Bringt das etwas? Mini-Kühlschränke erobern Badezimmer
Seren, Cremes und Abnehm-Medikamente landen immer öfter im Kühlen. Doch viele Produkte brauchen das gar nicht.

Das Wichtigste in Kürze
- Mini-Kühlschränke werden für Beautyprodukte und Abnehmspritzen beliebter.
- Eine Dermatologin sieht sie bei Kosmetik meist als Lifestyle-Produkt.
- Für Medikamente braucht es verlässlich 2 bis 8 Grad und Temperaturkontrolle.
Mini-Kühlschränke erobern in Grossbritannien das Badezimmer. Ein britischer Hersteller meldet laut dem «Guardian» eine Verzehnfachung der Nachfrage innert zwei Jahren.
Auf der Secondhand-Plattform Gumtree stiegen die Suchanfragen von Januar bis Juni zudem um 85 Prozent.
Gekühlt werden in den kleinen Geräten längst nicht mehr nur Getränke. Vielmehr landen darin Gesichtsseren, Cremes und moderne Abnehm-Medikamente wie Ozempic und Wegovy.
Beauty-Kühlschränke verkaufen sich häufiger
Auch in der Schweiz ziehen die Verkäufe an, wie Anfragen von Nau.ch bei Online-Händlern zeigen.
Galaxus hat dieses Jahr rund 25 Prozent mehr Mini-Kühlschränke verkauft als im gleichen Vorjahreszeitraum. Noch handle es sich allerdings um eine Nische, räumt ein Sprecher ein.
Der Grossteil der Verkäufe entfalle auf die Monate November und Dezember. «Beautykühlschränke haben sich als beliebtes Weihnachtsgeschenk etabliert», schreibt das Unternehmen.
Der Elektrohändler Fust meldet für das laufende Jahr ebenfalls einen «etwas höheren Abverkauf als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum».
Dermatologin sieht vor allem Lifestyle
Doch braucht es für die Hautpflege überhaupt einen eigenen Kühlschrank?
Dermatologin Marianne Meli hält wenig von der Idee. Sie stellt klar: «Die meisten Hautpflegeprodukte müssen nicht gekühlt werden und wirken dadurch auch nicht besser. Somit sind solche Kühlschränke für Kosmetika eher als Lifestyle-Produkt denn eine Notwendigkeit anzusehen.»

Ausnahmen gebe es dennoch. Bei empfindlichen Wirkstoffen wie Vitamin C könne eine kühle und dunkle Lagerung den Abbau verlangsamen und die Haltbarkeit verlängern.
Auch bestimmte Formen von Vitamin A und Vitamin E können laut Meli bei niedrigeren Temperaturen stabiler bleiben.
Kälte bringt nur kurzfristige Frische
Bei vielen anderen Produkten geht es dagegen vor allem um das wohltuende Gefühl. «Gekühlte Beauty-Produkte wirken kurzfristig angenehm und erfrischend», sagt Meli.
Die Kälte könne kleine Blutgefässe vorübergehend verengen und dadurch etwa Schwellungen unter den Augen etwas reduzieren.
Aber: «Eine langfristig bessere Wirkung der Inhaltsstoffe entsteht durch die Kühlung in der Regel nicht.»
Im schlechtesten Fall kann die Kühlung einem Produkt sogar zusetzen. Denn: Cremes und Lotionen bestehen häufig aus einer Mischung aus Wasser und Öl. Bei sehr tiefen Temperaturen könne diese instabil werden.
«Die Bestandteile können sich voneinander trennen, wodurch sich Konsistenz und Qualität des Produkts verändern», erklärt Meli.
Wer einen Beauty-Kühlschrank benutzt, sollte zudem auf eine möglichst konstante Temperatur und gute Hygiene achten. Meli empfiehlt etwa, Cremes aus Tiegeln mit einem Spatel statt mit den Fingern zu entnehmen.
Und: «Der Kühlschrank sollte regelmässig gereinigt und möglichst nicht parallel für Lebensmittel genutzt werden.»
Pharmasuisse warnt vor günstigen Geräten
Heikler wird es, wenn darin statt Kosmetika Medikamente aufbewahrt werden.
So gelten für verschiedene GLP-1-Präparate vor dem ersten Gebrauch Kühlvorschriften. Ozempic und Wegovy etwa müssen laut Herstellerinformationen im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad gelagert werden.
Der Schweizerische Apothekerverband Pharmasuisse warnt deshalb vor einem sorglosen Einsatz: Aus pharmazeutischer Sicht seien Beauty-Kühlschränke nur geeignet, wenn sie die Temperatur zuverlässig zwischen 2 und 8 Grad halten könnten.

Doch genau daran könne es hapern, erklärt Sprecher Gregory Nenniger: «Viele günstige Beauty-Kühlschränke verfügen jedoch weder über eine präzise Temperaturregelung noch über eine Temperaturüberwachung. Deshalb sind sie für die Lagerung temperaturempfindlicher Arzneimittel nur bedingt geeignet.»
Wer Medikamente kühlt, sollte die Temperatur deshalb mit einem separaten Kühlschrankthermometer kontrollieren.
Pharmasuisse empfiehlt zudem, Arzneimittel möglichst in der Mitte des Kühlschranks zu lagern. Also nicht in der Tür und nicht direkt an der Rückwand, wo stärkere Temperaturschwankungen auftreten können.















