Die Militärjunta in Myanmar hat mehr als 600 inhaftierte Demonstranten freigelassen.
«Demonstration» von Plakaten in Yangon
«Demonstration» von Plakaten in Yangon - ANONYMOUS/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Rebellengruppe rechnet mit tausenden Flüchtlingen in Myanmar .

«Wir haben heute 360 Männer und 268 Frauen aus dem Insein-Gefängnis entlassen,» sagte ein hoher Beamter des berüchtigten Gefängnisses am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Infolge der anhaltenden Gewalt gegen Demonstranten in Myanmar rechnet eine Rebellengruppe mit rund 7000 Flüchtlingen bis Ende April allein in ihre Gebiete.

Der Anwalt Khin Maung Myint, der mehrere inhaftierte Demonstranten vertritt, sagte am Mittwoch, dass 16 Busse das Gefängnis um 10.00 Uhr (05.00 MEZ) verlassen hätten. «Einige Klienten riefen mich an, um mich über ihre Entlassung zu informieren,» sagte er. Mehrere örtliche Medien veröffentlichten Bilder von Menschen in Bussen, die drei Finger in die Luft hoben, das Symbol der Widerstandsbewegung.

Freigelassen wurde auch ein polnischer Fotojournalist, der unter anderem für die deutsche Nachrichtenagentur dpa arbeitet.«Ich bin sehr glücklich, dass ich draussen bin», sagte Robert Bociaga der Nachrichtenagentur AFP. «Aber ich bin traurig, weil ich Myanmar verlassen muss.» Der 29-Jährige wurde am 11. März im Bundesstaat Shan festgenommen, als er Bilder von einer Protestkundgebung machte. Nach eigenen Angaben muss er eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 120 Euro zahlen. Er bereitete sich am Mittwoch darauf vor, am Donnerstag aus dem Land abgeschoben zu werden.

Auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) wurde freigelassen. Der 32-jährige Thein Zaw wurde im vergangenen Monat festgenommen, als er über die Demonstrationen berichtete. «Ich bin jetzt auf dem Weg nach Hause, um meine Mutter zu sehen. Ich bin bei guter Gesundheit», sagte Zaw der AFP. Ein Polizist habe die Anklage gegen ihn zurückgezogen. «Deshalb haben sie mich bedingungslos freigelassen.»

Das Militär hatte am 1. Februar die Macht in dem südostasiatischen Land übernommen. Der Putsch beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels in dem südostasiatischen Land. Die Junta sieht sich seitdem massiven Protesten gegenüber und reagiert mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten. Bei Protesten wurden bislang mehr als 2600 Menschen festgenommen. Nach UN-Angaben wurden zudem mindestens 149 Menschen getötet, eine Menschenrechtsgruppe spricht von fast 250 Toten.

Die Rebellengruppe Karen National Union (KNU), eine der grössten bewaffneten Gruppen in Myanmar, ging derweil von einer Flüchtbewegung in von ihr kontrollierte Gebiete an der Grenze zu Thailand aus. Hunderte Menschen seien bereits dorthin geflüchtet, sagte KNU-Generalsekretär Saw Tah Doh Moo der Nachrichtenagentur AFP. «Wir denken, dass sich die Zahl bis Ende April auf 6000 bis 7000 Menschen erhöhen könnte.» Die Behörden der thailändischen Provinz Tak hatten ebenfalls angekündigt, Notunterkünfte für Flüchtlinge vorzubereiten.

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