Schweizer Patriot-Deal ist geplatzt - Mehrkosten drohen

Keystone-SDA
Keystone-SDA, Sina Barnert

Bern,

Die Schweiz muss weiter auf ihr Luftabwehrsystem warten. Ein Deal mit Deutschland ist geplatzt. Das ist ärgerlich – und bringt hohe Mehrkosten mit sich.

Patriot-System
Die Hoffnung auf eine rasche Auslieferung des Flugabwehrsystems Patriot für die Schweiz haben sich zerschlagen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Auslieferung des Schweizer Patriot-Luftabwehrsystems verzögert sich weiter.
  • Ein Deal mit Deutschland ist geplatzt, das Abwehrsystem kommt wohl erst nach 2030.
  • Die Kosten für das neue Luftabwehrsystem schiessen deshalb in die Höhe.

Die Lieferung von Patriot-Systemen an die Schweiz verzögert sich immer weiter.

Eigentlich hätte das Flugabwehrsystem bereits 2026 eintreffen sollen. Doch die USA entschieden anders – und wiesen die für die Schweiz vorgesehene Lieferung lieber Nato-Bündnispartner Deutschland zu.

Denn: Deutschland hat mehrere Patriot-Systeme an die Ukraine weitergegeben. Und muss die dadurch entstandene Lücke stopfen.

Deutschland will im Ernstfall geschützt sein

Dass die Schweiz länger auf ihr Flugabwehrsystem warten muss, hatte Rüstungschef Urs Loher bereits Ende Juni in der «NZZ» bekanntgegeben. Doch damals gab es noch Hoffnung auf eine baldige Auslieferung.

Da die Systeme ihm zufolge nicht der Wunschkonfiguration der Bundeswehr entsprechen, hatte die Schweiz gehofft, möglicherweise Komponenten zu erhalten. Daraus wird nun nichts.

Deutschland habe sich für eine möglichst schnelle Lieferung entschieden. «Sie wollen die Systeme, die sie an die Ukraine abgegeben haben, rasch möglichst aufgefüllt haben», so Loher gegenüber SRF. Dies, damit Deutschland im Ernstfall geschützt sei.

Rüstungschef macht Deutschland und USA keinen Vorwurf

Loher erklärt: «Die Optionen mit Deutschland haben sich zerschlagen und können so nicht umgesetzt werden.»

Er mache weder den USA noch Deutschland einen Vorwurf, so der Rüstungschef.

Kannst du verstehen, wieso Deutschland der Schweiz bei Patriot nicht den Vortritt lässt?

Denn: Aufgrund der aktuellen Bedrohungslage würden alle Länder zuerst für sich schauen. Deutschland habe lediglich den schnellsten Weg gewählt.

Nur: Laut SRF steigen wegen der Verzögerung bei der Patriot-Lieferung die Kosten – und zwar massiv.

«Wir gehen nicht davon aus, dass es vor den frühen 30er-Jahren sein wird»

«Wir haben eine Bandbreite zwischen 1,7 und 4,3 Milliarden Franken», erklärt Loher zu den erwarteten Mehrkosten. Also mindestens eine Verdoppelung des Ursprungs-Preises von rund zwei Milliarden Franken.

Urs Loher
Rüstungschef Urs Loher rechnet mit hohen Mehrkosten für die verspätete Patriot-Lieferung. - keystone

Doch was wird nun aus der Schweizer Flugabwehr? Wann kann das Patriot-System für die Schweiz geliefert werden?

Loher meint dazu: «Wir gehen nicht davon aus, dass es vor den frühen 30er-Jahren sein wird.» Aber: «Solange die Verträge nicht unterzeichnet sind, ist nichts sicher.»

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Kommentare

User #2163 (nicht angemeldet)

Den Letzten beissen die Hunde. Wir langsamen Schweizer hinken bei allem hinterher.

User #6396 (nicht angemeldet)

Die Schweiz sollte mal nachdenken selber die Rüstungsindustrie in die Hand zu nehmen. Aber viele in diesem Land haben noch nicht begriffen was zur Zeit. auf dieser Welt abgeht.

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