Israel stoppt 20 Gaza-Hilfsschiffe – Aktivisten festgenommen
Mehrere Schiffe der «Global Sumud Flotilla» setzen nach dem nächtlichen Zwischenfall im Mittelmeer ihre Fahrt nach Osten fort.

Einige der Boote bewegten sich am Nachmittag entlang der Küste Kretas innerhalb der griechischen Hoheitsgewässer, wie Daten des Online-Trackers der Initiatoren der Flottille sowie des Schiffsverfolgungssystems Marine Traffic zeigten. Von den Veranstaltern gab es zunächst keine Aussagen zu den weiteren Plänen der beteiligten Schiffe.
Die israelische Marine hatte in der Nacht zum Donnerstag im Mittelmeer auf internationalen Gewässern mehr als 20 Schiffe der internationalen Gaza-Hilfsflotte abgefangen und Dutzende Aktivisten festgenommen.
Nach Angaben des Aussenministeriums in Jerusalem werden rund 175 Aktivisten «friedlich» nach Israel gebracht. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International äusserte sich dagegen besorgt über das Schicksal der Festgenommenen.
Die Organisatoren werfen Israel weiterhin ein gewaltsames Vorgehen vor, während die israelische Seite betont, die Operation sei im Einklang mit dem Völkerrecht verlaufen und habe keine Verletzten gefordert.
Der Einsatz erfolgte westlich der griechischen Insel Kreta, die rund 1000 Kilometer Luftlinie von Israel entfernt liegt. Mit einem Eingreifen war gerechnet worden, der Zeitpunkt und die Entfernung überraschten jedoch.
Das israelische Aussenministerium teilte mit, aufgrund der grossen Anzahl an Schiffen sowie des Risikos einer Eskalation sei «ein frühzeitiges Eingreifen im Einklang mit dem Völkerrecht erforderlich» gewesen. Die Operation sei «in internationalen Gewässern friedlich und ohne Verletzte durchgeführt» worden.
Die Organisatoren warfen Israel vor, Motoren und Navigationssysteme zerstört zu haben. Zudem seien Zivilisten auf beschädigten, manövrierunfähigen Schiffen zurückgelassen worden. Dies sei trotz eines herannahenden Sturms geschehen. Auch Kommunikationsverbindungen seien gestört worden.
Die Armee äusserte sich dazu nur knapp. Sie verwies auf die Durchsetzung der Seeblockade des Gazastreifens, die Israel mit Sicherheitserwägungen begründet. Man handele gemäss den Anweisungen der politischen Führung.
Teilnehmer berichteten, Schnellboote des Militärs hätten sich nachts genähert. Soldaten hätten Laser und halbautomatische Waffen auf sie gerichtet. Sie seien gezwungen worden, sich an den Bug zu begeben und auf Hände und Knie zu gehen.
Die Hilfsflotte war am Sonntag von Sizilien aus in See gestochen. An Bord waren Aktivisten aus zahlreichen Ländern. Die Organisatoren sprachen von der bislang grössten Mission dieser Art. Israel warf den Veranstaltern vor, bei der Vorbereitung mit der islamistischen Terrororganisation Hamas zusammengearbeitet zu haben, die noch etwa die Hälfte des Küstenstreifens kontrolliert.
Das Aussenministerium von Jerusalem sprach von «professionellen Provokateuren» und warf ihnen vor, sie wollten den Übergang in die zweite Phase des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump sabotieren und die Aufmerksamkeit ablenken von der Weigerung der Hamas, ihre Waffen niederzulegen.
Der Angriff der israelischen Streitkräfte auf die Flotte sei ein «Akt der Piraterie» gewesen, hiess es vom türkischen Aussenministerium. Damit habe Israel humanitäre Werte und das Völkerrecht ins Visier genommen. Gemeinsam mit den betroffenen Ländern würden alle notwendigen Schritte unternommen, um die Lage zu klären.
Ziel der Hilfsflotte war es, die seit 2007 bestehende Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Zugleich sollten Hilfsgüter in das Gebiet gebracht werden, das in mehr als zwei Jahren Krieg weitgehend verwüstet worden ist. Ausserdem fordert die Initiative einen dauerhaften humanitären Korridor.
Israel hat ähnliche Versuche in der Vergangenheit stets unterbunden. Auch eine frühere Fahrt der Flottille im vergangenen Herbst wurde gestoppt.










