Schweizer Luftabwehr: Patriot-System gegen Russland fast nutzlos

Simon Huber
Simon Huber

Bern,

Die Schweiz setzt auf Patriot-Raketen. Doch gegen Angriffe aus Russland oder dem Iran bringt das System laut Experten kaum etwas.

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Gemäss Experten eignet sich das Patriot-System nicht für Angriffe aus grosser Distanz. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Patriot-System ist gegen ballistische Raketen aus Russland und dem Iran kaum wirksam.
  • Patriot eignet sich vor allem für die Abwehr von Kurzstreckenraketen.
  • Deutschland setzt auf das stärkere System Arrow 3, das auch die Schweiz abdecken könnte.

Verteidigungsminister Martin Pfister warnt seit Wochen vor Angriffen aus der Distanz. Die Antwort des Bundesrats: fünf Patriot-Einheiten aus den USA, die für fast 5 Milliarden Franken beschafft werden sollen. Es gibt dabei jedoch einen Haken.

Laut Raketenabwehrexperte Timur Kadyshev von der Universität Hamburg ist die Abfangwahrscheinlichkeit bei Angriffen aus Russland oder dem Iran «sehr gering».

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt er: «Für die Schweiz ist Patriot praktisch nutzlos, um ballistische Raketen aus Russland oder dem Iran abzuwehren.»

Das Schweizer Radar erkenne schnelle Raketen erst spät. So bleibe kaum Zeit zum Abschuss.

Patriot wirkt nur gegen kürzere Distanzen

Gegen Angriffe aus rund 500 Kilometern Entfernung, etwa aus Paris oder Wien, funktioniert Patriot laut Kadyshev deutlich besser. Bei mehreren Abschüssen liege die Trefferwahrscheinlichkeit bei 80 bis 90 Prozent.

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Die Meinungen zum Patriot-System spalten sich. - keystone

Eine zusätzliche Gefahr sind russische Oreschnik-Hyperschallraketen, die mehrere Sprengköpfe gleichzeitig abfeuern können.

«Mit fünf Patriot-Feuereinheiten allein ist man dagegen nahezu machtlos», sagt der deutsche Experte Markus Schiller gegenüber der Zeitung.

VBS kennt die Schwächen

Das Verteidigungsdepartement VBS weiss laut seinem Validierungsbericht vom November 2025, dass Patriot die Bevölkerung nur «in begrenztem Umfang» schützen kann.

Öffentlich betont das Departement aber lieber das gute Kosten-Nutzen-Verhältnis des Systems.

Deutschland setzt auf stärkeres System

Eine wirksamere Lösung gegen Raketen aus grösserer Distanz wäre laut dem «Tages-Anzeiger» das System Arrow 3. Das wird auch von Israel verwendet. Deutschland will es in Kaufbeuren stationieren, von wo aus auch die Schweiz abgedeckt werden könnte.

Findest du, die Schweiz sollte stärker mit anderen Ländern bei der Raketenabwehr zusammenarbeiten?

Eine engere Zusammenarbeit mit europäischen Nachbarn müsse die Schweizer Neutralität laut Experte Schiller nicht zwingend gefährden.

Der Bundesrat plant unterdessen, wegen Lieferverzögerungen bei Patriot ein zweites Abwehrsystem zu beschaffen. Der Entscheid darüber dürfte am Mittwoch fallen.

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Kommentare

User #2637 (nicht angemeldet)

Fakt: die Schweiz ist verteidigungsunfähig und will noch viele Steuer-Milliarden in die Verteidigungsunfähigkeit investieren.

User #4220 (nicht angemeldet)

.. Die ursprüngliche Einsatzdoktrin der seinerzeitigen Truppenordnung 61 beinhaltete, bei einem Angriff der Sowjetarmee notfalls auch mit Atomwaffen zu antworten .. Ähnlich wie die Tornados der Deutschen Luftwaffe im Rahmen der nuklearen Teilhabe, sollten Mirage III Überschall-Kampfjets Atombomben bis nach Russland tragen .. Die Doktrin der Abschreckung sah auch vor, bei einer militärischen Auseinandersetzung taktische Atomwaffen im äussersten Fall auch hier im eigenen Land einzusetzen .. Die damalige Generalität wandte sich anfangs der 1960er Jahre in einem Brief mit der Forderung an den Bundesrat, den Einsatzbefehl über den Gebrauch solcher Waffen ausschliesslich der Armeeführung zu überlassen .. Das Ganze kam bekannterweise nie zustande .. Nichtsdestotrotz aber wurde die Schweizer Armee von den Sowjets damals als schwer bezwingbarer Gegner eingestuft .. Historische Aufzeichnungen aus dem Generalstab der Roten Armee belegen das ..

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