Energie

    Streit um Energie: Slowakei erhöht Druck auf Ukraine

    Nach Ungarn erhöht nun auch die Slowakei den Druck auf die Ukraine, russische Öllieferungen über die Druschba-Pipeline wieder zu ermöglichen. Wenn der Öltransit an die Slowakei am Montag nicht wieder aufgenommen werde, werde er den staatlichen Netzbetreiber SEPS auffordern, die Notstromlieferungen an die Ukraine einzustellen, sagte Regierungschef Robert Fico laut Regierungsmitteilung, wie die Nachrichtenagentur CTK meldete.

    ARCHIV - Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico spricht während einer Medienkonferenz in der slowakischen Vertretung in Brüssel. Foto: Virginia Mayo/AP/dpa
    ARCHIV - Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico spricht während einer Medienkonferenz in der slowakischen Vertretung in Brüssel. Foto: Virginia Mayo/AP/dpa - Keystone/AP/Virginia Mayo

    Über die Druschba-Pipeline wird Öl aus Russland über die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei geliefert. Sie ist nach ukrainischen Angaben durch russische Bombardierungen seit Ende Januar unterbrochen. Ungarn und die Slowakei beschuldigen die ukrainische Führung, die Wiederaufnahme der Lieferungen absichtlich zu verhindern.

    Die Ölversorgung beider Länder ist weitestgehend von der Pipeline abhängig. Aus ukrainischer Sicht trägt der Kauf von Gas und Öl aus Russland durch die zwei EU-Länder zur Finanzierung des russischen Angriffskriegs bei.

    Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte bereits vor ein paar Tagen angedeutet, dass sein Land die Stromversorgung der benachbarten Ukraine behindern könnte, falls Kiew weiter Ungarns Belieferung beeinträchtige. Aussenminister Peter Szijjarto kündigte am Freitag zudem an, sein Land werde das 90-Milliarden-Euro-Darlehen der EU für die Ukraine blockieren, bis der Öltransit nach Ungarn über die Druschba-Pipeline wieder aufgenommen wird.

    Orban hat die Ansicht geäussert, die Ukraine sei daran interessiert, dass er die am 12. April geplante Parlamentswahl verliere. Deswegen wolle Kiew mit der Blockade der Druschba-Pipeline dafür sorgen, dass in Ungarn die Heizkosten steigen.

    Auch der linksnationale slowakische Regierungschef Fico hat in der Vergangenheit gesagt, die Ukraine blockiere die Öllieferungen an sein Land aus politischen Gründen. Jetzt schrieb er, die Stromlieferungen aus der Slowakei an die Ukraine seien allein im Januar doppelt so hoch gewesen wie im gesamten vergangenen Jahr. Er warf dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, sich böswillig gegenüber Bratislava zu verhalten.

    Kommentare

    User #1778 (nicht angemeldet)

    Nein, Fico und Orban wissen erst seit letzter Woche, dass die Öllieferungen von Putin eingestellt werden. Schliesslich gibt es den Krieg und die Sanktionen schon seit über vier Jahren. Es ist ja nicht so, dass Fico und Orban von anderen Länder Öl kaufen könnten. Sie wollen nur billiger einkaufen und Putin unterstützen. Orban ist ja in einigen Monaten weg.

    User #5263 (nicht angemeldet)

    Kein Gas aus Russland. Was kommt als Nächstes? Keine seltene Erden aus China? Keine Waffen aus den USA? Für mich bleibt schwer verständlich, wie man sich per Beschluss selber Ressourcenquellen abschneiden kann. Der Schritt von Ungarn und der Slowakei, die beide über keine LNG-Terminals verfügen und auf Pipelinegas angewiesen sind, ist absolut nachvollziebar. Im Artikel 194 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist klar festgelegt, dass EU-weite Massnahmen im Energiebereich nicht die Wahl eines Staates zwischen verschiedenen Energiequellen oder die allgemeine Struktur seiner Energieversorgung beeinträchtigen dürfen

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