Bei Verfassungsreferendum in Tunesien zeichnet sich breite Mehrheit für Projekt ab

    AFP
    AFP

    Tunisien,

    In Tunesien zeichnet sich bei dem von der Opposition boykottierten Referendum über eine neue Verfassung eine breite Mehrheit für das umstrittene Projekt ab. Laut Nachwahlbefragungen des Meinungsforschungsinstituts Sigma Conseil stimmten am Montag zwischen 92 und 93 Prozent der Teilnehmer für den Verfassungsentwurf, der Präsident Kais Saïed deutlich mehr Macht verleihen soll.

    Stimmauszählung in Tunesien
    Stimmauszählung in Tunesien - AFP

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nachwahlbefragungen: Zustimmung von mehr als 90 Prozent - Beteiligung bei 28 Prozent.

    Offizielle Ergebnisse werden erst für Dienstagabend oder Mittwochmorgen erwartet.

    Die Wahlbehörde Isie teilte mit, die Wahlbeteiligung habe bei 27,54 Prozent gelegen. Demnach gaben 2,46 Millionen der 9,3 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme. Das ist mehr, als Beobachter angesichts der Boykott-Aufrufe der Opposition erwartet hatten. Isie-Chef Farouk Bouasker sagte, die Wähler seien ihrer historischen Verantwortung gerecht geworden und hätten sich in «sehr respektabler Zahl» in die Wahlbüros begeben.

    Die Opposition und Nichtregierungsorganisationen befürchten eine Rückkehr des nordafrikanischen Landes zu einem autoritären System. Sowohl die islamistischen Ennahda-Partei wie auch die säkulare Partei PDL unter Vorsitz von Abir Moussi riefen zu einem Boykott der Wahlen auf und nannten das Referendum einen «illegalen Prozess» ohne Absprache.

    Nach der geplanten Verfassung kann der Präsident den Regierungschef und die Minister künftig ohne parlamentarische Beteiligung ernennen und auch wieder entlassen. Er könnte im Parlament Gesetzestexte einbringen, die Vorrang vor anderen Entwürfen hätten. Die Stellung des Parlaments würde deutlich geschwächt. Eine Absetzung des Präsidenten ist in der neuen Verfassung nicht vorgesehen.

    Der Jurist Sadok Belaïd, den Präsident Saïed mit der Erarbeitung der Verfassung betraut hatte, distanzierte sich von der Endfassung und erklärte, sie könne «den Weg zu einem diktatorischen Regime freimachen».

    Saïed war Ende 2019 gewählt worden. Vor einem Jahr entmachtete er unter Berufung auf Notstandsgesetze die Regierung und das Parlament. Am Montag rief er seine Landsleute auf, sie sollten mit ihrer Stimmabgabe eine «neue Republik» schaffen, die «auf echter Freiheit, Gerechtigkeit und nationaler Würde» gründe.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    Thomas Aeschi SVP
    61 Interaktionen
    Er will!
    Krakau Schiesserei
    204 Interaktionen
    Schüsse in Krakau

    MEHR IN POLITIK

    Insel Gheschm
    1 Interaktionen
    Teheran
    2 Interaktionen
    Jerusalem
    Dana White
    27 Interaktionen
    Jobangebot

    MEHR AUS TUNISIEN

    Nicht überall startet die Reise entspannt: Ein aktuelles Ranking von Airhelp bewertet Flughäfen weltweit nach Pünktlichkeit, Fluggasterlebnis sowie Einrichtungen und Komfort.
    2 Interaktionen
    Ranking
    Regen
    2 Interaktionen
    Tunis