Werden im Tierpark Bern überzählige Tiere getötet?

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Stadtrat Tobias Sennhauser (TIF) will vom Gemeinderat wissen, wie mit dem umstrittenen Thema umgegangen wird – und was die Alternativen sind.

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Ein Eisfuchs wird im Tierpark Bern mit einem Vogel gefüttert, der an einem Baum aufgehängt ist. - Instagram / @tierparkbern

Das Wichtigste in Kürze

  • Gibt es Alternativen zur Tötung überzähliger Tiere im Tierpark Bern?
  • Stadtrat Tobias Sennhauser (TIF) will die Fakten zu Tötungen und Verfütterungen.
  • Im Interview kritisiert er aber auch die zwiespältige Haltung der Gesellschaft.

Wenn in Zoos überzählige Tiere getötet oder gar – innerhalb des gleichen Zoos – an Raubtiere verfüttert werden: Dann reagiert die Öffentlichkeit zumindest irritiert. Insbesondere dann, wenn die Verfütterung eines Zebras an Löwen auch noch vor den Augen der Zoobesucher geschieht.

Wenn die Raubkatzen dagegen Fleischbrocken von Schwein und Rind aus der Nutztierhaltung zum Frass vorgeworfen erhalten: Dann sind jeweils ganz andere Emotionen im Spiel.

Findest du es okay, dass überzählige Zoo-Tiere getötet werden?

Nun will der Berner Stadtrat Tobias Sennhauser (Tier im Fokus) vom Gemeinderat wissen: Was ist diesbezüglich die Praxis im Tierpark Bern? Werden gesunde, überzählige Tiere getötet? Was genau wird an die Raubtiere verfüttert? Was ist mit Alternativen wie Empfängnisverhütung, Auswilderung oder Abgabe von Tieren an andere Institutionen?

Gegenüber dem BärnerBär nimmt Sennhauser Stellung zu seinen Beweggründen für den Vorstoss. Dabei geht seine Kritik aber nicht nur in Richtung Tierpark – sondern auch an die Gesellschaft mit ihren widersprüchlichen Reaktionen.

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Der Berner Stadtrat Tobias Sennhauser (TIF) setzt sich gegen die Tötung überzähliger Zootiere ein und stellt dem Gemeinderat eine Reihe von Fragen. - zVg

BärnerBär: Haben Sie denn Hinweise, dass im Tierpark Bern unverhältnismässig viele überzählige Tiere anfallen beziehungsweise gezielt zur Verfütterung gezüchtet werden?

Tobias Sennhauser: Nein. Mit unserem Vorstoss fordern wir Transparenz, damit die Bevölkerung über die Tötung überzähliger Tiere informiert wird. Es darf nicht sein, dass solche Tötungen ohne das Wissen der Bevölkerung stattfinden.

BärnerBär: Im Vorstoss ist von Tieren allgemein die Rede. Nun fressen Wölfe Kaninchen, die Papageitaucher Heringe, der Uhu Küken und das Pantherchamäleon lebende Kakerlaken. Machen Sie bei dieser Thematik einen Unterschied, ob Säugetiere, Fische, Vögel oder Insekten verfüttert werden?

Sennhauser: Aus ethischer Sicht haben für uns alle Tiere den gleichen Wert. Bei Insekten gilt «in dubio pro animali», im Zweifel für das Tier.

Tiere sind empfindungsfähige Lebewesen mit inhärentem Wert. Die unterschiedliche gesellschaftliche Bewertung ist kulturell geprägt und ethisch widersprüchlich.

BärnerBär: Was sagen Sie zum Argument, die Verfütterung von frisch geschlachteten, ganzen Tieren diene der artgerechten Haltung der Raubtiere (Karnivoren)? Streng genommen müsste man wohl sagen: Noch artgerechter wäre die Fütterung mit noch lebenden Tieren…

Sennhauser: Die Gefangenschaft von Wildtieren ist grundsätzlich nicht artgerecht, insbesondere bei Karnivoren mit grossen natürlichen Territorien. Das Argument dient primär dazu, Gefangenschaft und Tötung zu legitimieren. Ein Zoo sollte Tiere schützen, statt gesunde und teils bedrohte Tiere zu töten.

Kindergeburtstag Eisfuchs Fütterung Dählhölzli
Fütterung der Raubtiere am Kindergeburtstag: Wenn die Eltern rechtzeitig buchen, darf man im Dählhölzli «ein tierisches Abenteuer» erleben und dem Eisfuchs einen Happen servieren. - Instagram/@tierparkbern

BärnerBär: Was ist Ihre Interpretation: Warum reagiert die breite Bevölkerung anders auf Schlachtung und Verfütterung von Zootieren als auf die Konsumation von «Lammnierstück» oder Kalbsbratwurst?

Sennhauser: Der Unterschied liegt in der Beziehung und Sichtbarkeit. Zootiere sind individualisiert und Teil einer öffentlichen Erzählung.

Schweine oder Hühner hingegen bleiben anonym, ihr gewaltsamer Tod passiert im Verborgenen und ist kulturell normalisiert. Diese unterschiedliche Reaktion ist moralisch widersprüchlich.

Stellungnahme Tierpark Bern

Der BärnerBär hat den Tierpark Bern um eine erste Stellungnahme und Erläuterungen zum Umgang mit überzähligen Tieren gebeten. Die ausführlichen Antworten werden hier morgen publiziert.

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