Wie Russlands Angriff mit Desinformation Wahlen gefährdet
Gefälschte Videos, kopierte Medienlogos: Russlands Angriff auf Deutschlands Wahlen nimmt zu – ein Forscher fordert mehr Tempo.

Deutsche Sicherheitsbehörden schlagen Alarm vor den Landtagswahlen im September.
Wie der «Nordkurier» berichtet, werden gezielte Videos verbreitet, die Politikerinnen und Politiker diskreditieren sollen.
Betroffen seien dabei alle Parteien ausser der AfD und dem BSW, heisst es aus Sicherheitskreisen.
Der Angriff hat einen Namen: «Matrjoschka»
Der Angriff mit Desinformation nutzt Logos bekannter Sender, um täuschend echte Inhalte zu erzeugen, berichtet «Der Westen». Dazu zählen unter anderem ARD, ZDF oder BBC.
Wie «ZDFheute» berichtet, nehmen die Fälschungen seit Juni 2026 auch weniger bekannte Landespolitiker ins Visier.
Konkret wird etwa dem Linken-Kandidaten Eric Stehr ein Mord angehängt – ein vollständig erfundener Vorwurf. Stehr sagte gegenüber dem ZDF, die Vorwürfe seien «so absurd».
Ziel ist Misstrauen, nicht eine einzelne Lüge
Dr. Mikhail Polianskii vom Leibniz-Institut PRIF erklärt gegenüber dem «Westen», wie die Strategie funktioniert.
Polianskii erklärt, Ziel sei nicht, dass Menschen einer einzelnen Lüge glaubten. Vielmehr solle Misstrauen gegen alle Medien gesät und die Botschaft vermittelt werden, es gebe ohnehin keine Wahrheit.
Der Forscher nennt die Methode «Firehose of Falsehood»: eine Flut widersprüchlicher Behauptungen über viele Kanäle gleichzeitig. Nicht Überzeugung, sondern Verwirrung sei das Ziel.
Spaltung als Strategie
Der russische Angriff mit Desinformation greife dabei bestehende gesellschaftliche Risse auf, so Polianskii.
«Ziel ist Spaltung bis zur Atomisierung der Gesellschaft und die Untergrabung der Ukraine-Unterstützung», erklärt der Forscher gegenüber dem «Westen».

Der «Nordkurier» berichtet, die Behörden sähen dahinter ein ganzes Ökosystem der Desinformation, das sich durch künstliche Intelligenz stetig weiterentwickle.
Bundesregierung reagiert zu langsam
Julia Smirnova vom Institut Cemas betont gegenüber «ZDFheute», Russland versuche mit solchen Kampagnen gezielt, Verunsicherung zu stiften. Zudem sollten Kandidatinnen und Kandidaten demokratischer Parteien diskreditiert werden, so die Expertin.
Polianskii fordert vom «Westen» zufolge mehr Tempo von der Bundesregierung. Kampagnen müssten früher öffentlich zugeordnet werden – nicht erst fast ein Jahr nach ihrem Einsatz.
Der Forscher setzt langfristig auf sogenanntes Prebunking: kurze Aufklärungsvideos, die Menschen schon vor dem Start einer Kampagne über typische Manipulationsmuster informieren. Solche «Inokulationsvideos» könnten laut Polianskii nachweislich bis zu fünf Monate lang wirken.











