Polen: Heldenkult um Nationalistenführer schadet der Ukraine
Polen hat die Ukraine vor den Folgen der Verehrung umstrittener Nationalistenführer in einer in Kiew geplanten Helden-Gedenkstätte gewarnt.

Ein Rückgriff auf solche historischen Persönlichkeiten sei nicht nur aus polnischer Sicht bedauerlich, sondern auch aus der Perspektive der Ukraine «kurzsichtige Politik», sagte Marcin Przydacz, aussenpolitischer Berater von Polens Staatsoberhaupt Karol Nawrocki. Sie könne die Aufnahme des Landes in euro-atlantische Strukturen erschweren.
Am Wochenende war bekanntgeworden, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das Gesetz zur Einrichtung der nationalen Helden-Gedenkstätte unterschrieben hatte. In dem sogenannten Pantheon sollen künftig auch Angehörige der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) geehrt werden.
Die nationalistischen Untergrundkämpfer waren für Massenmorde an Polen und Juden vor allem in Wolhynien in der heutigen Westukraine während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg mit Zehntausenden Opfern verantwortlich.
In der vergangenen Woche wurden die Gebeine des 1938 ermordeten umstrittenen ukrainischen Nationalistenführers Jewhen Konowalez in die Ukraine überführt und mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt. Konowalez führte ab 1929 die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die sich am Faschismus in Italien und dem Nationalsozialismus in Deutschland orientierte. Aus der OUN ging später die UPA als militärischer Arm hervor.
Die OUN war für terroristische Anschläge wie die Ermordung des polnischen Innenministers 1934 verantwortlich. Vor der Umbettung von Konowalez waren bereits die sterblichen Überreste seines Nachfolgers bei der OUN, Andrij Melnyk, in die Ukraine überführt worden.
«Ein gesunder Nationalismus ist manchmal akzeptabel, aber wir sprechen hier von Chauvinismus, einer Ideologie, die dem Nationalsozialismus nahekommt», sagte der polnische Präsidentenberater Przydacz.
Bereits im Juni hatte es ein Zerwürfnis zwischen der Ukraine und Polen gegeben, nachdem Selenskyj einer militärischen Einheit den Ehrentitel «Helden der UPA» verliehen hatte. In der Folge nahm Warschau die Verleihung des Ordens des «Weissen Adlers» an Selenskyj zurück. Mehrere ukrainische und polnische Politiker gaben zudem Ehrungen aus dem Nachbarland zurück.










