Erdogan macht Schliessung liberaler Uni in Istanbul rückgängig
Nach Protesten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Schliessung der renommierten Bilgi-Universität in Istanbul rückgängig gemacht. Ein entsprechendes Dekret wurde am Sonntagabend im Amtsblatt veröffentlicht. Damit revidierte er eine Entscheidung von Freitag, die als liberal geltende Hochschule zu schliessen.

Am Wochenende hatten Studenten und Lehrkräfte auf dem Campus gegen die Schliessung demonstriert. Die Polizei setzte Tränengas ein, Medienberichten zufolge gab es auch Festnahmen. Die Entscheidung zur Schliessung am Freitag kam kurz vor Ende des Semesters – Studierende kritisierten, dass sie teils nicht in der Lage seien, ihr Studium abzuschliessen.
Auf der Website der Hochschule wurde mitgeteilt, die Entscheidung zum Weiterbetrieb sei getroffen worden, um das Recht der Studierenden auf Bildung zu wahren.
Die Bilgi-Universität, die auch am Erasmus-Austauschprogramm teilnimmt, war im September vergangenen Jahres unter staatliche Kontrolle gestellt worden. Hintergrund waren unter anderem Vorwürfe von Betrug und Geldwäsche gegen die Can Holding, zu der die Hochschule zuvor gehörte.
Die Studentenproteste fielen zusammen mit Demonstrationen gegen die Absetzung des Chefs der grössten Oppositionspartei CHP Özgür Özel. Er war am Donnerstag gerichtlich des Amtes enthoben worden. Am Sonntag hatte die Polizei die CHP-Parteizentrale gestürmt, wo sich Özel mit seinen Unterstützern verschanzt hatte. Es gab zahlreiche Demonstrationen gegen die Absetzung – unter anderem in den drei grössten Städten des Landes, Istanbul, Ankara und Izmir.














