Serbiens Wahl wird für Putin zum nächsten Rückschlag
Serbiens Studentenliste gewinnt die Parlamentswahl, Vučić räumt die Niederlage ein. Der Kreml verliert einen wichtigen Verbündeten.

Serbiens Parlamentswahl vom Sonntag führt nach Angaben des «ORF» zu einem Machtwechsel, die Studentenliste gewann offenbar die absolute Mehrheit. Laut dem Zentrum CeSID kam die Studentenliste auf 52,9 Prozent, das Bündnis von Vučić auf 38,8 Prozent.
Vučić, der im September als Staatschef zurückgetreten war, sprach von 135 bis 140 Mandaten für die Studentenliste im 250-köpfigen Parlament. Laut Sein Bündnis kommt nach Vučićs Angaben auf 110 Sitze und wird zur Opposition.
Vučić räumte die Niederlage am Sonntagabend persönlich vor seinem Wahlkampfstab in Belgrad ein, wie «T-Online» berichtet. Anhand erster Ergebnisse sei es «klar, dass wir diese Wahlen verloren haben», sagte Vučić vor seinen Anhängern.
Studentenliste wächst aus Protestbewegung
Die Studentenliste entstand laut «T-Online» im November 2024 aus Protesten nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad. Bei dem Unglück starben 16 Menschen, Kritiker sehen die Ursache in Korruption unter Vučićs Regierung.
Die Kandidaten der Liste sind selten Studierende, sondern meist Hochschullehrer, Ärzte oder Künstler. Angeführt wird sie vom Kardiologen Ilija Srdanović aus Novi Sad, ihr Elf-Punkte-Programm verspricht Rechtsstaat und Korruptionsbekämpfung.
Die EU-Spitze um Ursula von der Leyen und António Costa stellte der Studentenliste eine enge Zusammenarbeit in Aussicht. Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte: «Die Tür zur EU steht offen, und wir sind bereit, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen.»
Serbiens Kurs zwischen Russland und EU
Ein Kommentar von «T-Online» nennt Vučićs Niederlage einen Rückschlag für Putin, weil Serbiens Regierung den Sanktionen gegen Moskau nicht folgte. Laut dem Kommentar wollen 75 Prozent der Studentenlisten-Wähler engere Beziehungen zur EU als zu Russland, so das Zentrum für Oststudien.

Serbiens Studierendenbewegung muss sich laut Kommentator Vedran Džihić rasch von den Gefolgsleuten des bisherigen Regimes trennen, schreibt «Der Standard». Ausserdem müsse die Bewegung ihre eigenen Positionen klären, nicht zuletzt gegenüber Russland und der Europäischen Union.
Wer Serbiens neue Regierung führen soll, ist laut dem «ORF» auch nach der Abstimmung weiterhin offen. Die Wahlbeteiligung erreichte dem Bericht zufolge ein Rekordniveau, insgesamt traten bei der Abstimmung 18 verschiedene Listen an.












