Nationalrat will Frauenquoten im Sport abschaffen
In den Leitungsgremien von Dachverbänden und Sport-Organisationen soll es keine Vorgaben zur Vertreter der Geschlechter geben. Der Nationalrat will eine erst vor kurzem geschaffene Regelung wieder aufheben.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Nationalrat nahm Heimgartners Motion mit 109 zu 81 Stimmen an.
- Der Bundesrat führte die 40-Prozent-Regel 2023 für Sportverbände ein.
- Verbände dürfen Ausnahmen beantragen, wenn sie das Geschlechterziel verfehlen.
Mit 109 zu 81 Stimmen stimmte er am Dienstag einer Motion von Stefanie Heimgartner (SVP/AG) zu. «Für mich ist eine Quote eine Beleidigung», sagte Heimgartner Sie wolle ein Amt übernehmen, weil sie das könne und Verantwortung übernehmen wolle, und nicht, weil sie eine Frau sei. «Ich will keine Quotenfrau sein.»
«Realitätsfremd»
Frauenquoten im Sport seien realitätsfremd, sagte Heimgartner und nannte als Beispiel den Schwingerverband mit rund 90 Prozent männlichen Mitgliedern. Weiche ein Verband von der Vorgabe ab, müsse er das dokumentieren, und es entstehe unnötige Bürokratie. Verbände könnten Frauen in eigener Verantwortung gezielt fördern.
Die in der Motion kritisierte Regelung ist Teil der ethischen Grundsätze, die Sportlerinnen und Sportler vor Gewalt schützen und Missstände in Verbänden verhindern sollen.
Der Geschlechter-Anteil von je mindestens 40 Prozent für die Führung des Sport-Dachverbandes Swiss Olympic und nationalen Verbänden und Sportorganisationen führte der Bundesrat 2023 ein. Für Verbände, die das Ziel nicht erfüllen können, sind Ausnahmen möglich.
«Wir wollen durchmischte Gremien»
Die Frage sei, ob eine einheitliche Quote angesichts der Vielfalt im Sport angemessen sei, sagte Andreas Meier (Mitte/AG) namens der befürwortenden Mehrheit der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N). Die Frage sei, ob die Sportverbände in dieser Frage nicht mehr Autonomie erhalten sollten.
Gegnerinnen der Motion betonten, dass es nicht um eine Quote gehe, sondern um einen Zielwert. 87 Prozent der Verbände erfüllten die Vorgabe mittlerweile, sagte Florence Brenzikofer (Grüne/BL). «Wir wollen durchmischte Gremien in Vereinen und Verbänden.»
Auch der Bundesrat lehnte den Vorstoss ab. Sportminister Martin Pfister sagte, der Bund und Swiss Olympic seien bereit für ein differenziertes Vorgehen. Nur der Dachverband und nationale Verbände müssten die Regelung umsetzen. Für lokale Vereine gelte die Vorgabe hingegen nicht. «Hier wird auf die Selbstregulierung gesetzt.»
Gegen Vorgaben zur Amtszeit
Mit einer zweiten Motion – ebenfalls von Heimgartner – verlangt der Nationalrat, auch die Amtszeitbeschränkung für Leitungsgremien von Dachverbänden und Sportorganisationen aufzuheben. Eine starke Minderheit der zuständigen Kommission setzte sich hier durch. Mit 109 zu 80 Stimmen unterstützte der Rat diesen Vorstoss.
Der Sport lebe zu einem grossen Teil von Menschen, die in ihrer Freizeit Verantwortung übernähmen, sagte Heimgartner. Viele Verbände seien froh, überhaupt genügend Engagierte zu finden. Gute Führung entstehe nicht automatisch, wenn erfahrene und bewährte Personen ihren Sessel nach einer gewissen Zeit räumen müssten.
Wer einen Verband führen solle, sollten die Verbände und deren Mitglieder entscheiden, sagte Heimgartner. Die unterlegene Mehrheit hielt es für angemessen, dass der Sport-Dachverband den Organisationen ihnen entsprechende Amtszeitbeschränkungen aufzuerlegen hat.
Die Gestaltung der Amtszeitbeschränkung sei den Organisationen überlassen, sagte Sprecherin Brenzikofer. Die Sportförderungsverordnung verlange zudem keine starre Regelung.
Neue Sichtweisen und Kompetenzen
Würden Spitzen periodisch neu besetzt, könnten neue Sichtweisen und Kompetenzen eingebracht werden. Und Nachwuchskräfte erhielten Gelegenheit, in einer Organisationsführung mitzuwirken. Ebenso könne verhindert werden, dass sich Macht bei einzelnen Personen konzentriere, fand die unterlegene Mehrheit.
Die Sportförderung sehe vor, dass sich Sportorganisationen an Gouvernanz-Vorgaben hielten, sagte Pfister. Amtszeitbeschränkungen förderten das Bewusstsein, sich rechtzeitig um gutes Nachwuchspersonal zu kümmern. Erfahrungen und Kontinuität seien wichtig, doch es solle auch Wissen aufgebaut werden.
Die beiden Motionen gehen nun an den Ständerat.










