Stromversorgung in Berlin wieder angelaufen

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Deutschland,

Nach dem tagelangen grossflächigen Stromausfall in Berlin ist die Energieversorgung für das betroffene Gebiet im Südwesten der deutschen Hauptstadt wieder angelaufen.

Blick auf das Heizkraftwerk Lichterfelde am Teltow Kanal. Vier Tage nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten sollen nun alle betroffenen Haushalte wieder mit Energie versorg...
Blick auf das Heizkraftwerk Lichterfelde am Teltow Kanal. Vier Tage nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten sollen nun alle betroffenen Haushalte wieder mit Energie versorg... - Keystone/dpa/Britta Pedersen

Schrittweise sollten in den nächsten Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher der Stromnetzgesellschaft des Bundeslandes, Stromnetz Berlin, mit. Bereits in der Nacht konnte die entscheidende provisorische Kabelverbindung wieder hergestellt und positiv getestet werden, wie es hiess.

«Bevor der Strom jedoch für alle wieder da ist, wird es für einige der bereits wiederversorgten Kunden im ursprünglich betroffenen Gebiet zu einer circa 15 Minuten langen Stromunterbrechung kommen», teilte der Betreiber weiter mit. «Ähnlich wie bei einem Wechsel eines Steckers zu einer anderen Steckdose wird so die Wiederversorgung über die provisorische Leitung am Teltowkanal sichergestellt.»

Im Verlauf des Vormittags wurden kritische Einrichtungen wie Kliniken und Pflegedienste informiert, dass der Strom bald wieder fliessen könne. Per Warnsystem wurden auch die Verbraucherinnen und Verbraucher aufgefordert, Notstromaggregate vom Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden.

Im Laufe des Tages sollte die Versorgung in sämtlichen Haushalten aber stabil laufen. Die Behörden riefen die Menschen auf, unmittelbar nach der Zuschaltung zum Stromnetz keine Geräte mit starkem Stromverbrauch zu benutzen. Genannt wurden beispielsweise Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter oder Ladestationen für E-Fahrzeuge.

Der Stromausfall infolge eines Anschlags auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf war dem Betreiber zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der deutschen Hauptstadt. Seit Samstagmorgen waren 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe ohne Strom. Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. Berlin hatte am Sonntag eine sogenannte Grossschadenslage ausgerufen.

Nach und nach kamen bereits in den vergangenen Tagen immer mehr Haushalte wieder ans Netz. Um die Gesamtversorgung möglichst rasch wieder herzustellen, arbeitete die Stromnetz-Gesellschaft an einer provisorischen Lösung: Zwei Leitungen mit besonders grosser Transportkapazität wurden am Umspannwerk Dahlem miteinander verbunden. Die Arbeiten gestalteten sich kompliziert, zum einen wegen der niedrigen Temperaturen und zum anderen aufgrund der unterschiedlichen Materialien der beiden Kabel.

Zu dem Anschlag hatte sich eine linksextremistische Gruppierung bekannt. Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr umfangreicher Tatortarbeit.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, Deutschlands oberste Anklagebehörde, hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Aus ihrer Sicht besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.

In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen «Vulkangruppen», die seit 2011 vor allem in Berlin und dem angrenzenden Bundesland Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen, die Tat für sich reklamiert.

In Berlin und Brandenburg sind nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden seit 2011 insgesamt zwölf Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur begangen worden, nach denen anonyme Autoren, die sich selbst als «Vulkangruppen» bezeichneten, Bekennerschreiben veröffentlichten.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht nach aktuellem Erkenntnisstand beim jüngsten Brandanschlag von einer authentischen Taterklärung der «Vulkangruppe – Den Herrschenden den Saft abdrehen» und einem linksextremistisch motivierten Anschlag aus.

«Es muss angenommen werden, dass hinter den «Vulkangruppen» nicht ein einzelner Personenzusammenschluss steht«, teilte das Bundesamt auf Anfrage mit. Vielmehr dürfte es sich um mehrere Gruppen handeln, die nach Art eines Franchise den Namen «Vulkangruppe» nutzen. Ideologisch seien die «Vulkangruppen» der militant-anarchistischen Strömung zuzuordnen.

Berlins Innenverwaltung hatte das Bekennerschreiben am Sonntag als authentisch eingestuft. Die sozialdemokratische Innensenatorin Iris Spranger sprach – wie zuvor der christdemokratische Bürgermeister Wegner – von «Linksterrorismus». Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen.

Kommentare

User #5617 (nicht angemeldet)

Welch Leistung. Ein paar Kabel defekt und schon sind ganze Stadtteile fast eine Woche ohne Strom. Wo liegt Berlin? Im Wallis?

Luxy-1

Und bis heute hat kein Politiker ein Wort Darüber verloren, wie die betroffenen Opfer da durchkommen sollten. Merz hat sich nicht mal blicken lassen, um die Tat seiner Fans zu verurteilen.

Weiterlesen

Crans-Montana
«Respekt für Opfer»
crans
Crans-Montana

MEHR AUS DEUTSCHLAND

Albstadt
Explosion Wohnhaus
Albstadt DE
Schlittschuh Eis
1 Interaktionen
Warnung
Anne Wünsche
15 Interaktionen
Neuanfang