Vucic sieht Europa am Rande eines weit grösseren Krieges
Serbiens Präsident Vucic empfing Selenskyj mit militärischen Ehren in Belgrad und warnte danach vor einer gefährlichen Eskalation weit über die Ukraine hinaus.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic empfing den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 8. August mit militärischen Ehren in Belgrad. Es war Selenskyjs erster offizieller Staatsbesuch in Serbien seit seiner Wahl 2019, wie die «Berliner Zeitung» berichtet.
Beide Präsidenten unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit. Zudem kündigte Vucic ein Freihandelsabkommen an, das für beide Länder von «höchster Bedeutung» sei.
Serbien sicherte der Ukraine ausserdem humanitäre Hilfe zu, insbesondere in den Bereichen Medizin und Energie. Selenskyj dankte dafür ausdrücklich: «Wir sind dankbar, dass es ein neues Paket humanitärer Unterstützung aus Serbien für die Ukraine geben wird.»
Vucic bekennt sich zur territorialen Integrität
Der serbische Präsident bekräftigte in Belgrad, Serbien unterstütze die territoriale Unversehrtheit der Ukraine vorbehaltlos. «In dieser Frage gibt es keinerlei ‹Aber›», sagte er laut der «Berliner Zeitung».
Militärische Unterstützung schloss er jedoch ausdrücklich aus, wie «T-Online» berichtet. Er verneinte auch Pläne für eine gemeinsame Drohnenproduktion mit der Ukraine.
Serbien bleibt ausserdem eines der wenigen europäischen Länder, das sich den EU-Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen hat. Noch kurz vor dem Treffen bekräftigte Vucic, dass Belgrad keine schärferen Strafmassnahmen gegen Moskau verhängen werde.
Kritik aus Moskau, Distanz zu Putin
Der Empfang Selenskyjs in Serbien stiess in Russland auf scharfe Kritik, wie «T-Online» festhält. Russische Propagandisten warfen Vucic vor, die Partnerschaft mit Moskau zu verraten.
Der serbische Präsident wies diese Vorwürfe zurück und betonte Serbiens Unabhängigkeit. «Ich bin nicht hier, um es den Russen, Ukrainern oder irgendjemand anderem recht zu machen – ausser den Serben.»
Er gab zudem an, Putin vor Selenskyjs Besuch nicht informiert zu haben. Seine Beziehung zum russischen Präsidenten sei zuletzt spürbar abgekühlt, so der serbische Präsident laut «news.de».
Kein Kriegsende in Sicht
Die schwerste Warnung lieferte Vucic nach dem Treffen in einem Podcast von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. «Ich glaube, dass wir am Anfang eines grösseren Krieges stehen», sagte er demnach, wie die «Berliner Zeitung» zitiert.
Er sehe kein Kriegsende in diesem Jahr und auch keines vor dem kommenden Frühjahr. Eine Seite müsse erst auf irgendeine Weise siegreich sein, bevor der Krieg enden könne, so Vucic laut «T-Online».

Als zentrales Hindernis für Frieden nannte Vucic die fehlende Bereitschaft zu Kompromissen auf beiden Seiten. «Jeder will die Niederlage der anderen Seite sehen», sagte er.
Vucic plädiert für Kompromisslösung
Statt auf einen militärischen Sieg zu setzen, fordert der serbische Präsident Verhandlungen und einen Waffenstillstand.
«Wir brauchen eine Kompromisslösung, nicht die Niederlage irgendeiner Seite», sagte er laut «news.de».
Er warnte zugleich vor einem Kurs, der auf eine vollständige Niederlage Russlands ziele. Russland sei eine Atommacht und könne nicht ohne Weiteres militärisch besiegt werden, so der serbische Präsident.












