Südkorea protestiert gegen Kriegsparole an russischer Botschaft
Die russische Botschaft in Seoul hat im Vorfeld des vierten Jahrestags des Ukraine-Krieges an ihrer Fassade ein Banner mit der umstrittenen Parole «Der Sieg wird unser sein» aufgehängt – und damit den Unmut der südkoreanischen Regierung auf sich gezogen. Das südkoreanische Aussenministerium machte Bedenken gegenüber der Botschaft geltend und forderte sie dazu auf, den riesigen Schriftzug zu entfernen, wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag berichtete. Am Montagnachmittag (Ortszeit) hing das Banner aber nach wie vor gut sichtbar an der Aussenwand der Landesvertretung.

Die Losung «Der Sieg wird unser sein» ist im öffentlichen Leben in Russland allgegenwärtig – besonders auch zum traditionell gross gefeierten und arbeitsfreien Tag des Vaterlandverteidigers am 23. Februar. An diesem Dienstag jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zum vierten Mal.
Der für Russland höchst bedeutsame Slogan wurde am 22. Juni 1941 von Moskau ausgerufen – zu Beginn des Grossen Vaterländischen Krieges, als Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkriegs die Sowjetunion überfiel. Die Parole wird auch heute als russischer Schlachtruf im Krieg gegen die Ukraine genutzt.
Die russische Botschaft teilte bei Telegram mit, dass der Slogan nach dem Feiertag entfernt werde. «Der geflügelte Ausdruck auf dem Banner ist allen Russen bekannt und steht in Verbindung mit unserer Geschichte, darunter mit der Mobilisierung des sowjetischen Volkes für den Sieg über Nazi-Deutschland und anderen ruhmreichen Kapiteln der russischen Geschichte», erklärte die Botschaft. «Wir gehen davon aus, dass die Anbringung dieses Banners zur patriotischen Konsolidierung der Russen beiträgt und aufgrund der genannten historischen Konnotation niemanden beleidigen sollte.»
Wie viele andere Staaten betrachtet auch Südkorea den Angriffskrieg Russlands gegen das Nachbarland als völkerrechtswidrig und trägt in Teilen internationale Sanktionen gegen Moskau mit. Insbesondere die militärische Kooperation zwischen Russland und Nordkorea hat in Südkorea grosse Besorgnis über die eigene nationale Sicherheit ausgelöst.
Laut Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes NIS hat Nordkorea nicht nur im grossen Stil Artillerie und Munition an Russland geliefert, sondern auch rund 15.000 Soldaten zur Unterstützung der russischen Armee gegen die ukrainischen Verteidiger entsandt. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea im Gegenzug wirtschaftliche Unterstützung sowie Militärausrüstung aus Russland erhält.
Südkorea und Nordkorea befinden sich formell nach wie vor im Kriegszustand, nachdem der Koreakrieg (1950-53) lediglich mit einem Waffenstillstand endete. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht unterzeichnet.










