Moretti: Gewaltvorwurf kann Wendepunkt bei Ermittlungen werden
Jacques Moretti sitzt wegen Gewaltverdachts in U-Haft. Das könnte nun zum Wendepunkt bei den Ermittlungen zum Constellation-Brand werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Jacques und Jessica Moretti sagten zum Bar-Brand bisher übereinstimmend aus.
- Nach dem Gewaltvorwurf könnten sie sich gegenseitig belasten.
- Zudem könnte die Justiz bei Jacques Moretti erhöhte Fluchtgefahr sehen.
Jacques Moretti sitzt seit rund zwei Wochen erneut in Untersuchungshaft. Mit der Brandkatastrophe im «Le Constellation» in der Silvesternacht hat die Inhaftierung direkt nichts zu tun.
Der Bar-Betreiber soll seine Ehefrau Jessica körperlich angegriffen haben. Sie musste danach ins Spital gebracht werden. Nau.ch berichtete.
Die neuen Vorwürfe könnten dennoch weitreichende Folgen für das Strafverfahren rund um den Constellation-Brand haben.
Wenden sich die Morettis gegeneinander?
Denn: Bislang traten Jacques und Jessica Moretti gegenüber den Ermittlern mit einer gemeinsamen Linie auf. Ihre Aussagen zum Brand stimmten überein.
Das zeigte sich laut dem Westschweizer Radio und Fernsehen RTS auch bei der Gegenüberstellung vom 5. Juni. Damals wurden die beiden gleichzeitig von den zuständigen Staatsanwälten befragt.
Doch nach dem mutmasslichen Angriff könnte diese gemeinsame Verteidigungslinie zerbrechen.
Mehrere mit dem Fall vertraute Personen halten es laut RTS für möglich, dass sich die Eheleute bei den nächsten Einvernahmen gegenseitig belasten. Jessica Moretti könnte also gegen ihren Mann aussagen – oder Jacques Moretti gegen seine Frau.
Für November und Dezember sind zwei weitere Gegenüberstellungen geplant.
Moretti könnte länger in Haft bleiben
Auch für die Untersuchungshaft von Jacques Moretti könnte die Entwicklung Folgen haben.
Bereits zu Beginn des Jahres sass der Franzose während zweier Wochen in Haft. Damals sah die Justiz Fluchtgefahr. Nach seiner Freilassung musste sich Moretti regelmässig bei der Polizei melden.
Laut mehreren von RTS befragten Anwälten könnte die Fluchtgefahr inzwischen als grösser eingestuft werden. Moretti arbeitet nicht mehr, seine Konten sind gesperrt. Und nun steckt offenbar auch seine Ehe in einer schweren Krise.
Die Staatsanwälte könnten deshalb beantragen, ihn über das Verfahren wegen mutmasslicher häuslicher Gewalt hinaus in Haft zu behalten. Darüber müsste das Zwangsmassnahmengericht entscheiden.
Anwälte sprechen von separatem Verfahren
Der mutmassliche Angriff soll sich in der Nacht vom 11. auf den 12. August ereignet haben.
Die Anwälte des Ehepaars Moretti betonen in einer gemeinsamen Mitteilung, dass die Vorwürfe in einem separaten Verfahren untersucht würden. Sie beträfen ausschliesslich das Privatleben des Ehepaars.
Die Ereignisse dürften nicht mit der Constellation-Katastrophe vermischt werden. Gleichzeitig verweisen die Anwälte auf die aussergewöhnliche Belastung, der das Ehepaar seit dem 1. Januar ausgesetzt sei.
Rechtlich getrennt sind die beiden Fälle zwar. Dennoch könnte der neue Gewaltvorwurf die Ermittlungen zum Brand entscheidend beeinflussen.
Für Jacques Moretti gilt die Unschuldsvermutung.



















