Kriegsverbrecher Mladic in Belgrad feierlich beigesetzt

    Esada Kunic
    Esada Kunic

    Serbien,

    Mit militärischen Ehren wurde Kriegsverbrecher Ratko Mladic in Belgrad beigesetzt. Die EU verurteilte die Feier als Verherrlichung scharf.

    Kriegsverbrecher
    Serbien verabschiedete Kriegsverbrecher Mladic mit staatlichen Ehren. - keystone

    Tausende Menschen strömten am Montag zur Belgrader Kirche St. Luka, wie der «ORF» berichtet. Viele Trauernde küssten den Sarg von Kriegsverbrecher Mladic, der mit Medaillen und Offizierskappe geschmückt war.

    Orthodoxe Priester sprachen Gebete, während serbische Regierungsminister im Trauerzug teilnahmen. Auch der russische Botschafter in Serbien war bei der Zeremonie anwesend, berichten die «Oberösterreichischen Nachrichten».

    Sollte die EU Serbiens Beitrittsverhandlungen wegen der Ehrung von Kriegsverbrecher Mladic stoppen?

    Präsident Aleksandar Vucic sagte, die Serben würden seit Jahrzehnten verfolgt und schikaniert, und die Menschen hätten davon genug. Er bezeichnete die Feier als «emotionalen Ausbruch», auf den die Regierung keinen Einfluss habe, berichtet «L'essentiel».

    Staatsbegräbnis de facto für Kriegsverbrecher

    Der Politikwissenschaftler Vedran Dzihic vom Österreichischen Institut für Internationale Politik sagte laut «ORF»: «De facto ist es ein Staatsbegräbnis.» Er ortete bei älteren Serben ein geschichtsrevisionistisches Bild von Mladic.

    Dzihic mahnte zudem, dass die serbische Regierung alles dafür tue, Mladic als Helden erscheinen zu lassen. «Leider ist aber dieses nationalistische, revisionistische Serbien derzeit stärker», so der Experte im Ö1-Mittagsjournal, berichtet der «ORF».

    Bosniens Aussenminister Elmedin Konakovic äusserte sich im Interview mit den «Oberösterreichischen Nachrichten» und sagte: «Wenn Kriegsverbrecher und ihre Verbrechen gefeiert werden, ist das höchst verstörend und frustrierend.»

    EU reagiert mit scharfer Kritik

    Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte aus Protest einen geplanten Serbien-Besuch ab, wie die «Zeit» meldet. Ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes verurteilte die «Verherrlichung von Kriegsverbrechern» und die Leugnung von Völkermord.

    SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder bezeichnete es laut «ORF» als beschämend, dass Serbien Mladics Tod mit staatlichen Ehren begleite. «Serbien ist EU-Beitrittskandidat. Wer Teil unserer Europäischen Union werden will, muss bereit sein, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen», so Schieder.

    Kriegsverbrecher
    Mit Militärzeremonie und Tausenden Trauernden wurde Kriegsverbrecher Mladic in Belgrad zu Grabe getragen. - keystone

    Mladic war am 27. August im Gefängnis des ehemaligen Jugoslawientribunals in Den Haag verstorben. Er wurde wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt, berichtet die «Zeit».

    Der «Schlächter von Bosnien»

    Sein Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden. Unter seinem Kommando wurden dort rund 8000 muslimische Männer und Buben ermordet, wie der «ORF» festhält.

    Weil Kriegsverbrecher Mladic den Genozid angeordnet und überwacht hatte, wurde er weltweit als «Schlächter von Bosnien» bekannt. Milorad Dodik und weitere hochrangige Politiker aus der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska nahmen ebenfalls an der Beisetzung teil.

    Bosniens Aussenminister Konakovic sagte dazu den «Oberösterreichischen Nachrichten»: «Darauf warten wir seit 30 Jahren» – gemeint ist ein klares Bekenntnis Serbiens gegen die Verbrechen des Kriegsverbrechers.

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