaminen», heisst es beim Basler Zoo.

    «In der Natur werden auch keine Schnitzel serviert», ergänzt der Zoo Zürich.

    Kommentare

    User #6105 (nicht angemeldet)

    Immerhin nicht mehr Unfälle , der Rest ist weil die Garagen zu teuer sind , darum steigen die Kosten ....

    User #4578 (nicht angemeldet)

    Wenn ich ab und zu bei Nau.ch reinschaue, dann bin ich froh, dass ich meine Brötchen nicht als Nau-Journalist verdienen muss.

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