Nach Xi-Treffen: Kann Trump bei Hormus-Blockade auf China hoffen?
Trump hofft auf Chinas Hilfe in der Strasse von Hormus. Doch brauchen die USA überhaupt Unterstützung? Und kann Peking Teheran beeinflussen?

Das Wichtigste in Kürze
- Bei Trumps Besuch in China wurde auch über den Iran gesprochen.
- Experten gehen davon aus, dass Peking wirtschaftlichen Einfluss auf Teheran nehmen kann.
- Indirekte Hilfe scheint möglich – wenn sie in Chinas Interesse ist.
Donald Trump bittet auf seiner China-Reise auch um Hilfe im Iran-Krieg. In einem TV-Interview betonte er, dass man sich mit China einig sei, dass die Strasse von Hormus offen bleiben müsse. Xi Jinping habe seine Hilfe angeboten.
Doch welchen Einfluss kann Peking überhaupt auf Teheran ausüben? Ist China bereit, mit dem grossen Rivalen USA zusammenzuarbeiten? Und ist Washington überhaupt auf die Hilfe aus China angewiesen? Nau.ch hat bei Experten nachgefragt.
Einig sind sich diese, dass China der wichtigste wirtschaftliche Partner des Irans ist. «China ist der zentrale Abnehmer iranischen Öls und gleichzeitig ein wichtiger Lieferant von Industriegütern.» Dies sagt Simona Grano, China-Expertin von der Universität Zürich.
US-Experte Reinhard Heinisch von der Universität Salzburg sagt: «Ohne die Unterstützung Chinas wäre der Iran kaum in der Lage, den Konflikt in seiner jetzigen Form zu führen.» So sei Teheran im Bereich der Drohnentechnologie auf Komponenten aus China angewiesen. Pekings Strategie ziele darauf, Gegner der USA dort zu stärken, wo es möglich sei, ohne eine direkte Konfrontation zu riskieren.
«Zweckbündnis» zwischen China und dem Iran
Ralph Weber von der Universität Basel spricht von einem «Zweckbündnis» zwischen China und dem Iran. Teheran sei von China wirtschaftlich abhängig. In diesem Punkt sind sich die Experten einig. Durch diese Abhängigkeit «hätte China die Möglichkeit, Druck auf den Iran auszuüben», sagt Ariane Knüsel von der Uni Fribourg.
Grano führt aus, dass China theoretisch Käufe reduzieren oder Zahlungs- und Handelsströme einschränken könnte. «Das hätte für den Iran spürbare wirtschaftliche Folgen.»

Beim politischen Einfluss Chinas auf Teheran gibt es verschiedene Ansichten: Der Iran sei zunehmend isoliert, auch im Nahen Osten. Deshalb sei das Regime politisch auf China angewiesen, analysiert Weber.
Grano hingegen bezeichnet Chinas politischen Einfluss als begrenzt, da das Land über keine direkte politische Steuerung in Teheran verfügt. «Stattdessen operiert China über wirtschaftliche Hebel.»
Experte: Eingeständnis von Schwäche ist gefährlich für Regime
Heinisch bezweifelt gar, dass Chinas Druck überhaupt einen Einfluss hat, denn: «Die iranische Führung ist in Teilen ideologisch geprägt.» Das Eingeständnis von Schwäche könne innenpolitisch existenzgefährdend sein. Somit dürfte es kaum bereit sein, ohne substantielle Sicherheitsgarantien auf seine strategischen Druckmittel zu verzichten.
Die USA sind gemäss den Experten eigentlich nicht auf Hilfe aus China angewiesen. «Aber Peking könnte durchaus Druck auf Teheran ausüben und zur Deeskalation beitragen», sagt Ariane Knüsel. «Das würde die Situation für die USA erleichtern.» Auch Grano sagt, Peking könne als «indirekter Stabilitätsfaktor» wirken und über wirtschaftliche Kanäle moderierend einwirken.
«Genügend grosses gemeinsames Interesse»
Doch hat China überhaupt ein Interesse daran, Druck auszuüben und damit den USA zu helfen?
Laut Heinisch hat China als zentraler Energieimporteur ein starkes Eigeninteresse an sicheren Handelsrouten und funktionierenden Energiemärkten. Deshalb hätten beide Seiten ein Interesse an Deeskalation und seien – trotz zunehmender Rivalität – aufeinander angewiesen.
Auch Weber sagt: «Mit Blick auf die Strasse von Hormus gibt es wohl ein genügend grosses gemeinsames amerikanisch-chinesisches Interesse. Aber darüber hinaus steht man auch dort klar auf verschiedenen Seiten.»
Er verweist auch auf die Rivalität, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten enorm zugespitzt habe. «China wird den USA grundsätzlich nicht entgegenkommen, sondern einfach sein eigenes Interesse verfolgen und zu maximieren versuchen.»
Ähnlich sieht es auch Grano: «China würde sich in der Regel nur begrenzt in Richtung der USA bewegen.» Eine offene sicherheitspolitische Unterstützung im Nahen Osten hält sie für eher unwahrscheinlich. «Möglich sind eher indirekte Stabilisierungsschritte – sofern sie mit chinesischen Interessen vereinbar sind.»
Beim Treffen in Peking ging es nicht nur um den Iran. Sondern «auch darum, in die jeweiligen nationalen Kontexte hinein je eigene Nachrichten zu senden», sagt Ralph Weber. «Trump wird so ein paar Wirtschaftsdeals mit nach Hause bringen, etwa in Sachen Öl, Sojabohnen und verkaufter Boeing-Flugzeuge.»















