Papst warnt vor Zukunftsangst
Papst Leo XIV. hat an Europas Jugend appelliert, sich durch Krisen und Konflikte in der heutigen Welt nicht entmutigen zu lassen. «Habt keine Angst vor der Zukunft!», mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche am letzten Tag eines Frankreich-Besuchs in Metz.

In einer Grundsatzrede zu Europa beklagte er aber auch selbst, dass sich der Umgangston zwischen Staaten weltweit und auch Menschen untereinander verschlechtert habe.
«Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer», sagte der Papst. «Das gegebene Wort wird missachtet. Stattdessen rühmt man sich der Lüge und der Täuschung.» Leo nannte keine Politiker oder Länder bei Namen. Bekannt ist aber beispielsweise, dass den ersten Papst aus den USA mit US-Präsident Donald Trump eine schwierige Beziehung verbindet.
Im Beisein von Frankreich Staatschef Emmanuel Macron appellierte er an Europa, dieser «Abwärtsspirale» mit eigenen Anstrengungen ein Ende zu setzen. «Es hat in den letzten 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass es möglich ist, unterschiedliche Meinungen, Forderungen und Interessen geltend zu machen, indem man sich begegnet, anstatt sich zu bekämpfen.» Jetzt gehe es darum, zu den Wurzeln von Europas Werten zurückzufinden und um eine «kreative Wiederentdeckung».
Für Metz als letzte Station seiner Frankreich-Reise entschied sich Leo, weil dort einer der Gründerväter der Europäischen Union zu Hause war: Der französische Politiker Robert Schuman (1886-1963) legte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Aussenminister die Grundlagen für die heutige Europäische Union. Auf den ersten beiden Etappen seiner Reise in Paris und Lourdes war Leo bei Gottesdiensten unter freiem Himmel von mehr als einer Million Menschen gefeiert worden, darunter viele junge Leute.
Der Papst nutzte seinen Auftritt in Metz auch, um den Europäern wegen des Umgangs mit Flüchtlingen ins Gewissen zu reden. Er warnte vor Abschottung. Für Kriegs- und Armutsflüchtlinge müssten «ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse» gefunden werden.
«Einen Menschen aufzunehmen bedeutet, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren und ihm die Möglichkeit zu bieten, seine Talente, Fähigkeiten und seine Persönlichkeit zu entfalten.» Dazu gehöre für den Ankömmling dann aber auch, «sich in den Geist des Hauses einzufügen».
Leo ging auch darauf ein, dass Europa vielfach vorgeworfen wird, zu unentschlossen und zu langsam zu sein. «Wir dürfen niemals das Vertrauen in unsere Fähigkeit verlieren, Fortschritte zu erzielen, auch wenn die zurückgelegten Schritte manchmal klein und fast unmerklich sind.»
Den bereits seit mehr als vier Jahre andauernden Krieg in der Ukraine nannte er ein «sinnloses Gemetzel». Mit Blick auf Europas Reaktion auf den russischen Angriff warnte er davor, einer «Illusion der Wiederaufrüstung» nachzugeben. Stattdessen mahnte er mehr «kreative Anstrengungen» an, um den Weltfrieden zu fördern.
Zum Ende appellierte der Papst an die Jugend: «Unterwerft Euch nicht der Logik der Gewalt und der Unterdrückung. Liebt das Leben in jedem Augenblick und habt keine Angst vor der Zukunft!» Man dürfe auch keine Angst davor haben, eine Familie zu gründen und Kinder zur Welt zu bringen.
Präsident Macron hatte zu der Europa-Rede des Papstes auch Staats- und Regierungschefs der anderen EU-Mitgliedsstaaten eingeladen, was aber kaum auf Widerhall stiess. Am Nachmittag stand in der Kathedrale von Metz noch eine Messe auf dem Programm, an der Macron überraschenderweise teilnehmen wollte. Wegen der strikten Trennung von Kirche und Staat in Frankreich war der Präsident bei den ersten Gottesdiensten nicht dabei.
Am Abend fliegt Leo XIV. nach Rom zurück. Die nächste grössere Reise wird das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken im November für zehn Tage nach Südamerika führen. Stationen sind Uruguay, Argentinien und Peru, wo er vor seiner Wahl zum Papst viele Jahre als Missionar und Bischof tätig war. Aus dieser Zeit hat der gebürtige US-Amerikaner auch die peruanische Staatsbürgerschaft.













