Weniger Flüchtlinge weltweit – UNHCR sieht aber Risiken
Erstmals seit mehr als zehn Jahren ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit gesunken. Dies berichtete der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge Barham Salih am Donnerstag bei der Präsentation des jährlichen UNHCR-Berichts «Global Trends».

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) meldete für das vergangene Jahr 41,6 Millionen Menschen, die vor Gewalt und Konflikten aus ihrer Heimat geflohen waren, drei Prozent weniger als im Jahr davor.
«Dieser kleine Rückgang ist eine gute Nachricht», sagte der neue UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih. Er ergänzte jedoch ein «Aber». Zwar seien nur einmal in den vergangenen 60 Jahren mehr Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt als 2025, aber das sei in weiten Teilen nicht freiwillig geschehen.
Wenn Menschen zur Rückkehr in ein Land gezwungen würden, das nicht sicher ist und wo sie kein Auskommen finden, könne das schnell die nächste Fluchtwelle auslösen, sagte Salih.
Unter anderem hätten Pakistan und der Iran 2025 Millionen Afghanen, die teils seit Jahren im Land lebten, zur Heimkehr gezwungen. 5,4 Millionen Menschen flohen laut dem UNHCR-Bericht 2025 wegen Konflikten und Verfolgung neu ins Ausland. Rund Zweidrittel lebten nahe ihrer Heimat, oft in Ländern, in denen es vielen Einwohnern selbst am Nötigsten fehlt.
Laut UNHCR ist Deutschland das Land mit den meisten Flüchtlingen, hinter Kolumbien und vor der Türkei. In Kolumbien lebten 2,8 Millionen Flüchtlinge, in Deutschland 2,7 Millionen und in der Türkei 2,4 Millionen.
Rund 70 Prozent der Flüchtlinge leben dem Bericht zufolge seit mehr als fünf Jahren im Exil und haben nach Angaben des UNHCR wenig Aussicht auf eine Lösung der Probleme, die sie in die Flucht getrieben haben. Salih will erreichen, dass diese Zahl bis 2035 auf die Hälfte reduziert wird.
Oberstes Ziel sei Frieden in ihrer Heimat, sagte er. Plan B müsse aber sein, dass Flüchtlinge mehr Bildungschancen erhielten, um ein neues Leben aufzubauen. Flüchtlinge bräuchten mehr Integrationschancen. «Inklusion ist keine Bürde, sondern ein Gewinn», sagte Salih. Sie trügen dann zur Wirtschaft und dem Sozialsystem im Gastland bei.
Verwirrend ist zunächst der Vergleich mit früheren UNHCR-Zahlen. Bislang wurde die Gesamtzahl der Vertriebenen in den Mittelpunkt gestellt, einschliesslich der Menschen, deren Asylanträge noch in Bearbeitung sind und solcher, die fliehen mussten, aber im eigenen Land geblieben sind. Das waren Ende 2024 nach revidierten Zahlen 123,2 Millionen.
Die Vergleichszahl Ende 2025 gibt das UNHCR mit 117,8 Millionen an. Das entspricht einem Rückgang von gut vier Prozent.
Dieses Jahr fokussiert das UNHCR auf die Zahl der Flüchtlinge, ohne Binnenvertriebene und ohne Asylsuchende.














