Gemeinde sprenkelt Rasen – Einwohner schütteln Kopf
Rasen sprengen? Für die Einwohner von Spiez BE verboten – für die Gemeinde offenbar nicht. Das sorgt für hitzige Diskussionen.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Gemeinde Spiez BE gilt wegen des Japankäfers ein Bewässerungsverbot für Privatpersonen.
- Die Gemeinde selbst bewässert jedoch weiterhin – sehr zum Unverständnis vieler Bewohner.
- Hinter der Bewässerung steckt eine gezielte Massnahme: Die Japankäfer sollen auf bestimmte Flächen gelockt werden.
In Spiez BE ist der Wasserneid ausgebrochen.
Der Grund? Die Gemeinde verbietet Privatpersonen, ihren Rasen zu bewässern. Und das mitten in der Sommer-Trockenheit. Schuld daran ist der Japankäfer, der die Region derzeit fest im Griff hat.
Die Gemeinde selbst lässt jedoch auf zahlreichen Grünflächen die Wassersprenger laufen. Für einige Einwohner ein absolutes No-Go.
Eine Anwohnerin machte ihrem Ärger auf Facebook Luft – und löst damit eine hitzige Debatte aus.
Anfang Juni nahm alles seinen Anfang. Die Gemeinde Spiez wurde Opfer des gefürchteten Japankäfers.
Auf ihrer Website schreibt die Gemeinde: «Der Schädling stellt eine ernsthafte Gefahr für Landwirtschaft, Gärten und Grünflächen dar, da er zahlreiche Pflanzenarten befällt und sich rasch verbreiten kann.»
Der Kanton Bern habe deshalb zeitlich befristete Massnahmen beschlossen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Dazu gehören strengere Vorgaben bei der Grüngutentsorgung – und ein Bewässerungsverbot. «Das Bewässern von Rasen, Wiesen und Weiden ist untersagt. Erlaubt bleibt die Bewässerung von Gemüse, Blumen und Stauden.» Ziel sei es, die Eiablage und Entwicklung des Japankäfers zu erschweren.
Bewässern verboten
Konkret bedeutet das also: Der eigene Rasen bleibt trocken.
Umso grösser ist der Frust, als ausgerechnet die Gemeinde selbst beim Bewässern erwischt wird. Eine Spiezerin veröffentlicht auf Facebook ein Foto einer besprenkelten Grünfläche (siehe ganz oben).

Dazu schreibt sie: «Also verstehe ich das richtig; eine Privatperson darf den eigenen Rasen nicht bewässern, aber die Gemeinde und der Friedhof dürfen dann schon?»
Und sie legt gleich nach: «Also auf diesen Rasenflächen wird sich der Japankäfer nicht vermehren?»
Der Beitrag sorgt für reichlich Diskussionen. Ein Nutzer pflichtet der Anwohnerin bei: «Der Fussballplatz im Spiezmoos wird auch ständig gewässert. Aber ja, verstehen muss es niemand.»
Und auch die Golfplätze kommen nicht ungeschoren davon. Ein weiterer Nutzer schreibt: «Auch die Golfplätze müssen immer ihr Grün behalten.»
Ausnahmebewilligung
Doch nicht alle stellen sich gegen die Gemeinde. Einige Nutzer weisen darauf hin, dass für gewisse Flächen eine Ausnahmebewilligung gilt. «Der Sportrasen im Spiezmoos (Moosmatte) wird nicht ständig bewässert.»
Dies geschehe nur gelegentlich. «Auf diesem Platz ist die Bewässerung bewilligt.»

Eine weitere Nutzerin liefert zudem eine mögliche Erklärung: «Soweit ich weiss, bekämpfen sie auf öffentlichen Rasen den Japankäfer mit Nematoden.» Diese Fadenwürmer leben im Boden und bekämpfen auf natürliche Weise die Larven des Käfers. Somit kann er sich nicht vermehren.
Und sie hat Recht. Denn hinter der Aufregung steckt ein überraschender Grund.
Käfer sollen angelockt werden
Die Gemeinde Spiez erklärt auf Anfrage von Nau.ch: Das Bewässern erfolge ganz bewusst. «Ziel ist es, die Japankäfer anzulocken, um sie später gezielt bekämpfen zu können.»
Die Schädlinge sollen sich auf ausgewählten Flächen sammeln, damit diese im Herbst mit Nematoden, also Fadenwürmern, behandelt werden können.
Und Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner stellt auch gleich klar: «Nicht alle Grünflächen werden bewässert.»
Betroffen seien vor allem Flächen rund um die Bucht sowie einzelne Sportplätze. Der Grund: «Bewässert man die Sportplätze nicht, ist die Verletzungsgefahr für die Kinder hoch.» Deshalb werde dort eine Ausnahme gemacht.
Welche Flächen bewässert werden dürfen, entscheidet laut der Gemeinde nicht sie selbst, sondern der Kanton. «Der Kanton bestimmt, bei welchen Flächen eine Bewässerung sinnvoll ist», sagt die Gemeindepräsidentin. Dazu gehören unter anderem der Friedhof, das Schlossareal und die Bucht.
Das Ziel dahinter sei eindeutig: «So ziehen wir den Japankäfer gezielt an Orte.» Anschliessend könne er dort effizient bekämpft werden.












