«Grösste Schande»: Verspielt es sich SRF-Ruefer mit Fans?
SRF-Kommentator Sascha Ruefer platzt beim Platzverweis eines Nati-Spielers an der WM der Kragen. Für einige Fussballfans hat er den Bogen überspannt.
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Das Wichtigste in Kürze
- Wegen des Platzverweises von Nati-Spieler Breel Embolo im Viertelfinal gegen Argentinien flippte Sascha Ruefer am Kommentatoren-Mikrofon aus.
- Erneut steht er für sein emotionales Verhalten in der Kritik.
- SRF verteidigt den Job des Kommentators.
Bevor der WM-Traum der Schweiz geplatzt ist, platzt Sascha Ruefer der Kragen. Die Abwärtsspirale beim Spiel Sonntagnacht beginnt mit einer Schwalbe von Breel Embolo. Er kassiert Gelb-Rot und fliegt vom Platz.
«Embolo fliegt vom Platz», kommentiert der SRF-Kommentator Ruefer ungläubig. «Das gibt’s gar nicht. Das ist ein absoluter Irrsinn. Das ist ein absoluter Irrsinn», schimpft er.
Den Entscheid von VAR Guillermo Pacheco und Schiedsrichter João Pinheiro bezeichnet er als «Witz im Quadrat.» Deshalb müsse man «aufhören mit dem VAR».
Was hier geschehe, habe «skandalöse Ausmasse», wettert er weiter. João Pinheiro ist für ihn «unten durch». Er betont, dies als «absoluten Skandal zu benennen».
Ruefer krebst zurück
Einige Minuten später hat sich Sascha Ruefer wieder gefangen. Er nimmt das Wort «Skandal» zurück. Denn: Zuvor hat Schiedsrichter-Experte Amhof noch einmal erklärt, warum die Gelb-Rote Karte korrekt sei.
Der Schaden ist aber angerichtet – und zwar auch für den Kommentator. Was sich Ruefer nach dem Platzverweis von Breel Embolo geleistet habe, gehe für einen Profisportkommentator nicht, kritisiert der «Tages-Anzeiger». «Schnappatmend skandalisierte Ruefer minutenlang, dass eine Fussballregel korrekt angewendet wurde – reinste nächtliche Realsatire.»
Auf der Plattform «Threads» bezeichnet ein User Sascha Ruefer als «grösste Schande an der Embolo-Geschichte». Die Aussagen, die er nach der Schwalbe getätigt habe, seien «eine absolute Frechheit».
Fan wechselt auf anderen Sender
Bereits in der Vergangenheit musste Ruefer Kritik wegen seiner emotionalen Ausbrüche einstecken. «Wollt ihr den nicht langsam auswechseln, oder ihm mindestens einen kompetenten Co-Kommentator zur Seite stellen?» Dies fragte Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister den Sender SRF auf X.
Grund dafür war, dass Ruefer den Sieg der Schweiz gegen Ungarn im Auftaktspiel an der WM 2024 lautstark gefeiert hatte. Seine Gebrüll-Performance motiviere zur Fahnenflucht zu ARD/ZDF oder ORF für den Rest des Turniers, wie seit Jahren, so Pfister.
Auch ein Zürcher Fussballfan hält den Kommentator nicht mehr aus. «Sascha Ruefer ist emotionalisiert und vergisst manchmal vorauszudenken», sagt der 59-Jährige. «Ich verfolge die Spiele deshalb lieber auf RTS.»
«Wir wünschen uns bei der WM 2026 einen anderen Kommentator», schrieb ein Nau.ch-User im Vorfeld der Spiele. «Herr Ruefer nervt bei wichtigen Matches mit seinen Aussagen, dem Geschrei, das stört den Match.»
Das sagt SRF
SRF verteidigt den Job ihres Kommentators auf Anfrage. «Unsere Kommentatorinnen und Kommentatoren begleiten die Spiele sachgerecht, fachlich fundiert, ausgewogen und unterhaltsam», sagt Mediensprecherin Lorena Sauter.
Sascha Ruefer habe seine Einschätzung unmittelbar nach der Szene geäussert, sagt die SRF-Mediensprecherin. Danach sei die Situation zusammen mit SRF-Schiedsrichterexperte Sascha Amhof und SRF-Experte Benjamin Huggel analysiert und eingeordnet worden.
«Im weiteren Verlauf der Übertragung wurden die relevanten Regeln erläutert und die anfängliche Bewertung differenziert betrachtet.» Dass einzelne Aussagen unterschiedlich wahrgenommen würden, liege in der Natur der Sache.
Die Kritik nähmen sie zur Kenntnis, teilten die darin geäusserte Kritik in der Gesamtbetrachtung aber nicht, sagt die SRF-Mediensprecherin. «Eine qualitativ hochwertige Sportberichterstattung ist uns wichtig.» Kritische Feedbacks und die regelmässige Reflexion unserer Arbeit seien zentrale Elemente der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung.
Ruefer sei authentisch
Sascha Ruefer hat aber auch viele Fans. «Sascha Ruefer, bleiben Sie, wie Sie sind!», bestärkt ihn Patrik Müller, Chefredaktor von «CH Media» in einem Kommentar. Gerade im Sport und im Medium Fernsehen gehörten Emotionen dazu, schreibt er. Im Streben nach Nüchternheit, Ausgewogenheit und Risikofreiheit drohe dem TV-Personal Profillosigkeit und Austauschbarkeit.
Rufer sei das Gegenteil, so Müller. «Er hat eine Stimme, eine Haltung und eine Sprache», lobt er. Auch sei er authentisch, kenne seine Rolle und wolle nicht mehr sein, als er sei.
Auch ein Fussballfan (49) verteidigt Ruefers neusten Gefühlsausbruch.
«Man muss bedenken, dass auch Sascha Ruefer in einer Live-Situation war», sagt der Zürcher. Die entsprechende Regel sei auf diese WM hin neu eingeführt worden. «Und selbst unter Schiedsrichter-Experten ist umstritten, ob sie korrekt angewendet wurde.» Da könne es passieren, dass auch ein Kommentator eine Situation falsch einschätze.



















