Menschenrechtler schlagen Alarm wegen Haftbedingungen in Türkei
Menschenrechtler schlagen angesichts der Haftbedingungen in türkischen Gefängnissen Alarm. Berichtet werde von Gefangenen, die Betten teilen, auf dem Boden schlafen und eingeschränkten Zugang zu Toiletten, Duschen und Hygieneartikeln haben, erklärte die in Istanbul ansässige Menschenrechtsorganisation CISST. Eine extreme Überbelegung der Gefängnisse führe zu Zuständen, die grundlegende Rechte der Gefangenen verletze.

Nach offiziellen Angaben des türkischen Justizministeriums waren Anfang 2026 mehr als 402.000 Menschen in türkischen Gefängnissen inhaftiert, obwohl die Kapazitäten deutlich darunter lagen. Die 403 Gefängnisse in der Türkei bieten laut dem Ministerium Platz für etwa 305.000 Menschen. Die Überbelegung belaste auch die medizinische Versorgung erheblich und verschärfe psychische Probleme wie Angst, Aggression und Erschöpfung, so CISST.
Laut Zahlen des Europarats gehörte die Türkei 2024 zu den Mitgliedsländern mit der höchsten Inhaftierungsrate, nämlich 356 Inhaftierte pro 100.000 Einwohner. In Deutschland sind es 71 pro 100.000 Einwohner. Der Bericht nimmt ausserdem eine Unterbesetzung des Gefängnispersonals in der Türkei an. In der Regierungszeit der AK-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan habe sich die Gefängnispopulation zwischen 2005 und 2024 trotz eines kürzlichen leichten Rückgangs nahezu vervierfacht (+369 Prozent).
Im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Istanbuler Stadtverwaltung um den abgesetzten Bürgermeister Ekrem Imamoglu berichteten Medien, dass Festgenommene teils in Schichten schliefen.
Besonders problematisch sei die Situation für Frauen, Mütter mit kleinen Kindern sowie ältere und kranke Gefangene, so CISST. Im Frauengefängnis Bakirköy in Istanbul müssten Inhaftierte nach Angaben der Organisation wegen Platzmangels teilweise in Gemeinschaftsbereichen mit hohem Lärmpegel schlafen.
Das Problem der Überbelegung ist auch der Regierung bewusst. Bis 2027 etwa sollen in elf Städten neue Gefängnisse gebaut werden, wie die Zeitung «Cumhuriyet» berichtet. Kürzlich wurde zudem eine Justizreform verabschiedet, die Beobachtern zufolge auch dazu beitragen soll, Gefängnisse zu entlasten.
Von CISST hiess es, Freiheitsstrafen und Untersuchungshaft würden weiterhin in grossem Umfang angewandt, obwohl das Gesetz Alternativen vorsehe. Der Bau neuer Gefängnisse sei keine nachhaltige Lösung, sondern verfestige die bestehende Praxis.










